Strombedarf für Rechnerfarmen ist nicht mehr das Problem

Dena-Studie: Bei Blockchain noch vieles ungeklärt

Die Dena hat eine neue Studie zur Blockchain präsentiert. © Alexander Morhart

Die Deutsche Energieagentur (Dena) hat in Berlin eine Studie zum Thema "Blockchain" vorgestellt. Demnach ist unter anderem die Regelbarkeit in Gesetzen noch weitgehend ungeklärt. Lösbar scheint dagegen das bisherige Problem des hohen Strombedarfs.

Nicht einmal die Fachwelt selbst ist sich bei bestimmten Begriffsdefinitionen zur Blockchain bisher einig. Das wurde zum Beispiel beim Vortrag von Ludwig Einhellig klar, einem der beiden Hauptautoren der Dena-Studie "Blockchain in der integrierten Energiewende". Der Volkswirt vom Beratungsunternehmen Deloitte stockte bei seinem Vortrag zweimal, um sich bei Kollegen über den exakten Gebrauch der Begriffe "Coin" und "Token" rückzuversichern. Auch in der Studie selbst bleibt diese Frage letztlich unbeantwortet: "Mal werden Coins und Tokens synonym verwendet und als Kryptowährungen bezeichnet. Andere hingegen treffen innerhalb des Begriffspaars explizite Unterscheidungen", heißt es auf Seite 31.

Über den Hauptbegriff "Blockchain" ist man sich immerhin einig. Es ist ein digitales Buchhaltungsjournal, dessen Daten dezentral bei zumindest einem Teil der Nutzer laufend abgespeichert werden. Eine Funktion im Energiebereich, die bereits vereinzelt genutzt wird, sind intelligente, maschinell ausführbare Verträge ("Smart Contracts"), mit denen ohne den Umweg über eine zentrale Börse Strom gehandelt werden kann. Der digitale Vertrag legt dann zum Beispiel fest: "Wenn Anbieter A Solarstrom in den kommenden zwei Stunden für unter 9 Cent pro Kilowattstunde anbietet, will ich in dieser Zeit 2 Kilowattstunden Strom von ihm beziehen; sonst von Anbieter B."

Dass vieles noch nicht einheitlich geregelt ist, stellen die Autoren der Studie oft einfach nur lapidar fest. So beginnt zum Beispiel im Laufe dieses Jahres die lange angekündigte Auslieferung intelligenter Stromzähler mit Internetanschluss ("Smart-Meter-Gateway"), die zusammen mit dem Marktstammdatenregister und Blockchain-Datenbanken interessante Anwendungen möglich machen könnten. In der Dena-Studie heißt es dazu: "Insgesamt sind die konkreten Anforderungen dieses komplexen Gesamtsystems (…) noch weitgehend ungeklärt."

Kleinstlieferungen als Paraderolle für Blockchains

Auch aufgrund der neuen Einspeise-Philosophie der EU würde man sich Klarheit wünschen. So heißt es in der Studie: "Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie in ihrer Neufassung von November 2018 sieht vor, dass Prosumer bis zu einer bestimmten Liefermenge nicht unter den europäischen oder nationalen ‚Lieferantenbegriff’ fallen sollen, wodurch im Rahmen von Energiegemeinschaften mit der hochfrequenten Abrechnung von Kleinstlieferungen und -verbräuchen zu rechnen ist." Das wäre an sich eine Paraderolle für Blockchain-Anwendungen. Denn: "Mikrotransaktionen in der Energiewirtschaft lassen sich mit heutigen Informationssystemen oftmals nicht wirtschaftlich darstellen."

Andererseits bleiben die Studienautoren dann doch im Vagen, ob sich solche Kleinstlieferungen mit einer Blockchain tatsächlich billiger erledigen lassen. Da heißt es zwar, der Einsatz einer Blockchain für die Automatisierung der heutigen Abrechnungsprozesse für Entgelte und Umlagen verspreche "gewisse Kosteneinsparungen gegenüber dem Status quo". Gleich im nächsten Satz jedoch: "Allerdings existieren Alternativen, die möglicherweise kostengünstiger implementiert und betrieben werden können als blockchain-basierte Lösungen."

Weitere Blockchain-Stärke: Zertifizierung von Energielieferungen

Als klare Stärke sieht die Studie immerhin die Zertifizierung solcher Energielieferungen: "Der Einsatz der Blockchain-Technologie für Nachweise über Ausgabe, Handel, Verfolgung und Einzug von Strom oder Gas erlaubt nun erstmals eine Ende-zu-Ende-Zertifizierung und damit einen ‚anlagenscharfen’ Nachweis." Jedoch bleiben solche Feststellungen weitgehend theoretisch. Unternehmen wie Enyway und Lition, die bereits seit dem vergangenen Jahr Blockchains kommerziell einsetzen, tauchen fast nur in Fußnoten auf. Stattdessen heißt es in der Studie bedauernd: "Es liegen bislang aus den diversen Anwendungsdomänen (…) ausgesprochen wenige empirische Untersuchungen im Sinne einer Kosten-Nutzen-Bewertung von Blockchain-Anwendungen vor." Die Dena-Studie ordnet sich damit in diesem Bereich als Metastudie ein – nicht als eine Arbeit, die selbst primäre Daten hervorbringt.

Immerhin listen die Autoren eine Reihe von Geschäftsmodellen auf, die in der bisherigen Diskussion wenig Aufmerksamkeit gefunden hatten. Ein interessanter Aspekt ist zum Beispiel die Instandhaltung und Wartung von Geräten und Anlagen in Gebäuden: Hier sehen die Autoren die Möglichkeit, Wartungs- und Instandhaltungsaktivitäten der Dienstleister in einer Blockchain zu speichern. So sei es möglich, Leistung und Bezahlung solcher Dienstleistungen unmittelbar mit Smart Contracts zu verknüpfen und beides verfolgbar und zurechenbar zu machen. "Neben der Gebäudeleittechnik betrifft dies Komponenten von Heizungs-, Lüftungs- und Klimainstallationen wie Boiler, Kältekompressoren, Pumpen oder Lüfter." Eine Verbindung zum Thema Bauwerksdatenmodellierung (BIM) drängt sich da eigentlich auf – ein Thema, das allerdings in der gesamten Studie nicht einmal erwähnt wird.

Strombedarf der Rechnerfarmen ist nicht mehr das Problem

Aufgegriffen und relativ konkret abgehandelt wird jedoch die Frage des Strombedarfs der Rechnerfarmen bei der Blockchain-Technik. Im Jahr 2017 hatte ein Experte kritisiert, dass die auf den Handel einer Strommenge von zwei Kilowattstunden entfallende nötige Rechenleistung bei einem damals gängigen "Etherium"-Blockchain-System acht Kilowattstunden entsprach. In der Dena-Studie wird das Positivbeispiel der Plattform "EOS" erwähnt, die "angeblich 17.000-mal effizienter als Etherium" sei. Allerdings fehlt ausgerechnet hier eine Quellenangabe. Von Alexander Morhart

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