Anbau als Passivhaus vermindert Folgekosten

Ansteigende Kinderzahlen und andere Anforderungen an die Betreuungszeiten veranlassten die Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen den gemeindeeigenen Kindergarten "Max und Moritz" im Ortsteil Oberuhldingen zu erweitern. Im Zuge dieser Erweiterung wurde der renovierungsbedürftige Kindergarten im Zentrum geschlossen und in den Neubau integriert.

Seitens der Gemeinde wurde ein wirtschaftlicher Erweiterungsbau gefordert. Neben günstigen Erstellungskosten spielt bei einer wirtschaftlichen und nachhaltigen Betrachtungsweise auch der Unterhalt des Gebäudes eine große Rolle. Der Vorschlag, den Neubau im Passivhausstandard zu erstellen ist bei der Gemeinde auf offene Ohren gestoßen.

Lage & Städtebau

Auf einer bisher als Bolzplatz genützten Freifläche zwischen dem bestehenden Kindergarten und dem Schulbereich und Sportgelände konnte eine optimale Südausrichtung gewählt werden. Dem verwinkelten Altbau aus den 90er Jahren wurde als Kontrast ein klarer eingeschossiger und kompakter Baukörper gegenübergestellt

Architektur

Die neue Eingangshalle fügt sich zwischen Alt- und Neubau und stellt das Bindeglied beider Baukörper und Bauweisen dar. Sie erschließt sowohl die beiden Gebäude als auch den Freibereich im Süden. Eine markante Eingangsüberdachung betont den Zugangsbereich des Kindergartens und bietet auch Schutz gegen Wind und Regen. Die Stahlbetonfertigteil-Konstruktion wird geprägt durch die Figuren von Max und Moritz, welche als Öffnungen innerhalb der Betonwand ausgeführt wurden.

Der Neubau wurde im Passivhausstandard ausgeführt und bietet neben geringsten Energiekosten somit auch ein Optimum an Komfort: Hygienische Grundlüftung, warme Oberflächen und großflächige Verglasung der Südfassade, beste Belichtung und gute Orientierung für die Kleinen. Die Gruppen- und Intensivräume wurden zur südlich gelegenen Spielwiese hin angeordnet und werden über eine raumhohe Verglasung optimal belichtet.

Als Fensterkonstruktion wurde eine Pfosten-Riegel-Fassade gewählt. In Teilbereichen wurden die Querriegel aufgedoppelt und sind als Tischflächen nutzbar. Neben zwei Gruppenräumen (einer davon ist als Kleinkindgruppe ausgestattet) befindet sich auf der Südwestseite der neue Mehrzweckraum. Er wird überwiegend als Bewegungsraum genutzt, kann aber im Bedarfsfall mit nur wenigen Handgriffen über mobile Trennwände zu einem grossen Veranstaltungsraum erweitert werden.

Der Flurbereich wurde durch eine geschwungenen Wandscheibe aufgelockert. Diese ist mit dunkler Magnetfarbe gestrichen und kann somit als Ausstellungs- und Präsentationsfläche für die Kunstwerke der Kinder dienen. Nördlich dieser Wandscheibe sind die Nebenräume (Technik und Sanitärräume des Neubaus) angeordnet.

Farbkonzept

Helle, frische Gelb- und Grüntöne kennzeichnen vor allem das äussere Erscheinungsbild des Neubaus. So wurde die horizontal gebänderte Aussenfassade aus Faserzementplatten in sechs unterschiedlichen Farbtönen gestaltet.

Im Innern dominieren neutrale Flächen, welche jedoch immer wieder durch das gelb-grüne Farbspiel ergänzt werden (Leibungen der Oberlichter, farbiges Glas, Wandbeplankung im Mehrzweckraum).

Heizung & Warmwasser

Der Heizwärmebedarf des Passivhaus-Anbaus beträgt nur zirka ein Achtel des Altbaus. Durch den sehr geringen Mehrbedarf an Heizwärme konnte der Neubau einfach an die vorhandene Heizzentrale angebunden werden. Eine zusätzlicher Heizung ist somit nicht erforderlich. Als (Rest-) Heizungssystem kommt eine in Teilbereichen und mit sehr niedriger Vorlauftemperatur ausgelegte Fussbodenheizung zum Einsatz. Sie wird nur an wenigen Wintertagen notwendig sein, ist jedoch durch die fehlenden "inneren" Energiegewinne (die Kinder sind ja über das Wochenende 2½ Tage nicht da!) erforderlich.

Die Funktionen "Heizen" und "Lüften" werden von getrennten Systemen übernommen, da gegensätzliche Regelanforderungen bestehen: geringe Belegung = erhöhter Heizbedarf und geringer Lüftungsbedarf, hohe Belegung = kein Heizbedarf, jedoch erhöhter Lüftungsbedarf.

Im Neubau gibt es nur einen sehr geringen Warmwasserbedarf. Aus energetischen und wirtschaftlichen Gründen erfolgt die Warmwasserbereitung dezentral an den Verbrauchsstellen mit Durchlauferhitzern.

Daten und Fakten

Kindergarten / Kindertagesstätte (Erweiterung)
  • Projektbeschreibung: Neubau des Kindergartens Max & Moritz in Passivhausqualität
  • Energiebezugsfläche nach PHPP: 360 m²
  • Konstruktion: Holzbau
  • Außenwand: Aufbau: Streichputz, Fermacell 10mm, OSB 15mm, Dämmständer 360mm mit Zellulosedämmung, DWD-Platte 16mm, Stamisol-Folie UV-beständig, Lattung, Trespaplatten U-Wert = 0,11 W/(m²K)
  • Kellerdecke / Bodenplatte: 150mm Bodenplatte auf Rollierung, Bitumenabklebung, 240mm Dämmung (PS), 60 mm Zementestrich, 3 mm Linoleum U-Wert = 0,14 W/(m²K)
  • Dach: Aufbau: Streichputz, Fermacell 12,5mm, Dampfbremse, TJI-Träger 406 mm mit Zellulosedämmung, Aufdopplung für Flachdachgefälle i.M. 96 mm, Holzschalung 22mm, Flachdachabdichtung, Externe Begrünung U-Wert = 0,1 W/(m²K)
  • Fensterrahmen: Striegel, Ultrapur S Uw-Wert = 0,72 W/(m²K) Verglasung: 3-fach Verglasung mit Argonfüllung Ug-Wert = 0,6 W/(m²K)
  • Eingangstür: Striegel, PH Tür Ud-Wert = 0,78 W/(m²K)
  • Lüftung: Zu- und Abluftanlage mit WRG, Fabrikat AEREX RecoBoxx 1200 Heizung: Anbindung an bestehende Heizzentrale, Wärmeerzeugung mit bestehendem Gas-Brennwertkessel, Reserveleistung für Neubau ist vorhanden Warmwasser: dezentral in elektrischen Durchlauferhitzern an den Entnahmestellen
  • Luftdichtheit: n50 = 0,29/h
  • Ökologische Aspekte: Holz ohne chemische Behandlung, Zellulosedämmung, extensiv begrüntes Flachdach
  • Heizwärmebedarf: 15 kWh/(m²a) berechnet nach PHPP Gebäudeheizlast: Primärenergiebedarf: 110 kWh/(m²a) Wohn-/ Nutzfläche für Heizung, Warmwasser, Hilfs- und Haushaltsstrom berechnet nach PHP.
  • Ansprechpartner: Wamsler Architekten, Markdorf