Niedrigenergiehaus im Bauhaus-Stil

Beim Dachgarten-Haus der Firma Baufritz in Villingen werden Bauhaus-Traditionen mit modernen Ansätzen verknüpft.

Eine Besonderheit des Haustyps "Modern Living" unter Gestaltungsplanung des Stuttgarter Architekten Professor Hans-Georg Stotz ist nicht nur der Bauhaus-Stil mit klassischem Flachdach, sondern auch die Energiebilanz und ökologische Raffinessen. Dabei wird der Primärenergiebedarf während der Nutzungsphase sowie während des gesamten Lebenszykluses des Hauses von der Beschaffung der Baustoffe bis zu ihrem Recycling berücksichtigt.

Das Haus ist in Holzrahmenbauweise mit Großelementen errichtet, mit einer Länge von 13,89 Metern und einer Tiefe von 10,14 Metern. Fichte, Lärche und Douglasie kamen bei der Holzbaukonstruktion zum Einsatz. Die Dämmung der Außenwand besteht aus Hobelspänen. Die hochgedämmte Außenwand hat insgesamt eine Dicke von 40 Zentimetern und erreicht einen U-Wert von 0,17 W/m²K. Der U-Wert der dreifachverglasten Fenster beträgt 0,8 W/m²K. Die Außenfassade ist in horizontaler Lärche-Schalung ausgeführt. Alle verwendeten Baustoffe sind schadstoffgeprüft. 

Weitläufiger Dachgarten

Das Flachdach hat eine Neigung von zwei Grad, der Kniestock eine Höhe von 2,80 Metern. Die Wohnfläche im Erdgeschoss beträgt 113,34 Quadratmeter, im Obergeschoss 119,55 Quadratmeter. Beeindruckend ist der weitläufige Dachgarten mit 126 Quadratmetern Fläche mit dem angrenzendem "Penthouse-Studio" mit Bibliothek und Minibar. Das Obergeschoss besteht aus Schlafbereich, Ankleide und einem mit Naturstein ausgestatteten Badezimmer. Für die beiden Kinderzimmer sowie das Gästezimmer wurde ein weiteres Bad mit versteckter Duschmöglichkeit integriert. 

Offene Räume und viel Glas

Der Flur des Obergeschosses öffnet sich als Galerie zum Erdgeschoss mit Blick in den großzügigen, offenen Essbereich. Spannende Blickachsen ergeben sich dadurch innerhalb des Hauses und nach draußen. Die Galerie wird zur Südwest-Seite durch eine großflächige Verglasung, welche sich bis ins Erdgeschoss erstreckt, zum Garten hin geöffnet. Essplatz, Küche und Wohnbereich gehen ineinander über und bilden einen großen Raum. Neben dem Wohnbereich, dessen Mittelpunkt ein Kamin ist, verfügt das Erdgeschoss über einen 17 Quadratmeter großen Hauswirtschaftsraum, ein Büro sowie ein Gäste-WC mit weiterer Duschmöglichkeit.

Eine 82 Quadratmeter große Süd-West-Terrasse mit direktem Zugang zum Wohnbereich verlängert den Wohnraum in den Außenbereich. Von der Doppel-Garage aus gelangt man direkt in den Flur des Wohnhauses. Während der Baukörper auf der einen Seite offen zur Natur gestaltet wurde, verschließt er sich nach Norden fast komplett. Nur einzelne Lichtbänder lockern die wartungsfreie, naturbelassene Fassade auf.

Ein Großteil der dreifachverglasten, ebenfalls wartungsfreien Holz-Alu-Fenster verfügt über Schiebeläden in Anthrazit-Farbgebung. Diese findet sich auch bei der Gestaltung von Penthouse und Garage wieder. Hier wurden die Außenwände mit Holzfaserplatten, ebenfalls in Anthrazit, gestaltet.   

Gutes Klima inklusive

Das Haus bietet neben geringen Energiekosten auch wohnklimatische Besonderheiten mit Holzpelletheizung und thermischer Solaranlage (aufgeständerte Flachkollektoren) auf dem Dach. Komfortable Wärme entsteht durch eine Fußbodenheizung in allen Räumen.

Wichtig war es den Planern außerdem, die Wärmeverluste gering zu halten. Das gelingt mit diesem kompakten, fast würfelförmigen Bau mit einem günstigen A/V-Verhältnis, indem die Flächen der Außenbauteile im Verhältnis zur Wohnfläche reduziert wurden. Große Fenster Richtung Süden und Südwesten, zum Teil über zwei Geschosse verlaufend, fangen passive Solarenergie ein. Möglichst kleine Glasflächen auf der Nordseite helfen Wärmeabstrahlungen zu vermeiden. 

Sonneneinstrahlung wird angepasst

Der Grundriss ist so organisiert, dass alle Wohnräume nach Süden hin orientiert sind und nicht beheizte Räume nach Norden einen Puffer bilden. Im Sommer spielt der Überhitzungsschutz der Räume die wichtigste Rolle. Filigrane Beschattungselemente – abgehängte, spezielle Gitterkonstruktionen über den Fenstern – an der Süd- und Westseite des Hauses sorgen für eine wirkungsvolle und automatische Beschattung beim sommerlichen hohen Sonnenstand.

Durch die elektrischen Jalousien der Galerieverglasung kann die Sonneneinstrahlung nach den individuellen Bedürfnissen und der jeweiligen Tageszeit angepasst werden. Zudem verhindert ein speziell entwickelter Naturdämmstoff aus Holzspänen, eine Hobelspänedämmung, ein schnelles Aufheizen des Dachgeschosses und sorgt für eine Phasenverschiebung: Die sommerlichen Außentemperaturen dringen erst mit einer Verzögerung von 14 Stunden in das Dachgeschoss ein – die Tageshitze bleibt draußen. Dank der Kombination verschiedener Maßnahmen zur Energieeffizienz beträgt der Jahresprimärenergiebedarf des Hauses somit 28,50 kWh/m²a. Text: Nicole Allé, Bilder: Baufritz

Daten und Fakten

  • Hersteller: Baufritz GmbH & Co. KG, Erkheim/Allgäu
  • Architekt: Prof. Hans-Georg Stotz, Stuttgart 
  • Haustyp: individuell geplantes Einfamilienhaus  
  • Nutzfläche: 235 m²
  • Bauweise: Holzrahmenbau mit Großelementen  
  • Baustoffe (konstruktiv): widerstandbeständige Fichte und Lärche/Douglasie - schadstoffgeprüft  
  • Fassadenaufbau: Biologische Naturdämmung aus Hobelspänen - HOIZ S 45 (natureplus-zertifiziert)  
  • U-Werte: Fassade / 0,17 W/m²K. Fensterglas / 0,8 W/m²K (Dreifach-Verglasung). Fenster / 1,1 W/m²K
  • Heizungssystem: Pelletheizung, Fußbodenheizung in allen Räumen, solarhtermische Anlage für Warmwasser und Heizungsunterstützung
  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung  
  • Jahresprimärenergiebedarf: 28,50 kWh/m²a
    Jahresheizwärmebedarf: 46,1 kWh/m²a

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