Planer müssen ein Lüftungskonzept erstellen

Lüften ist mit unterschiedlichen Systemen möglich

Gebäudehüllen werden im Zuge maximaler Energieeffizienz luftdichter, damit möglichst wenig Wärmeenergie über die Außenhülle verloren geht. Das führt häufig dazu, dass in Neubauten, aber auch nach der Sanierung mit einer besseren Dämmung und dichteren Fenstern, Lüftungsanlagen notwendig sind. Auf jeden Fall notwendig ist ein Lüftungskonzept, das den zur Schimmelvermeidung notwendigen Luftaustausch sicherstellt. Es kann auch auf Fensterlüftung beruhen.

Laut Energieeinsparverordnung müssen Gebäude nach den Regeln der Technik luftdicht gebaut werden. Gleichzeitig soll der für die Hygiene erforderliche Mindestluftwechsel sichergestellt sein. Vorschriften, wie das zu erfolgen hat, finden sich in der EnEV nicht. Die DIN 1946-6 ist zwar nicht als Rechenregel in der EnEV verankert, aber sie ist eine allgemein anerkannte Regel der Technik.

Als solche geht sie auch in die Rechtsprechung ein, was im Klartext bedeutet: Wer sich nicht darum kümmert, riskiert erhebliche Haftungsrisiken. Ist der Mindestluftwechsel zum Feuchteschutz nicht gewährleistet, drohen Schimmel und eine Gefährdung der Bausubstanz.

Dezentrale Lüftungsgeräte

Dezentrale Lüftungsgeräte kommen vor allem in Altbauten zum Einsatz. Pro Raum wird mindestens ein Lüftungselement in Fensternähe in die Wand integriert, das sowohl für Be- wie Entlüftung sorgt. Die Luft wird abwechselnd angesaugt und eingeblasen. Claus Haendel, technischer Referent beim Fachverband Gebäude-Klima, rät zu mehreren kleinen Geräten: "Desto mehr man hat, desto kleiner und leiser können die Geräte werden." In Wohnungen mit hoher Lärmbelatung durch Straßen- oder Flugverkehr rät er außerdem zu Schalldämmlüftern: "Dann können alle Fenster zu bleiben."

Neuere Elemente sind mit einer Wärmerückgewinnungsvorrichtung ausgestattet. Dazu wird im Luftstrom ein Wärmeübertrager eingebaut. Das sind wabenförmige Gebilde aus Keramik oder Aluminium, die sich beim Ansaugen der verbrauchten warmen Innenluft erwärmen und beim Einblasen der kühleren Außenluft Wärme abgeben. "Wenn die Anlagen gut geplant und richtig ausgelegt sind, erfüllen sie alle die Anforderungen der Feuchteschutzregulierung und vermeiden Schimmel. Es sei denn, er ist bauphysikalisch verursacht", sagt Haendel.

Zudem gibt es Fenster mit integrierten Lüftungssystemen. Die Investitionskosten sind im Vergleich zu zentralen Systemen niedrig. Allerdings arbeiten diese Einzelgeräte auch nicht so effizient wie eine zentrale Anlage mit Wärmerückgewinnung.

Abluftsysteme

Abluftsysteme mit einem zentralen Kanal sorgen für den notwendigen Luftwechsel, indem sie aus stark belasteten Bereichen wie Küche, Bad und WC die feuchte Luft ins Freie transportieren. Die frische Zuluft gelangt selbstständig über Außenluftdurchlässe beispielsweise in den Fensterrahmen in die Räume. Ein Kanalsystem über den einen Abluftkanal hinaus gibt es nicht.

Will man so eine Anlage mit einer Wärmerückgewinnung versehen, braucht man dahinter eine Wärmepumpe, die der Luft die Wärme entzieht und in einen Warmwasserspeicher führt. Wenn es so einen Speicher gibt, ist eine Abluftanlage ein gutes und kostengünstigstes System. Auch für die Sanierungen bieten sich Abluftanlagen an, wenn die verbrauchte Luft günstig über einen nicht mehr gebrauchten Schornstein abgeführt werden kann.

Zentrale Anlagen mit Wärmerückgewinnung

Am komfortabelsten sind zentrale Anlagen mit Wärmerückgewinnung. Bei diesen Systemen wird frische Außenluft angesaugt, gefiltert und mit der aus der Abluft gewonnenen Energie aufgeheizt. In der Regel erfolgt das über Kreuzgegenstrom-Wärmetauscher, es gibt aber noch andere Systeme. Bei Kreuzgegenstrom-Wärmetauschern fließen die Luftströme der Zu- und Abluft durch dünne Platten aus Aluminium, Edelstahl oder Kunststoff. Dabei erwärmt die Abluft die Zuluft.

Wenn möglich, werden die Zuluftkanäle so unter der Erde verlegt, dass die Luft im Winter vorgewärmt, im Sommer vorgekühlt ins Haus gelangt. Dank der Wärmerückgewinnung (bis zu 90 Prozent) muss die Frischluft nicht mehr nachgeheizt werden und kann ohne Zugerscheinungen in die Wohnräume strömen.

Neben dem Komfort frischer, gefilterter und aufgewärmter Luft führt die Wärmerückgewinnung zu einem deutlich kleineren Energiebedarf für die Erwärmung der zugeführten Frischluft und damit zu einem geringeren Jahresprimärenergiebedarf für die Beheizung de Hauses. Deshalb sieht die Energieeinsparverordnung 2009 auch ausdrücklich vor, dass die Wärmerückgewinnung in die Berechnung der Energiebilanz eines Hauses unter bestimmten technischen Kriterien einfließen darf.

Nachteil der zentralen Anlagen zur kontrollierten Wohnungslüftung sind die extrem vielen Leitungen, die abgekoffert werden müssen. Deshalb ist es wichtig, die Kosten für die Trockenbauarbeiten mit einzuberechnen.