Passivhaus im Kleinformat

Für ein Hochleistungsdämmsystem entschied sich das Architekturbüro Rongen Architekten, als es einen Altbau mit nur 74 Quadratmetern Wohnfläche in Wassenberg zu einem Passivhaus umbauen ließ.

Das Projekt stellte nicht nur von seiner Größe, sondern auch von seiner Lage her besondere Anforderungen an die Planer: Das Haus ist zum Teil in die historische Stadtmauer der Stadt Wassenberg eingebunden. Der rückwärtige Gebäudegiebel und ein Teil der nördlichen Außenwand mussten deshalb erhalten bleiben, wodurch sich zwangsläufig erhebliche Wärmebrückenprobleme ergaben.

Passivhaus-Grenzwert wurde unterboten

Um die vorgeschriebenen Passivhaus-Werte zu erreichen wurde neben den Maßnahmen für Fenster, Heizung und Lüftung ein Wärmedämm-Verbundsystem verwendet, das dank des Dämmstoffs aus Resolhartschaum über eine fast doppelt so hohe Dämmleistung wie übliche Systeme verfügt. Das ermöglicht auch bei schlanken Systemaufbauten eine Dämmung auf Passivhaus-Niveau. Bereits mit einer Dämmschicht von 240 Millimetern konnte die gewünschte Dämmleistung erzielt werden. Es gelang sogar, den Passivhaus-Grenzwert von 1,5 Liter pro Quadratmeter und Jahr zu unterbieten und das Einfamilienhäuschen auf einen Wert von 1,3 Liter zu bringen.

Bei einem so kleinen Objekt würde eine dicke Dämmschicht die Charakteristik des Gebäudes massiv beeinträchtigen. So sind die Tür- und Fensterleibungen schlank geblieben, damit wird ein ausreichender Lichteinfall gewährleistet. Das Wärmedämm-Verbundsystem ist leicht zu verarbeiten.

Vermeidung von Wärmebrücken

Um Fugen und Wärmebrücken zu vermeiden wurden die Dämmplatten in zwei Schichten von jeweils 120 Millimetern verlegt und dabei die erste Lage verklebt und verdübelt. Der Klebemörtel wurde rahmenförmig an den Rändern sowie zusätzlich mit drei senkrechten Streifen in der Fläche auf die Dämmplatten aufgebracht. Um Risse zu verhindern, wurden die Platten an den Fenster- und Türecken ausgeklinkt, so dass in den Ecken keine Dämmstofffugen entstehen konnten.

Danach erfolgte die Verdübelung der ersten Dämmschicht. Anschließend wurde die zweite Dämmschicht verklebt und schließlich Armierungsmörtel und -Gewebe zweilagig aufgebracht, um die Grundlage für eine fein strukturierte Oberflächenbeschichtung zu schaffen.

Für die Gestaltung der Fassade wählten die Planer einen mineralischen Oberputz. Nach dem Auftragen des Putzes in einer Körnung von 0,5 Millimetern filzten die Verarbeiter ihn mit einem Schwammbrett fein aus. Auf diese Weise erzeugten sie eine filigrane Oberflächenstruktur, die fein strukturiert und zugleich spannungsarm ist. Der verwendete Oberputz ist zudem hoch diffusionsoffen und kapillaraktiv. Als Farbton für die Fassadenfarbe wurde ein gebrochenes Weiß gewählt. Der helle Farbton steht in einem spannungsreichen Kontrast zu den dunklen, fast rahmenlos erscheinenden Fensterflächen. Teile der Fassade wurden alternativ mit anthrazitfarben lasierten Lärchenholzleisten verkleidet.

Beispiel für Nachhaltigkeit

Das kleine kompakte Passivhaus ist ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit. Ein eingebauter Holzpelletofen heizt quasi CO2-neutral, da er nicht mehr Emissionen produziert, als bei der natürlichen Verrottung der Bäume entstehen würden. Auch zwei weitere Merkmale von Passivbauten wurden berücksichtigt: Die südliche Ausrichtung der Fenster und der Einbau einer kontrollierten Lüftungsanlage, die das Haus permanent mit Frischluft versorgt. Eine Bodendämmung sorgt zusätzlich dafür, dass kaum Wärme über den Fußboden verloren geht. Nicht zuletzt spielte natürlich auch das Erscheinungsbild des Wohnhauses eine Rolle. "Auch unter optischen Gesichtspunkten hat das WDV-System Vorteile mit sich gebracht. Obwohl zwei Schichten Dämmmaterial aufgetragen worden sind, ist die Fassade schlank geblieben", erläutert Architekt Rongen.

Daten und Fakten

  • Umbau 2008-2009, 86 m² vor und nach Umbau
  • A/V: 0,86
  • Primärenergiebedarf: 100 kWh/m²a nach EnEV
  • Jahresheizwärmebedarf: 13,5 kWh/m²a
Gebäudehülle
  • U-Wert Außenwand: 0,073 W/m²K (24 cm Porenbeton PPW2/ 24 cm Resolhartschaum WLG022/ Mineralischer Putz)
  • Holz-Anbau:0,116 W/m²K (24 cm Porenbeton PPW2/ 22 cm Mineralwolle WLG035)
  • Stadtmauer und Innendämmung:0,116 W/m²K (28 cm Mineralwolle WLG035/ 24 cm Ziegelmauerwerk U-Wert = 0,087W/m²K)
  • U-Wert Fassadenpaneel: 0,116 W/m²K
  • U-Wert Kellerdecke/ Bodenplatte: 0,108 W/m²K
  • U-Wert Dach: 0,1 W/m²K
  • Uw-Wert Fenster: 0,65 W/m²K (Passivhausfenster aus Holz-Fiberglasprofilen, 3-Scheiben-Isolierglas)
  • Ug-Wert Verglasung: 0,531 W/m²K
  • Ug-total (mit Sonnenschutz): W/m²K
  • Luftdichtheit n50 = 0,6/h
Wärmedämmverbundsystem
  • weber.therm plus ultra (mit Resolhartschaum)

Haustechnik

  • Lüftungsgerät Paul Wärmerückgewinnung GmbH, Thermos 200DC
  • Lüftungsanlage mit 92% Wärmerückgewinnungsgrad
Heizung
  • Restheizung über Pellet-Primärofen Fa. Wodke Typ PE –Aufstellung im Wohnbereich
Warmwasser
  • Vaillant Brauchwasserwärmepumpe geoTHERM
Ansprechpartner/innen Passivhaus Wassenberg
  • Bauunternehmung: Prof. Dipl.-Ing. Ludwig Rongen, Wassenberg
  • Architekt: Rongen Architekten
  • Energieplaner/Fachingenieure: Energie-Technik Welfers GmbH
  • Bauphysik: Rongen Architekten
  • Haustechnik: Fa. Laufens
  • Messungen/Auswertungen: Fa. Hohnen
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