Denkmalschutz verträgt sich mit Passivhausbauweise

Im Jahr 1999 stand Architekt Martin Endhardt vor einer besonderen Herausforderung. Ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude in Günzburg aus dem 18. Jahrhundert sollte zu einem Wohnhaus in Passivhausbauweise umgebaut werden. Das Haus ist Teil eines Ensembles von "Armen Leuten"- Häuser die an der Stadtmauer entlang gebaut wurden. Das Wohnhaus umfasst drei Stockwerke wobei in diesem Fall das zweite Stockwerk vorkragt.

Ziel des Objektes war, es zu einem Passivhaus mit einem Jahresheizwärme-Bedarf von 15 kWh/m² umzubauen und gleichzeitig die Vorgaben der Denkmalpflege zu erfüllen.

  •     Einhalten der Denkmalschutzbestimmungen
  •     Erreichung des Passivhausstandards
  •     Schaffung ausreichender Raumhöhen
  •     Moderne Architekturelemente kombiniert mit alter Substanz

Fundament und massives Mauerwerk Gewölbe

Die Sanierung wurde im Gewölbe der alten Substanz begonnen. Der Boden im Keller wurde von Hand um 50 Zentimeter tiefer gegraben um ausreichende Standhöhe im zukünftigen Weinkeller zu schaffen. Die Gewölbewände mussten dadurch unterfangen werden und konnten so gegen aufsteigende Feuchte getrennt werden.

Fenster sollten soweit wie möglich in der Fassade erhalten bleiben. Dazu wurden alle alten Fenster ausgebaut und restauriert. Die Fenster wurden dann in der Aussendämmebene gesetzt und eingeschäumt. Um eine passivhaustaugliche Fensterkonstruktion zu erlangen wurden zusätzlich innen, als Kastenfenster dreifachverglaste Passivhausfenster eingebaut. Um einen möglichst wärmebrückenfreien Anschluss an die Aussenwandkonstruktion zu finden, wurden die Fenster an die innere Raumschale (OSB Platte) punktuell verschraubt und so in die innerer Dämmebene (Perlite Schüttung WLG 045) eingebunden. Gemeinsam mit der Einfachverglasung der zusätzlich gedichteten alten Fenstern, dürfte die neue Passivhaus Kastenfenster Konstruktion einen Uw = 0,8 W/m²xK erzielen, auch wenn der Nachweis messtechnisch erbracht werden müsste. Dass der g-Wert der Konstruktion nicht annähernd den Passivhausstandard im Neubaubereich entspricht, fällt durch die starke Verschattung im Innenstadtbereich nicht sehr ins Gewicht.

  •     Äussere Fenster, historische Substanz einfachverglast
  •     Innere Fensterkonstruktion mit Rahmen IV 68 Profil aus Puren Kandel 0,94 gefertigt.
  •     Verglasung mit Dreifach Wärmeschutzglas SG iplus 3c/ SG-L3PE Ug 0,6, thermischer Randverbund (Thermix)
  •     Fensterkonstruktion Wärmedurchgangskoeffizient ca 0,8 W/m²xK

Dachkonstruktion

Die Baugenehmigungsbehörde und das Denkmalamt stimmen einer Erneuerung des Dachstuhles zu. Dies führt zu einer neuem Dachstuhl mit Sparren aus Konstruktionholz und einem Ringanker aus Leimbinder.

  •     Tragstruktur aus Konstruktionsholz
  •     Aufdachdämmung mit PU Platten (WLG 025), Dicke 14 cm
  •     PU Platten (WLG 030), Dicke 6 cm zwischen der Konterlattung
  •     Unterspannbahn, Lattung, Biberdeckung
  •     Dachkonstruktion Wärmedurchgangskoeffizient 0,13 W/m²xK

Anlagentechnik

Die notwendige Normheizlast wird im kommenden Winter im Selbstversuch getestet. Eingebaut wurde ein Zentrallüftungsgerät für Zu/Abluft mit Gegenstrom-Plattenwärmetauscher, Wärmepumpe, Gleichstromvetilatoren und integrierten Luftschalldämpfern der Firma Maico Haustechnik System Aerex BW 160 mit einer Nennwärmeleistung von 1410 W.

Als Brauchwasserspeicher wurde der 400 Liter Speicher dazu installiert mit integrierten Wärmetauscher und Heizstab.

Aus Denkmalschutzgründen konnte auf dem Hausdach keine Solaranlage zur Brauchwassererwärmung installiert werden. Deshalb wurde zur Nachrüstung ein Pellet Primärofen der Firma Wodtke eingeplant, damit lassen sich auch evtl. nicht ausreichende Nennwärmeleistungen des Lüftungsgerätes überbrücken.

Luftdichtheit

Insgesamt stellte sich ein schlüssiges Konzept zur Erlangung einer ausreichenden Luftdichtheit als sehr schwierig heraus.

Diese Überlegungen mündeten schließlich in der Ausführung der Aussenwände, mit einer zusätzlichen Innenbeplankung mit OSB Platten wie sie in der Holztafelbau- weise erfolgreich angewendet wird. Damit hatten wir auch die optimale Einbaumöglichkeit für die Fenster. Diese wurden aus der OSB Beplankung ausgeschnitten und nur punktuell über Konstruktionshölzer an der Innenschale befestigt. Da der Fensterstock innenbündig gesetzt wurde, war die optimale Abdichtung mit Klebebänder möglich. Zusätzlich wurde die Fuge bei der nachfolgenden Gipskarton- beplankung nochmals überdeckt. Schwierigste Punkte waren die Einbindung der Sanitärzelle, in die Dichtheitsebene. Nur mit grossem Aufwand konnten die dreidimensionalen Anschlüsse an die Zellenschale hergestellt werden. Die Herstellung der Luftdichtheit dürfte bei der Sanierung zum Passivhaus mit der schwierigste Faktor sein. Das Ergebnis muss sicher von zeit zu Zeit überprüft werden, da die Fachwerk- konstruktion weiterer Verformung unterworfen sein dürfte.

Fazit

Die Sanierung begann im Sommer 1999, die Baumassnahme wurde grösstenteils mit engagierten Studenten ausgeführt. Die Mitarbeiter hatten Ihre Passivhauserfahrungen bereits, beim Projekt Sengotta (erstes Passivhaus in Bayern) gesammelt, wenn auch mit völlig anderen Baustoffen.

Im Sommer 2001 erfolgte der Bezug der Altstadthauses durch die Familie des Passivhausplaners. Damit konnte bereits das fünfte Passivhausprojekt im Landkreis Günzburg fertiggestellt werden, wenn auch das erste im Sanierungsbereich.

Daten und Fakten

  • Grundstück: 53,40 m²
  • Bebaute Fläche: 40,71 m²
  • Wohnfläche: 94 m²
  • Baujahr: 18. Jahrhundert
  • Umbau: 1999 bis 2001
  • Anzahl der Bewohner    4
  • Baukosten: 1.320/m² Euro
  • Eigenleistung inkl. Planungsleistung: ca. 35.000 Euro
  • Fördermittel: keine
  • Architekt & Bauherr: Martin Endhardt
  • Bildmaterial: Bernhard Müller

Energiekonzept

  • Passivhausstandard/Heizwärmebedarf ca. 15kWh/m² im Jahr
  • Wärmedämmung: Außenwände - 16 cm WDVS (WLG 040), zusätzliche Innenbeplankung mit OSB-Platten; Innenwände - EG: zusätzlich 8 cm (WLG 045)
  • Fenster: Bestandsfenster, Einfachverglasung; zusätzlich innenseitig neue Fenster, die Öffnungen wurden in die OSB-Beplankung geschnitten und nur punktuell über Konstruktionshölzer an der Innenschale befestigt, der innenbündig gesetzte Fensterblock ermöglichte die optimale Abdichtung mit Klebebändern, Dreifachverglasung, U-Wert 0,8 W/m²K
  • Dach: Aufdachdämmung - 14 cm PU-Platten (WLG 025); Zwischendämmung - 6 cm PU-Platten zwischen Konterlattung
  • Heizung/Warmwasser: kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmetauscher elektrische Fußbodenheizung unter Natursteinboden Pelletofen keine Solaranlage (Denkmalschutz)