11 Prozent sprechen von Existenzbedrohung

Energieberater rechnen mit schweren Zeiten

Energieberater rechnen mit enormen Umsatzeinbußen. © Fotolia

Das Corona-Virus bereitet auch den Energieberatern wirtschaftliche Sorgen – dies geht aus einer Blitzumfrage des Branchenverbands GIH hervor. „Aktuell bewerten unsere Mitglieder ihre Lage noch relativ ausgeglichen. Allerdings befürchten vier von fünf Energieberatern, dass das Auftragsaufkommen im nächsten Monat einbrechen wird“, fasst der Bundesvorsitzende Jürgen Leppig zusammen.

Knapp die Hälfte der Befragten schätzt ihre derzeitige Auftragslage im Vergleich zu den letzten zwölf Monaten als besser oder gleich ein, etwas mehr als die Hälfte hält sie für schlechter oder gar existenzbedrohend. Die Erwartungshaltung für die nahe Zukunft hingegen fällt deutlich kritischer aus: Während die Zahl der positiv gestimmten Berater um mehr als die Hälfte schrumpft, gehen rund 37 Prozent von einer Verschlechterung aus. Weitere 30 Prozent erwarten eine viel schlechtere Auftragslage und mehr als 11 Prozent rechnen sogar mit einer existenzbedrohenden Situation. In der Summe blicken also 78 Prozent der Befragten mindestens skeptisch in die Zukunft. „Dass sich derzeitige Einschätzung noch im Rahmen hält, dürfte daran liegen, dass viele Energieberater nach Aufträge abarbeiten. Sollte es jedoch nötig werden, die aktuellen Einschränkungen bis weit über Ostern hinaus aufrecht zu erhalten, werden viele unserer Mitglieder massive Probleme bekommen“, so Leppig.

An der Frage, ob die Soforthilfen für Kleinstunternehmen und Soloselbständige ausreichen, scheiden sich die Geister. Während rund 22 Prozent die Unterstützung für zu gering halten, äußern sich knapp 34 Prozent zufrieden. Etwas weniger als 44 Prozent wollen sich derzeit noch kein Urteil erlauben. Vergleicht man die Antworten der Einzelunternehmer mit denen der Betriebe mit drei oder mehr Mitarbeitern, fällt jedoch auf, dass der Anteil derer, die die Hilfen nicht für ausreichend halten, deutlich zunimmt: Bei den Soloselbständigen liegt er bei knapp unter 20 Prozent, bei den Arbeitgebern jedoch bei 30 Prozent. „Dies legt den Schluss nahe, dass man als sparsam aufgestellter Einzelkämpfer weitaus besser klar kommt als ein Betriebsinhaber, der zwangsläufig mit höheren laufenden Kosten operiert“, erläutert Leppig.

Außerdem habe die Umfrage gezeigt, dass sich viele Energieberater eine Aufschiebung von Sozialversicherungsabgaben und Steuervorauszahlungen wünschen.

Da derzeit viele Tätigkeiten auf Eis liegen, plagen die Energieberater aber auch noch andere Sorgen: „Viele geförderte Sanierungsprojekte sind mit klaren Fristen versehen. Bei Beratern und Hausbesitzern herrscht daher eine hohe Unsicherheit, wie sich der Stillstand auswirkt. Aus unserer Sicht sind hier automatische Fristverlängerungen unabdingbar“, so Leppig in Richtung KfW-Bank und BAFA.

Außerdem gehe sein Verband davon aus, dass der Gesetzgeber trotz immenser Krisenbewältigungskosten an den jüngst erhöhten Fördersätzen festhalten wird: „Wir hoffen schwer, dass die Corona-Krise nicht dafür sorgen wird, dass die Energiewende zum Erliegen kommt. Es ist uns völlig klar, dass viele Menschen nach dem hoffentlich baldigen Ende der Krise nicht sofort an die Modernisierung ihres Eigenheims denken. Springt der Motor jedoch wieder an, sollten Sanierungswillige nach wie vor attraktive Bedingungen vorfinden.“ Quelle: GIH / pgl

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