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Gewerbespeicher erhöhen Autarkiegrad

Speicher in Mieterstromprojekten lohnen sich

Mieterstromprojekt in Tübingen. © S. Ehlerding

Der Energielieferer Polarstern zieht anhand von zwei Projekten, einem Passivhaus und einem KfW-Effizienzhaus 40 Plus, Bilanz. Die Firma kommt zu dem Schluss, dass Mieterstromprojekte mit Speicher lohnend sind. Ganzjährig sei ein Autarkiegrad bei der Stromversorgung von 70 Prozent zu erreichen, so das Unternehmen.

Batteriespeicher werden immer häufiger in der Energieversorgung von Gebäuden eingesetzt. Bei Einfamilienhäusern wird bereits mehr als jede zweite neue PV-Anlage zusammen mit einem Speicher installiert. In Mieterstromprojekten steckt der Einsatz von Gewerbespeichern noch in den Anfängen. Eine Bilanz der ersten Mieterstromprojekte von Polarstern mit Speicher zeige: Es lohnt sich, so das Unternehmen. Durch den Speicher hätten Mehrfamiliengebäude in den vergangenen Sommermonaten zum Teil Autarkiegrade von über 90 Prozent erreicht.

Mit einer 79-Kilowattpeak-Photovoltaikanlage und einem 79-Kilowatt-Speicher haben die Bewohner der 55 Mietwohnungen in den Monaten Januar bis Juli 2019 eine Strom-Autarkie von über 65 Prozent erreicht. An einzelnen Sommertagen konnte sogar der komplette Strombedarf aus eigener Erzeugung gedeckt werden. Der Eigenverbrauch lag im genannten Zeitraum bei fast 80 Prozent. „Wir gehen ganzjährig von einem Autarkiegrad in Höhe von 70 Prozent aus“, sagt Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers und Mieterstromdienstleisters. Für die Mieter bedeutet das auf das Jahr gesehen Stromkosten, die etwa 16 Prozent unter dem Grundversorgertarif liegen.

Um allen Bewohnern die gleichen Mieterstrompreise zu ermöglichen, wurde ein Messkonzept erarbeitet, bei dem alle Teilanlagen auf den sechs Einzelgebäuden einer Passivhaus-Wohnanlage in München an einem zentralen Elektroanschluss zusammengeführt werden. Bauherr ist das Architektur- und Bauträgerunternehmen NEST Ecoarchitektur. Der im Gebäude installierte Gewerbespeicher wird ausschließlich netzgeführt betrieben. Optional ist er auch mit einer 36-kW-Notstromfunktion erhältlich. Das heißt, er kann dann je nach Anschluss der Photovoltaikanlage auch ohne Verbindung zum Stromnetz geladen werden und somit mehrere Wochen die Stromversorgung des Gebäudes ermöglichen.

Seit Juli 2019 werden 21 Wohneinheiten in einem KfW-40-Plus-Mehrfamilienhaus in Pulheim, Nordrhein-Westfalen, mit Strom aus einer 38,4-kWp-Photovoltaikanlage versorgt. Zusammen mit einem 35-kWh-Speicher erreichten die Haushalte in den Monaten Juli und August einen Autarkiegrad von 96 Prozent. Das bedeutet Stromkosten, die im Mittel 13 Prozent unter denen der klassischen Grundversorgung liegen. Martin Schmitt, Geschäftsinhaber von enerix Pulheim, einem führenden Serviceanbieter für dezentrale Energiesysteme, berichtet: „Mit der Anlagentechnik haben wir die Kriterien der vom Bauherren angestrebten Förderung KfW 40 Plus erfüllt und die Ertragsprognosen bisher sogar übertroffen. Unsere Erfahrungen hinsichtlich des Ertrags und der Autarkie bestätigen uns darin, dass die Kombination von Photovoltaikanlage und Speicher im Mieterstrommodell die richtige Entscheidung war.“ Die Installation eines Speichers ist Voraussetzung für die Förderung KfW 40 Plus. Angesichts der sinkenden Kosten für PV-Anlage und Speicher und der weiteren Möglichkeiten, den erzeugten Solarstrom auch in der Wärmeversorgung und bei Elektromobilitätsangeboten zu nutzen, rechnet sich die Integration eines Speichers Polarstern zufolge immer schneller.

Rechtliche Hürden und eine mangelnde Rendite haben den Einsatz von Gewerbespeichern im Mieterstrom dem Mieterstromdienstleister zufolge bislang verzögert. „Das Delta zwischen selbst erzeugtem und genutztem Strom und Strom aus dem öffentlichen Netz war lange zu klein, sprich die Zusatzrendite verglichen zu einer reinen PV-Anlage zu gering“, sagt Florian Henle. Mit steigenden Netzentgelten und steigenden Börsenstrompreisen sei die eigene Stromversorgung zuletzt immer lukrativer geworden. Der Preisvorteil je Kilowattstunde von Netzstrom zu Lokalstrom liegt aktuell bei Mieterstromprojekten bei 15 Prozent – bei einem typischen Haushalt in München mit 2.200 Kilowattstunden im Jahr sind das rund 120 Euro brutto. Das mache einen hohen Eigenverbrauch attraktiv und wirke für die Mieter nachhaltig wie eine Strompreisbremse.

Vernetzung im Sinne der Sektorenkopplung

Seit Anfang 2019 gelten im Zuge des Energiesammelgesetzes neue Fördersätze für die Stromeinspeisung aus Mieterstromanlagen mit einer Größe über 40 kWp. Sie sind deutlich gesunken und machen damit den Direktverbrauch des erzeugten Stroms noch einmal lukrativer. „Ziel des Einsatzes von Gewerbespeichern im Mieterstrom ist die Stärkung der lokalen Stromversorgung und explizit nicht die Einspeisung ins öffentliche Netz. Entsprechend gewinnt die Vernetzung des Speichers mit weiteren Anlagen innerhalb des Gebäudes an Bedeutung“, weiß Florian Henle. Speicher ergänzten beispielsweise hervorragend Ladestellen für Elektroautos und Wärmepumpen. „So kann je nach Bedarf der Strom an der passenden Stelle gespeichert und die Autarkie gesteigert werden.“ Auch können mit Netzdienstleistungen, wie zum Beispiel der Spitzenlastkappung, weitere Einsparungen erzielt werden. Quelle: Polarstern/wh

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