Ost-West-Ausrichtung bringt gleichmäßigen Ertrag

Mieterstromanlage versorgt Genossen

Drei von fünf Häusern der Wohnanlage sind mit Solarpanelen belegt. © Foto: Panasonic/Spreadfilms

Im Münchener Neubauviertel Domagkpark versorgen drei Photovoltaikanlagen 138 Wohnungen und mehrere Gewerbeeinheiten des Gebäudekomplexes Wagnisart mit sauberem Strom. Das System ist auf optimierten Eigenverbrauch ausgelegt.

Der Gebäudekomplex "Wagnisart" der Münchner Wohnungsbaugenossenschaft Wagnis umfasst fünf Häuser mit insgesamt 138 Wohnungen, die über Brücken miteinander verbunden sind. Neben dem gemeinschaftlichen Prinzip, das sich auch in verschiedenen Gemeinschaftseinrichtungen im Haus niederschlägt, lautete ein weiteres Ziel der Genossenschaft, nachhaltig zu bauen und ressourcenschonendes Wohnen zu ermöglichen.

So wurden die Gebäude als Passivhäuser mit verputzter Holzfassade gebaut. Bei der Stromversorgung fiel die Entscheidung für eine Mieterstromanlage. Die Photovoltaik-Anlage hat eine Gesamtleistung von 95,55 Kilowatt. Die Panasonic Module wurden auf dreien der fünf Gebäude montiert. Sie liefern Solarstrom für die Haustechnik und die knapp 300 Bewohner.

Die Anlagen sind für die Eigenversorgung mit Solarstrom optimiert, die Flachdächer wurden deshalb nicht lückenlos mit den Modulen bestückt. "Wir haben die Anlage am Bedarf aufgerichtet", sagt Vorstandsmitglied Rut-Maria Gollan. "Außerdem wollten wir den Bewohnern auch begrünte Dachflächen ermöglichen. Sie bilden einen wichtigen privaten Gegenpol zu unserer Erdgeschosszone, die dem Quartier zugewandt ist."

Mit Blick auf die Spitzenverbrauchszeiten am Morgen und Abend wurden die Module in Ost-West Richtung montiert. Der Neigungswinkel von zehn Grad trägt zusätzlich dazu bei, dass es keine Mittagsspitzen bei der Stromerzeugung gibt, wodurch das öffentliche Stromnetz geschont wird. "Eine weitere Entlastung des Netzes wird ab Oktober das Gasthaus Domagk im Erdgeschoss als Großverbraucher in der Mittagszeit bringen", ergänzt Gollan.

Die Abrechnung macht der Münchner Dienstleister Buzzn für Wagnis. Buzzn hat auch Smart Meter für jede Wohnung und die Haustechnik eingebaut, so dass der Stromverbrauch für jede Wohnung, aber auch die gesamten Gebäude, sekundengenau ermittelt werden kann. Buzzn liefert außerdem den noch benötigten Strom zu. Nach dem "People Power"-Konzept von Buzzn stammt er aus kleinteiligen, dezentralen Photovoltaik-, Wind- oder Wasserkraft-Anlagen in der Nähe.

Einen Teil des erzeugten PV-Stroms nutzt Wagnis selbst, zum Beispiel für die Aufzüge und die Hausbeleuchtung. Hierfür fällt eine reduzierte anteilige EEG-Umlage an. Für den Strom, den die Mieter nutzen, ist die volle anteilige EEG-Umlage zu zahlen, da die PV-Anlagen mehr als zehn Kilowatt Leistung haben.

Wohnbaugenossenschaften dürfen nicht mehr als zehn Prozent gewerbliche Einkünfte erwirtschaften, da ihr Haupttätigkeitsfeld die Wohnraumvermietung ist. Deshalb wird Wagnis die PV-Anlage 2018 an die neue Genossenschaft Isarwatt verpachten. Die Energiegenossenschaft Isarwatt wurde Anfang 2017 von mehreren Münchner Wohnbaugenossenschaften gegründet, darunter auch die Wagnis eG.

Die Isarwatt versteht sich als Dienstleistungsunternehmen für Wohnungsunternehmen in den Bereichen Energie, Mobilität, Smart Meter und Vernetzung. Sie wird dann als der Stromversorger für Wagnisart fungieren. Die Nutzung von Solarstrom will Wagnis aber auch weiterhin als Gesellschafter der Isarwatt unterstützen und ausbauen. So hat Wagnis zum Beispiel einen Fuhrpark mit elektrisch betriebenen Autos, Rollern, Fahrrädern und Lastenrädern konzipiert.

Da die Häuser zu unterschiedlichen Zeiten ans Netz gegangen sind, und die Bewohner erst seit dem Frühjahr 2016 nach und nach eingezogen sind, gibt es noch keine aussagekräftige Energiebilanz. Eine erste Energiebilanz inklusive der Solarstromerzeugung, dem Eigenverbrauch, der Netzeinspeisung und des Netzbezugs will Wagnis nach Ablauf dieses Jahres erstellen. Quelle: Wagnis / sue

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