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Elektromobilität

Leitfaden für Ausbau der Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern und Quartieren

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur massiv beschleunigt werden. Foto: BASILICOSTUDIO STOCK/stock.adobe.com

Um das Ziel der Ampelkoalition, bis 2030 rund 15 Millionen vollelektrische Pkw in den Verkehr zu bringen, zu erreichen, muss der Ausbau der Ladeinfrastruktur massiv beschleunigt werden. Vier Verbände haben nun einen Leitfaden zur Weiterentwicklung der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität veröffentlicht.

Wohnnähe spielt beim Ausbau der Ladeinfrastruktur eine zentrale Rolle, denn an der Wohnungstür beginnt und endet jeder Weg – ob zur Arbeit, zur Kita oder zum Einkauf. Zudem stehen die Fahrzeuge hier über einen vergleichsweise langen Zeitraum. Ein Großteil der Ladevorgänge findet zuhause statt. Mit dem bisherigen Fokus auf Eigenheimbesitzende und öffentliche Ladeinfrastruktur greift die Politik zu kurz. Es ist mindestens genauso wichtig, den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern voranzubringen.

„Der Durchbruch der Elektromobilität gelingt nur, wenn die Menschen ihre Fahrzeuge auch zu Hause laden können. Die Politik muss jetzt endlich die Weichen stellen, um den Aufbau privater Ladeinfrastrukturen in urbanen Räumen zu ermöglichen“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

„Für die dringend nötige Verkehrswende brauchen wir mehr Ladesäulen und vor allem eine Elektroinstallation in den Gebäuden, die den neuen Anforderungen gewachsen ist. Bisher ist diese Großteil museumsreif, an eine Integration von Ladesäulen ist oft gar nicht zu denken. Nur wenn Gebäude und Verkehr elektrifiziert und digitalisiert werden, schaffen wir Sektorenkopplung und können Energie effizienter nutzen. Allein im Gebäudesektor ließe sich so rund die Hälfte des Primärenergieverbrauchs einsparen. Mit den Lösungen der Elektro- und Digitalindustrie können Verkehrs- und Gebäudewende endlich Fahrt aufnehmen“, sagt Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung.

Zudem ist die Errichtung von Ladeinfrastruktur in großen Wohn- und Mietshäusern ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Energiewende. Denn: Erst, wenn das Zuhause-Laden auch für die Bewohner*innen größerer Wohneinheiten funktioniert, kann die Zukunftsvision von E-Fahrzeugen als Speicher für vor Ort erzeugte regenerative Energie Wirklichkeit werden. Werden E-Fahrzeuge auf diese Weise in das Hausnetz eingebunden, können zudem Spitzen im Stromangebot und der Stromnachfrage ausgeglichen werden.

Verbände veröffentlichen Leitfaden

Um die zentralen Bausteine zur Weiterentwicklung der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität darzustellen und Wohnungsgesellschaften und Immobilienbesitzende beim Aufbau von Ladeinfrastruktur für ihre Mieter*innen zu unterstützen, haben der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW, der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI), der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) und der Verband der Automobilindustrie (VDA) einen Leitfaden veröffentlicht.

„Eine flächendeckende und leistungsfähige Ladeinfrastruktur ist und bleibt der Schlüssel für den Erfolg der E-Mobilität. Der vorliegende Leitfaden ist ein wichtiger Baustein dafür, den Ausbau der Ladeinfrastruktur voranzutreiben. Denn vor allem Menschen, die beispielsweise keine eigene Garage oder einen Parkplatz vor ihrem Haus haben, sondern in Mehrfamilienhäusern leben, brauchen differenzierte Lösungen bei der Ladeinfrastruktur. Wir erwarten gerade auch im privaten Bereich in Zukunft eine stetig wachsende Zahl von Ladevorgängen. Ich danke allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen für Ihre Arbeit an diesem Papier“, sagt Hildegard Müller, VDA-Präsidentin.

Wenn der Elektromobilität tatsächlich der Durchbruch gelingen soll, halten GdW, VDA, ZVEH und ZVEI folgende Weichenstellungen für Ladeinfrastrukturen in Mehrfamilienhäusern für die Grundvoraussetzung:

  • Der bestehende Förderrahmen muss so angepasst werden, dass die Elektroinfrastruktur von Mehrfamilienhäusern für die Erzeugung und Verwendung von erneuerbarem Strom, für Mieterstrom in Wohnungen sowie zum Laden von Elektrofahrzeugen über dem gesetzlichen Rahmen hinausgehend Angebote liefert. 
  • Die Erzeugung und Nutzung von Mieterstrom und Ladestrom muss überarbeitet werden.
  • Die Inbetriebnahme von Ladepunkten ist unbürokratischer zu gestalten. Hier können digitale Meldeverfahren, die über alle Netzbetreiber hinweg einheitlich gestaltet sind, helfen (Plattform).
  • Elektrohandwerkliche Betriebe brauchen für die Planung von Ladepunkten eine Zugriffsmöglichkeit auf Netzausbaupläne/-kapazitäten (Stichwort „Netzkataster“).  
  • Steuerung von Ladeprozessen: Kundinnen und Kunden sollten die Möglichkeit haben, Ladevorgänge mithilfe eines autonomen Energiemanagementsystems zu organisieren – unter Einhaltung der Vorgaben des Netzbetreibers aber entsprechend ihren individuellen Versorgungswünschen. Auch für den Umgang mit Energiemanagementsystemen sind klare, einheitliche Vorgaben wünschenswert.   
  • Inklusivangebote (Stellplatz inklusive Strom) müssen ermöglicht werden. 
  • Eigentümer*innen benötigen ein Recht auf einen erweiterten bzw. zweiten digitalen Netzanschluss in einem akzeptablen Zeitrahmen. 
  • Die für den Infrastrukturausbau notwendigen Bauverfahren müssen auf allen Verwaltungsebenen vor allem hinsichtlich ihres Genehmigungsprozesses beschleunigt werden. 
  • Wo politische Lösungen in größerem Umfang unsicher erscheinen, sind Testfelder notwendig, die Praxistests für innovative Konzepte ermöglichen (out-of-the-box). Hierfür sind die Regelungen solange zu verstetigen, bis sich die Konzepte erwirtschaftet haben. 

„Mit ihren 50.000 Betrieben unterstützen die Elektrohandwerke den Hochlauf der E-Mobilität tatkräftig, indem sie zum Ausbau der Ladeinfrastruktur beitragen. Um Elektromobilität noch weiter in die Breite zu bringen, braucht es neben Anreizen für die Ausstattung größerer Wohnanlagen mit Ladepunkten dringend noch mehr qualifizierte Fachkräfte. Gleichzeitig muss die Politik die Weichen dafür stellen, dass unsere Fachkräfte effizienter arbeiten können, indem sie zum Beispiel Prozesse rund um die Inbetriebnahme entbürokratisiert und digitalisiert“, erklärt Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer des ZVEH, mit Verweis auf den entsprechenden Forderungskatalog.

Quelle: ZVEI / Delia Roscher

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