Deutscher Solarpreis für Architektur geht an Elobau

Firmengebäude erfüllt hohen Anspruch

Das neue Werks- und Bürogebäude von Elobau. © Elobau/Martin Rudau

Der Deutsche Solarpreis in der Kategorie "Solare Architektur und Stadtentwicklung" geht in diesem Jahr an das Werk 2 der Elobau GmbH in Leutkirch im Allgäu. Die Europäische Vereinigung für erneuerbare Energien Eurosolar und die EnergieAgentur NRW haben den Preis zum 24. Mal vergeben.

Elobau ist ein familiengeführtes Unternehmen, das Sensorik und Bediensysteme für den Maschinenbau und die Nutzfahrzeugbranche fertigt. "Der Bauherr hat sein Unternehmen bereits seit längerem so aufgestellt, dass CO2-neutral produziert wird. In diesem Sinne sollte auch die Werkserweiterung geplant werden", sagt Johannes Hegger vom ausführenden Architekturbüro HHS Planer + Architekten in Kassel. "Wir haben sehr früh ein Team mit allen relevanten Fachplanern aufgestellt, inklusive der TGA-Seite und der Gebäudetechnik, um den herausfordernden Ansprüchen gerecht zu werden", sagt Hegger.

Die Haupthalle des Plusenergiegebäudes mit einer 25 Metern Spannweite ist komplett aus Laubholz gebaut. Auf das üblicherweise verwendete Nadelholz wurde verzichtet, da die Bestände an Fichtenholz aufgrund des Klimawandels rückläufig sind. "Die Architektur des Gebäudes entwickelt die Gestaltungsprinzipien des Bestandsgebäudes weiter und verwendet dabei Material und Farbigkeit entsprechend dem bestehenden Corporate Identity-Konzept der Elobau", sagt Hegger. Ein weiteres Ziel des Projekts war der demonstrative Einsatz von Photovoltaik. "Die verschiedenen Gebäude des Unternehmens dienen unterschiedlichen Zwecken, was auch ihre Kubatur verschieden aussehen lässt. Hier wollten wir etwas Einheitlichkeit und eine Ruhe hineinbekommen. Dazu dient die Solaranlage, die sich als verbindendes Element und Kraftwerk über die Gebäude hinwegzieht", erläutert Hegger.

Größtenteils besteht die Anlage aus hocheffizienten Standardmodulen. Die Kantine wurde in den Neubau hinein vergrößert und um eine große Dachterrasse erweitert. Dort dienen die Module als Schattenspendender. In den Teilbereichen, in denen sich Büros befinden, wurden bei den fensternahen Solarmodulen des vertikalen und horizontalen Generators transparente Glas/Glas-Module verwendet. Ein individuell regelbarer Sonnenschutz vermeidet hier Schlagschatten und Blendung. Die optimale Tageslichtversorgung wurde für das gesamte Gebäude auf der Grundlage einer Tageslichtsimulation geplant. Im Ergebnis wurden die Anzahl der Lichtkuppeln zur Belichtung der tiefen Hallenbereiche und ein umlaufendes Fensterband für die Belichtung der fensternahen Arbeitsplätze und als Ausblick für alle Arbeitsplätze im Erdgeschoss festgelegt.

Produktionsgebäude wird als Solarkraftwerk wahrgenommen

Die Solarstrommodule mit einer Gesamtfläche von 1780 Quadratmeter erzeugen pro Jahr rund 242 Megawattstunden sauberen Strom. Dieser visualisierte Einsatz von Photovoltaik helfe dabei das Produktionsgebäude als Kraftwerk nach außen hin sichtbar zu machen – und zwar auf eine architektonisch sehr anspruchsvolle und attraktive Weise, würdigte die Eurosolar-Jury das Projekt.

Mit Hilfe eines ausgeklügelten Heizungs-, Kühlungs-und Lüftungskonzepts in Kombination mit einer hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplung benötigt das Gebäude zum Betrieb nur sehr wenig Energie und erzielt daher eine positive Jahres-Primärenergiebilanz. Durch den ergänzenden Bezug von Ökostrom und Biogas produziert Elobau vollständig CO2-neutral.

Sämtliche Bereiche des Gebäudes werden mechanisch be- und entlüftet, um den Elobau-Mitarbeitern optimale hygienische Luftverhältnisse zu bieten. Heiz- und Kühldecken konditionieren die Räume im Winter und im Sommer mit hohem raumklimatischen Komfort. Die Außenwand ist gut gedämmt, die Fenster sind dreifach verglast.

"Neben der Energieeffizienz war dem Bauherrn besonders wichtig, dass sich die Mitarbeiter in ihrer Arbeitsumgebung wohl fühlen", sagt Hegger. Jeder Raum wurde daher auf seine akustischen Eigenschaften hin untersucht, die Nachhallzeiten durch die Verwendung schallabsorbierender Heiz- und Kühlsegel begrenzt. Die Nachhallzeit in der Kantine im Bestand und ihrer Erweiterung im Neubau konnte unter den DIN-Wert abgesenkt werden. Die umgebenden Dachflächen sind mit einer Dachbegrünung naturnah gestaltet und dienen als Erholungsort. Große Fensterflächen im Bürotrakt ermöglichen außerdem einen Blick in die grüne Landschaft rund um das Werk.

"Das integral geplante Gebäudekonzept zeigt auf beeindruckende Art und Weise, dass nachhaltiges Bauen und architektonische Ansprüche sehr gut miteinander vereinbar sind. Das Erweiterungsgebäude ist Vorbild und ermutigendes Beispiel für gewerbliche Bauten und setzt Maßstäbe für die Zukunft", befand die Jury.

Weitere Preisträger des diesjährigen Solarpreises sind

  • die Stadtwerke Heidelberg für ihre Vorreiterrolle im Bereich Mieterstromprojekte

  • die Unternehmensgruppe Aldi Süd für die umfangreiche Nutzung von Solarenergie im Einzelhandel mit Einbindung von E-Mobilität und gezielter Kundenkommunikation

  • der Verein „Freunde von Prokon“ für ihren Einsatz für Erneuerbare Energien in Bürgerhand

  • der Berliner Filmemacher Frank Farenski für sein langjähriges Engagement für eine frei zugängliche Berichterstattung über die Energiewende

  • die Deutschen Post DHL Gruppe für ihre StreetScooter als Weckruf für die deutsche Automobilindustrie

  • :metabolon, das bergisches Energiekompetenzzentrum in Lindlar für seine innovative Nutzung einer Mülldeponie als Lern-, Forschungs- und Informationsstandort für Ressourcenmanagement sowie Energie- und Umwelttechnologien

  • die Stiftung Solarenergie für ihren Beitrag zur Armutsminderung in Entwicklungsländern mit Hilfe der Solarenergie

Die Umweltgruppe Elbvororte aus Hamburg wurde mit einem Sonderpreis für 30 Jahre herausragendes Engagement im Bereich Umweltschutz und Erneuerbarer Energien geehrt. Ziel von Eurolsar ist es mit der Vergabe des Preises Erneuerbare Energien für alle greifbar und erlebbar machen und engagierte Akteure in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Von Daniela Becker

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