Marktstudie zur Heimvernetzung bei der IFA vorgestellt

Smart Home läuft als Thema nur mit

Julika Gang von Innogy mit vernetzten Geräten von Drittanbietern. © Morhart

Bei der Elektronikmesse IFA zeigen viele, auch Großfirmen, Smart-Home-Technik. Das Ergebnis einer Befragung stellte Spezialanbieter Coqon vor. Für 59 Prozent der erwachsenen Verbraucher, die Smart-Home-Produkte verwenden oder das irgendwann planen, sei Energieeinsparung der interessanteste Gesichtspunkt, sagte Coqon-Pressesprecher Benjamin Pauwels am Messestand in Berlin.

Das Bremer Unternehmen bietet rund 90 vernetzbare Geräte und die nötige Hard- und Software an. Die Firma hatte beim Meinungsforschungsinstitut Yougov eine Online-Befragung Anfang Mai unter 2047 Personen in Auftrag gegeben; es ist die dritte Untersuchung dieser Art.

Bei der Frage nach dem interessantesten Anwendungsgebiet - es waren offenbar Mehrfachnennungen möglich - kam nach dem zweitplatzierten Thema "Sicherheit" mit 53 Prozent an dritter Stelle gleich ein weiteres Energiethema: "Heizung" (48 Prozent). Das deckt sich ungefähr mit dem Ergebnis der aktuellen Bauinfoconsult-/Deloitte-Befragung. Auch im Vergleich zur Studie des Marktforschungsinstituts Splendid Research vom Juni 2017  zeigt sich keine große Veränderung. Diese Aussage steht freilich unter der Einschränkung, dass bei allen drei Befragungen jeweils nach anderen Begriffen gefragt wird.

Verbindliche Definition von Smart Home fehlt noch

Einen großer Unterschied zu den meisten anderen Befragungen dieser Art gibt es bei der Fragestellung der Coqon-Untersuchung, welcher Anteil der Verbraucher ab 18 Jahren derzeit überhaupt Smart-Home-Geräte nutzt. Das Ergebnis: 2,2 Millionen seien es. Bei einer Gesamtheit von knapp 70 Millionen Personen annimmt, lässt sich ein Nutzeranteil von gut drei Prozent errechnen. Andere Studien, auch die Bauinfoconsult-Untersuchung, kommen hier regelmäßig auf einen Anteil von um 20 Prozent - die Splendid Research-Arbeit nennt sogar über 36 Prozent.

Hauptgrund dürfte sein, dass die Coqon-Befrager von einer konservativen Abgrenzung des nicht in einer Norm definierten Begriffs "Smart Home" ausgehen. Pressesprecher Pauwels sagte, Smart Home gehe erst bei einer Vernetzung zwischen Geräten verschiedener Ebenen los, zum Beispiel: "Wenn dieses Licht mit der Fernbedienung angeht, haben sie irgendwo noch eine Verbindung, dass meinetwegen in einem anderen Raum die Heizung wärmer wird oder sich die Haustür öffnet." Und Geschäftsführer Robert Daumoser stellt klar: "Die Fernbedienung der Christbaumbeleuchtung - das ist noch nicht Smart Home."

Einen heutigen Anteil von etwas mehr als drei Prozent Nutzern intelligent vernetzter Endgeräte im Haushalt könnte man demnach als "ehrlichen" Wert sehen - abgesehen davon, dass sich viele Verbraucher und auch manche Fachleute der Branche selbst unter "smart" sogar eigentlich nur selbstlernende Systeme vorstellen, die man nicht erst langwierig programmieren muss.

37 Millionen Deutsche sind Smart-Home-affin

Immerhin seien es auch nach der relativ engen Abgrenzung von Coqon 55 Prozent der Verbraucher oder ungefähr 37 Millionen, die "Smart-Home-affin" seien - also Nutzer und eine Anschaffung planende Personen zusammengenommen, freut sich Robert Daumoser; alles potenzielle Kunden des Unternehmens. Erfreulich für Daumoser - wenngleich nicht Ergebnis der Befragung - ist auch, dass seine Käufer offenbar besonders vernetzungsfreudig sind. Sein Pressesprecher sagte: "Wir wissen, dass unsere Kunden im Schnitt 15 Produkte angebunden haben; das heißt: Rollladenaktoren, Lichtsteuerung, Heizungsthermostat et cetera; Wandschalter, Fensterkontakte." Der Durchschnitt im Markt liege bei zehn bis zwölf.

Gefragt worden ist von Yougov auch nach der Alternative "Handwerker oder Heimwerker." Benjamin Pauwels: "Kaufe ich mir das alles selbst ein, installiere und programmiere meine Szenen und Programme, schließe die Produkte an, oder übergebe ich das einem Profi aus dem Handwerk? 62 Prozent der Befragten sagen, sie würden das immer übers Handwerk machen." 28 Prozent - es geht im Hauptteil der Studie jeweils nur um die Smart-Home-Affinen - entschieden sich hingegen für die Do-it-yourself-Variante.

Handwerker und Heimwerker im Visier

Bei der Frage, welches von beiden die hauptsächliche Zielgruppe ist, unterscheiden sich die bei der IFA ausstellenden Anbieter. Coqon hat als einzige Firma Hand- und Heimwerker gleichermaßen im Visier. Dagegen Innogy zum Beispiel, mit einem großen Messestand einschließlich Solarmodul, Stromspeicher und elektronisch gesteuertem Heizkörperventil vertreten, spricht die Verbraucher im Wesentlichen direkt und über Baumärkte an. Innogy-Pressesprecherin Julika Gang konterte am Stand den Einwand, dass viele potenzielle Kunden - der Marktforschung zufolge - mit Einbauen, Vernetzen und Programmieren überfordert sind, mit einer originellen Idee des Dortmunder Unternehmens. "Wir haben eine Art Installationsservice." Allerdings einen, der ohne kommerzielle Handwerker dadurch funktioniert, dass Innogy die Internetplattform "Mila" zur Verfügung stellt. Julika Gang: "Das sind sozusagen Laien, die selber bei sich zuhause Smart Home installiert haben und nutzen, und die anderen das anbieten, sie zu unterstützen bei der Erstinstallation."

Die Helfer würden vorab geprüft; es gebe außerdem ein Bewertungssystem, ähnlich wie bei Amazon, und feste Sätze. "Also meinetwegen: Ein neues Innogy Smart Home einrichten kostet ab 39 Euro." Der Helfer komme abends nach Feierabend nach Hause und helfe einem, das System einzurichten. Fazit: Es gibt ein erhebliches Kundenpotenzial für "Smart Home", und ein großer Teil davon bezieht sich auf Energie-Anwendungen.

Tatsächliche Nutzer dagegen gibt es bisher nicht gerade viele. An die letztere Tatsache fühlt man sich eher erinnert, wenn man einmal quer über das Messegelände geht: Durchaus vertreten ist die Technik an diversen Ständen als ein Bereich unter mehreren; das Thema "läuft mit". Jedoch sucht man vergeblich Großunternehmen, die hauptsächlich eine solche Gerätevernetzung anbieten. Von Alexander Morhart 

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