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Glossar-Eintrag für

kalte Nahwärme

Begriff: kalte Nahwärme
Bedeutung:

Wärme aus einem Versorgungsnetz für mehr als ein Gebäude, bei dem die Wärmeträgerflüssigkeit im Netz relativ kühl ist (Vorlauftemperatur unter 30°C); mit Wärmepumpen an den Abnahmestellen.

Beschreibung:

Wärme aus einem Versorgungsnetz für mehr als ein Gebäude, bei dem die Wärmeträgerflüssigkeit im Netz relativ kühl ist (Vorlauftemperatur unter 30°C); mit Wärmepumpen an den Abnahmestellen.

Die bedeutungsähnlichen Begriffe „Anergienetz“ und „Low-Ex-Netz“ werden in Wissenschaft und Praxis weniger trennscharf verwendet – zum Teil auch für Vorlauftemperaturen bis 40 °C oder gar 60 °C. Allerdings können bei gleitend betriebenen „kalten“ Netzen im Winter zeitweise zum Beispiel auch 80 °C vorkommen.

„Kalte“ Nahwärme hat gegenüber „normaler“ den Vorteil, dass man auf eine Wärmedämmung der Rohre verzichten kann: Das umgebende Erdreich ist zeitweise kaum kälter oder sogar wärmer als die Wärmeträgerflüssigkeit in der Leitung (Wasser, gegebenenfalls mit Frostschutzmittel). Die Rohre müssen jedoch dicker sein, und es ist mehr Pumpenstrom nötig.

Geplante und schon betriebene kalte Netze arbeiten typischerweise mit Betriebstemperaturen zwischen -5 °C und +25 °C. Bei konventionellen Wärmenetzen findet man zum Beispiel Systeme mit 80 °C aufwärts auch im Sommer. Der mittlere Wärmeverlust in deutschen Netzen liegt bei 13 Prozent; je nach Region können es auch 16 Prozent oder mehr sein, und dänische Netze kommen im Mittel auf 20 Prozent.

Dagegen gewinnen kalte Netze aus dem mitunter wärmerem Erdreich Energie hinzu und kommen im Saldo zum Beispiel auf zehn Prozent Verlust oder weniger. Auch kommt die eigentliche Wärmequelle mit niedriger Temperatur aus: beispielsweise Grundwasser, Flusswasser, Solarthermie.

Allerdings muss in jedem der angeschlossenen Gebäude anstelle einer einfachen Hausübergabestation eine Wärmepumpe installiert werden, die außerdem Betriebsstrom benötigt. Sofern die Häuser einen gewissen Wärmeschutzstandard haben, können unter dem Strich die Wärmekosten dennoch erträglich sein. Eine ifeu-Studie errechnet zum Beispiel für das seit 2014 betriebene System im oberbayerischen Dollnstein Vollkosten von 15,1 Cent pro Kilowattstunde ohne Förderung, also in der Größenordnung von Wärmepumpen mit jeweils eigener Wärmequelle.

Englisch: low temperature district network (LTN) / anergy network

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