Dienstleistung soll ab Frühjahr 2019 verfügbar sein

Forscher wollen Energieberatung automatisieren

Silvan Siegrist und Arne Tiddens tüfteln an automatisierter Energieberatung. © DLR

Das Spin-off  des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) Neofizient hat ein Messsystem entwickelt, das energetische Informationen von Gebäuden erfasst und automatisch auswertet. Es ist für die Gebäudeenergieberatung gedacht. "Beratungen sollen durch unseren Algorithmus objektiver, schneller und einfacher werden und dadurch auch günstiger", sagt Silvan Siegrist, der gemeinsam mit Arne Tiddens das Projekt leitet.

Bilder und Infrarot-Aufnahmen werden in einem Modell übereinander gelegt. Grundlage sind Kameras, die einen Raum 360° im sichtbaren und infraroten Wellenlängenbereich fotografieren. Aus den Daten wird ein Modell des Zimmers erstellt.  Es bildet also Decke, Wände und Boden dreidimensional ab. Über das Modell legen die Kameras Infrarot-Aufnahmen des Raumes, welche die energetischen Informationen veranschaulichen. Auch Unerfahrene sollen das Messsystem bedienen und auswerten können, versprechen die Forscher.

Die Bilder geben Aufschluss darüber, wo Wärme verloren geht, weil etwa Wärmebrücken bestehen oder Bauteile wie Fenster nicht energieoptimiert sind. Diese Daten können dann von den Sanierern selbst, von Energieberatern oder Handwerkern verwendet werden. "Das Messsystem soll so günstig werden, dass man es sich selbst ausleihen kann, und so einfach zu bedienen sein, dass es auch Laien einsetzen können", sagt Siegrist.

Ihre Messdienstleistung wollen die  Forscher im Frühjahr 2019 auf den Markt bringen. Bis Ende 2019 erhalten sie im Rahmen des Förderprogramms "Helmholtz Enterprise" von der Helmholtz-Gemeinschaft und dem DLR-Technologiemarketing etwa 250.000 Euro.

Die Helmholtz Gemeinschaft fördert in diesem Programm jedes Jahr die vielversprechendsten Geschäftsideen aus ihren Instituten, um erfolgreiche Ausgründungen in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und damit technischen Fortschritt schneller in den Alltag zu bringen. Zudem wurde das geplante DLR-Spinn-off im September 2018 für eine Förderung im Rahmen der Climate-KIC-Initiative (Knowledge and Innovation Community) des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT) ausgewählt. Die Unternehmen erhalten bis zu 95.000 Euro Förderung und zusätzlich viele Beratungsleistungen.

Auch eine Weiterentwicklung ihrer Ideen hat Neofizient vor: "Wir wollen die Software so verbessern, dass sie in Zukunft auch Empfehlungen für die energetische Sanierung geben kann", so Siegrist.

Dabei können sich die Aussagen aber nur auf die Gebäudehülle beziehen, die Anlagentechnik wird nicht betrachtet. Und Entscheidungen für eine Sanierung zu treffen, die nur oder hauptsächlich auf thermographischen Abbildungen basieren, dürfte bei Experten auf große Bedenken stoßen. Nicht zuletzt aufgrund der begrenzten Aussagefähigkeit von Thermographie: Die Termperaturdifferenz zwischen innen und außen muss groß genug sein, um Aussagen zu erlauben, sinnvolle Aufnahmen sind nur im Winter möglich. Auch die Kalibrierung der Geräte ist wichtig. Für Laien dürften sie kaum geeignet sein. pgl

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