Dänische Plattform überlegt Sprung nach Deutschland

Betterhome mischt Sanierungsmarkt auf

Niels Kåre Bruun von Betterhome © Alexander Morhart

Betterhome hat das energetische Sanieren in Dänemark durch die Koordinierung der Handwerker stark vereinfacht. Demnächst könnte das Unternehmen sein Geschäftsmodell nach Deutschland exportieren. Noch ist aber nichts entschieden.

Niels Kåre Bruun sagt: "Energetische Sanierung ist zu komplex. Wir wollen sie einfacher machen." Bruun ist Direktor von "Betterhome" – nicht zu verwechseln mit zwei anderen Unternehmen ähnlichen Namens. Die Firma wurde 2014 als Startup der dänischen Firmen Danfoss, Grundfos, Rockwool und Velux gegründet und ist seit 2017 profitabel. Mit "komplex" meint Bruun hauptsächlich einen fragmentieren Ablauf mit mehreren Handwerkern, die mehr oder weniger ungeplant nebeneinanderher arbeiten.

In Dänemark sind derzeit 3500 Handwerker in 105 Betrieben der Dreh- und Angelpunkt des neuen Konzepts. Die Betriebe sind damit im Durchschnitt mehr als dreimal so groß wie ein typischer deutscher Baubetrieb. Allerdings schwankt die Größe laut Bruun zwischen vier und 200 Mitarbeitern. Betterhome sucht zunächst gezielt nach Betrieben mit einer hohen Kreditwürdigkeit. Die Überlegung dahinter ist: Wer nicht kreditwürdig ist, leistet keine gute Arbeit.

Bewerbungsgespräch mit dem Handwerker

Wer es durch diesen Filter geschafft hat, mit dem führt Betterhome eine Art Bewerbungsgespräch, in dem es unter anderem um die Erfahrungen des Inhabers als Generalunternehmer geht. Denn am Ende soll ein einziger Handwerker den Sanierungsprozess verantwortlich leiten. Er schreibt auch als einziger dem Kunden eine Rechnung und verteilt das Geld dann an die beteiligten Gewerke; fürs Koordinieren und Haften bekommt er einen Extrabetrag von fünf bis zehn Prozent der Gesamtvergütung.

Betterhome unterstützt ihn durch Schulungen und eine Internetplattform, die den Prozess strukturiert – bis hin zum automatisierten Versenden von Terminerinnerungen. Für die Qualität der Ausführung haftet Betterhome jedoch nicht. Bruun: "Probleme mit der Ausführung müssen die Kunden mit den Handwerkern selbst abmachen. Gegebenenfalls würden wir mit problematischen Handwerkern die Zusammenarbeit einstellen, aber das war bisher noch nie nötig." In Dänemark gibt es allerdings auch ein stark reguliertes System der Qualitätssicherung von Handwerksleistungen, bis hin zu einer Garantie für die Hausbesitzer.

Vertrag zwischen Hausbesitzer und Generalunternehmer

Auch aus der Preisgestaltung hält sich Betterhome heraus. Den Vertrag schließen ausschließlich der Hausbesitzer und der Generalunternehmer miteinander. Betterhome selbst lebt von Zuschüssen der vier Gründer. Die versprechen sich wiederum höhere Umsätze für ihre Produkte. Bruun sagt über die ausführenden Handwerker: "Wir können zwar hoffen, dass sie Produkte der Betterhome-Gruppe verwenden, aber wir können das nicht erzwingen." Jedenfalls falle es dem Unternehmen leicht, Partner zu finden: "Handwerker arbeiten gern mit uns zusammen, weil mit uns das Risiko, an einen problematischen Kunden zu geraten, geringer ist."

Was das Geschäft in Dänemark einfacher macht als in vielen anderen Ländern, ist, dass hier bestimmte Daten zum energetische Zustand jedes Gebäudes im Internet öffentlich einsehbar sind. Dennoch dauert es nach der offiziellen Methode ein oder zwei Tage, um ein genaues energetisches Profil zu erarbeiten. Nicht so bei Betterhome, sagt Niels Kåre Bruun: "Durch unseren Online-Fragebogen kommen sie in 20 Minuten. Und die Abweichung von der richtig gründlichen Kalkulation beträgt nur fünf bis zehn Prozent."

93 Prozent der Angebote führen zu einem Auftrag

Das Ergebnis überzeugt offenbar die meisten Hausbesitzer, die sich ein Angebot machen lassen. Bruun zeigt eine Statistik für 2017, die ausweist, dass über 93 Prozent der Angebote tatsächlich zu einer Bestellung führen. "Die besten Handwerker in Dänemark erreichen nur ungefähr 50 Prozent." Dieser Punkt ist auch deshalb wichtig, weil die erste Besichtigung des Gebäudes für den Besitzer selbst dann kostenlos bleibt, wenn er sich entscheidet, keinen Auftrag zu erteilen. Hauptmotivation für die Hausbesitzer sei, dass man sich in einem sanierten Haus wohler fühle, sagt Bruun. Auch die Werbestrategie betont stark die Wohnqualität, nicht so sehr den energetischen Aspekt.

Ein anderes Modell hat der niederländische Anbieter Energiesprong entwickelt: Er sucht nach Immobilienbesitzern, die größere Einheiten von Mehrfamilienhäusern sanieren lassen wollen und vermittelt sie dann einen Pool von Handwerksfirmen.  

Die Energieeinsparungen durch die Betterhome-Sanierungen beziffert Bruun mit 30 bis 70 Prozent. Die Investitionen betragen im Mittel umgerechnet rund 70.000 Euro. "Wir wissen, dass viele unserer Sanierungen sich selbst finanzieren, weil sich im Zuge des Sanierungsprozesses die Kreditwürdigkeit des Hauseigentümers erhöht."

Bruun sprach vor einer Besuchergruppe des baden-württembergischen Umweltministeriums in Kopenhagen, bei der EnBauSa die Gelegenheit hatte, als einziges Medium aus Deutschland teilzunehmen. Dabei zeigte er sich sehr an den Marktverhältnissen im südwestlichen Bundesland interessiert, wollte sich aber nicht auf konkrete Einstiegsplanungen festlegen lassen. Bisher ist sein Unternehmen nur in Dänemark und Schweden tätig. von Alexander Morhart

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