Verbundprojekt will bis 2020 Ergebnisse liefern

Zusatznutzen von Öko-Dämmung im Fokus

Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen wie in diesem Fall mit Stroh ist nicht nur sinnvoll sondern kann auch elegant sein. © Gräfix

Dämmungen aus nachwachsenden Rohstoffen erfreuen sich eines steigenden Interesses. Dennoch sind sie noch nicht im Mainstream angekommen. Ein Grund sind Vorurteile und zu wenig Aufklärung. Eine Chance für Energieberater und Handwerker.

Traditionelle Baustoffe werden neu entdeckt. Das gleich aus mehreren Gründen. Mehr Bauherren berücksichtigen beim Bauen den Faktor „Nachhaltigkeit“, aus dem Schlagwort „Wohngesundheit“ ist ein Trend geworden. So werden gerade natürliche Dämmstoffe, welche zu Großteilen aus wiederverwendbaren Stoffen sind oder nachhaltig abgebaut werden können interessanter. An der Wand sind es Produkte wie Kalk und Lehm, bei Dämmstoffen werden Zellulose oder Hanf, Stroh oder Jute wichtiger. Dennoch scheitert es oft daran, dass Bauherren nicht genug aufgeklärt werden. Denn die Vorurteile bleiben sich gleich – zu teuer, zu hohe Brandgefahr, zu anfällig für Schimmel.

Häufig fällt es Verbrauchern, aber auch Planern schwer, sich innerhalb der zahlreichen nachwachsenden Dämmstoffe zurechtzufinden. Ändern möchte das ein aktuelles Projekt. Ein aus zwölf Teilvorhaben bestehendes Verbundprojekt steht unter dem Titel „Mehr als nur Dämmung – Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen." Beteiligt sind neben Universitäten und technischen Hochschulen auch Forschungsinstitute und Behörden wie die physikalisch-technische Bundesanstalt. Bis Mitte 2020 soll noch daran geforscht werden, wie Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen mit herkömmlichen Materialien verglichen werden können, um sie konkurrenzfähiger zu machen.

In vielen Schritten zum Erfolg

Zu Beginn wurden Messverfahren zum Erfassen spezifischer Eigenschaften von nachwachsenden Rohstoffen entwickelt. Dank Materialkennwerten kann die Bauplanung erleichtert werden, aufwändige Bauteilprüfungen im Schall- oder Brandschutz sollen unnötig werden. Die Nachhaltigkeit der Materialien soll zertifiziert werden, wodurch Herstellern der Eintrag in Baustoffinformationssysteme erleichtert werden soll. Genau das soll auch ein Beitrag fürs Umdenken bei Rechtsvorschriften sein. Denn viele Normen oder baurechtliche Vorschriften sind noch aus einer Zeit, in welcher Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen ein Randdasein führten.

Passende Dämmstoffe finden

Dämmstoffe welche „alt“ und „neu“ zugleich sind haben es oft anfangs schwer. Klassisches Beispiel ist dabei Stroh. Neben einer exzellenten Dämmeigenschaft zeichnet sich der Rohstoff durch eine sehr gute Schallschutzeigenschaft aus. Stroh ist als regulärer Baustoff zugelassen. Auch eine Verarbeitung ist leichter als viele denken. Stroh kann schnell verputzt sein. Beim Thema Brandschutz  kann sich der Dämmstoff auch zeigen, Strohballen sind in Baustoffklasse B2 eingestuft.

Ein bewährter Dämmstoff ist Zellulose. Zellulose wird in Fasern aus Altpapier gewonnen und mit Brandschutzzusätzen versehen. Bei Dämmplatten werden die Zellulose-Fasern mit Wasserdampf zu Platten gepresst. Zellulose-Fasern in ihrer losen Form werden nach ihrer Bearbeitung direkt getrocknet. Zellulose wird gern zur Innendämmung eingesetzt, ein Grund dafür ist dass sie auch schalldämmend wirkt. Doch auch dieser Dämmstoff hat Nachteile, so eignet er sich nicht für Bereiche, welche in Berührung mit Wasser kommen können. Ausnahme bilden Gebäude mit Holzrahmenbau, in diesen Fällen ist Zellulose auch als Dämmstoff in der Fassade akzeptiert.

Auch Jute ist eine gute Möglichkeit für die Dämmung. Für das Auslösen der Fasern aus der Pflanze wird sie geröstet. Jutefasern sind besonders dehnbar und biologisch abbaubar, zeichnen sich dadurch durch flexible Einsatzmöglichkeiten und Nachhaltigkeit aus. Länger am Markt ist Hanf. Für Vliese und Hanfdämmmatten wird der Pflanzenstängel bevorzugt verarbeitet, häufig wird um die Stabilität zu erhöhen Polyester zugeführt.

Energiebilanz von Dämmung ist gut

Kritiker führen häufig eine Energiebilanz bei einer ökologischen Beurteilung von Dämmmaterialien an. Häufiges Argument ist laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) dass für die Herstellung und Verarbeitung von Dämmstoffen mehr Energie verbraucht wird als die Materialien während ihrer Nutzung einspeichern. Das wäre ein Pauschalurteil meint die DUH, denn zwischen den Dämmstoffen sollte man unterscheiden. Energieintensiv sei die Herstellung von Schaumkunststoffen da viel Erdöl benötigt wird. Weniger als ein Zehntel der dafür verwendeten Energie reiche für die Herstellung von Zellulose oder Hobelspänen, führt die DUH in ihrem Magazin „Energetische Gebäudesanierung – Wider die falschen Mythen“ aus. Zentrales Argument ist dabei die „energetische Amortisationszeit“. Dieser Begriff grenzt den Zeitraum ab, ab wann Dämmstoffe mehr Energie einsparen als zu ihrer Herstellung nötig war. Studien zeigen, dass diese Zeit in der Regel unter zwei Jahren liegt. Damit ist Dämmung grundsätzlich sinnvoll. Eine ökologische Dämmung ist dabei nicht nur unter Aspekten wie Klimaschutz sinnvoll, sondern auch unter Aspekten wie ihrer Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten.  Dass Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sich bisher nicht durchsetzen konnten liegt also nicht an beschränkten Einsatzmöglichkeiten, sondern daran passende Lösungen für jedes einzelne Bauprojekt zu finden. Eine gute Beratung ist also wichtig. von Wolfram Hülscher 

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