Entscheidend ist nicht die Erstellung, sondern der Betrieb

Studie vergleicht CO2-Bilanz von Holz, Mauerziegeln und Stahl

Dietmar Walberg analysiert Ursachen für Baukostensteigerungen. © EnBauSa.de

Bei der Vorstellung der Holzbauoffensive in Baden-Württemberg hatten die Hersteller von Mauerziegeln vor einer Verzerrung des Wettbewerbs durch Fördermittel gewarnt. Zwei Studien, die auf der Pressekonferenz der Deutsche Gesellschaft für Mauerwerk- und Wohnungsbau (DGFM) auf der Fachmesse Bau in München vorgestellt wurden, sollen belegen, dass das Bauen mit Mauerziegeln kostengünstig und in der CO2-Bilanz Holzbauten mindestens ebenbürtig ist.

Eine Studie zu den Einflussfaktoren der Bauweise auf die CO2-Bilanz von Gebäuden stellt Sebastian Pohl von den Life Cycle Egineering Experts aus Darmstadt vor. Die Bilanz werde wesentlich von der Betriebsphase bestimmt, so Pohl. Die Bauweise selbst, also ob mit Holz, Ziegeln oder Stahl gebaut werde, habe auf die Lebens-CO2-Bilanz eines Gebäudes so gut wie keinen Einfluss. Die Klimaneutralität werde durch die Energieversorgung, nicht durch die Erstellung der Gebäude bestimmt. Er plädierte dafür, die Grabenkämpfe um die ökologisch korrekte Bauweise einzusttellen. Den Mauerwerksverbänden dient die Studie aber als Munition gegen die Förderung konkurrierender Bauweisen.

Um Baukosten ging es auch im Vortrag von Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen in Kiel (ARGE Kiel). Er fällte gleich zu Beginn ein verheerendes Urteil über die derzeitige Baupolitik: „Wir bauen an der Kernaufgabe vobei“, mahnte er. Die sei das kostengünstige Bauen. Die Kostensteigerungen am Bau seien enorm und lägen seit Beginn der Jahrtausendwende deutlich über der Infflationsrate. Kostentreiber bei den Gewerken sei zu geringen Teilen der Trockenbau. Hier liege das Mauerwerk im betrachteten Zeitraum seit dem Jahr 2000 unter der Inflationsrate, der Holzbau deutlich darüber. Dort betrügen die Kostensteigerungen seit der Jahrhundertwende 61 Prozent, im Rohbau 37 Prozent. Einen enormen Anteil habe aber ohnehin der technische Ausbau aufgrund einer Vielzahl neuer Vorschriften. Dort seien die Kosten um 142 Prozent gestiegen.

Von den Änderungsvorschlägen aus der Baukostensenkungskomission, die von der Politik herausgegriffen wurden, zeigte sich Walberg eher entttäuscht. Der erste war die Musterbauordnung, der zweite Punkt das serielle Bauen. Letzteres sei viel zu kurz gedacht, rechnete er vor. Serielles Bauen mit industrieller Vorfertigung sei bei den heute noch zu Verfügung stehenden schwierig zu bebauenden Grundstücken häufig gar nicht machbar. Außerdem sei es im Vergleich zu einem typisierten Bauen, bei dem Regelgrundrisse auf unterschiedliche Voraussetzung hin angepasst würden, zu teuer. Man liege über 2000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche beim seriellen Bauen. Aus den Daten, die die ARGE Kiel erhebt, lassen sich drei Faktoren erkennen, die günstiges Bauen ermöglichen: Mauerwerksbau, die gewerkeweise Vergabe anstatt der Generalunternehmerschaft und typisiertes Bauen. Von Pia Grund-Ludwig

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Kommentare (1)

  1. spiegel experimentelle wohnbauforschung aachen
    3 weeks ago
    Traditionalistische Wohnungspolitk und die Verbände und Institute in Wohnungswirtschaft, -forschung, -planung und des Wohnungsbaus sind überholt. In der heutigen Krise stellt sich wieder einmal besonders in den Städten die Frage, warum überhaupt noch und, wenn ja, wo und nach welchen Standards noch gefördert und gebaut werden soll ("Qualitatives Wachstum"). Den Wuppertaler und Potsdamer Instituten sei gesagt: Holzbau ist cool -
    lokal, regional und weltweit - und ein Klimaplan zur Wiederverwaldung der Erde ("Whole Earth Concept").

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