Energieberater bewerten neues BBSR-Programm

Mit Excel über die Sanierung entscheiden

Energetisch modernisieren oder nicht – das BBSR-Berechnungstool soll bei der Entscheidung helfen. © Alexander Morhart

Lohnt sich eine nachträgliche Wärmedämmung oder ein Fensteraustausch für den Hausbesitzer? Im Grunde ist das eine Rechenaufgabe, und für die gibt es seit kurzem ein kostenloses kleines Computerprogramm vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Was kann es – und was nicht?

Das BBSR bezeichnet das Programm als Berechnungstool. Es ist eine Excel-Tabelle mit vorbereiteten Tabellenblättern passend zur Einzelmaßnahme: Außendämmung der Außenwand, des Steildachs, der Kellerdecke, der obersten Geschossdecke; Austausch von Fenstern.

Für den U-Wert und alle anderen Eingangswerte ist bereits ein Vorschlag eingetragen, den man aber beliebig ändern kann. Der selbstnutzende Eigentümer beziehungsweise sein Berater kann im einfachsten Fall die Vorschlagswerte stehen lassen und ohne eigene Eingabe einen äquivalenten Energiepreis pro eingesparte Kilowattstunde Endenergie ablesen. Dabei wird verglichen, ob es kostengünstiger ist, eine Kilowattstunde durch den Einsatz von Öl, Gas, Holz, Fernwärme oder anderer Endenergieträger zu erzeugen oder sie durch Modernisierungsmaßnahmen am Gebäude einzusparen.

Der Nutzer kann diesen Einsparpreis mit dem aktuellen Preis für seinen Energieträger vergleichen und sieht direkt, in welchem Verhältnis dieser zum sogenannten Grenzpreis über den gesamten Betrachtungszeitraum steht – also ob und wie sehr sich die Investition in die Einzelmaßnahme einschließlich Energiepreisentwicklung und Zinszahlung lohnt.

Mehr noch: Eine ganze Tabelle mit abgestuften Brutto-Investitionskosten pro Quadratmeter gedämmte Bauteilfläche wird erzeugt, in der man je nach dem Instandsetzungsanteil ("Sowiesokosten") den entsprechenden äquivalenten Energiepreis ablesen kann. Dahinter stehen Kostenfunktionen, die auf einer genauen Analyse von Handwerkerrechnungen beruhen. Im Auftrag des BBSR hat das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt dafür Rechnungen aus rund 1.200 Bauvorhaben mit über 40 Millionen Euro Investitionssumme ausgewertet.

"Ein schönes Instrument mit Grenzen"

Jutta Betz, Landessprecherin Bayern des Deutschen Energieberater-Netzwerks (DEN), hält das Berechnungstool für ein "schönes Instrument, aber man muss auch sehen, dass es Grenzen hat. Die Berechnung hinsichtlich Wechsel des Energieträgers ist damit nicht möglich".

Noch etwas schärfer formuliert es Wolf-Dieter Dötterer, Pressesprecher des Bundesverbands Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker (GIH). Er spricht von einem "zweischneidigen Schwert". In der Hand des Fachmanns könne es für eine erste Schätzung eine Entscheidungshilfe sein. Obwohl die meisten Softwareprogramme der Energieberater bereits ein Wirtschaftlichkeitstool enthielten, könne er sich vorstellen, das BBSR-Programm zu einem kritischen Verbraucher mitzunehmen. "Denn das Tool hat einen 'amtlichen' Anschein, weil es ja vom BBSR kommt."

Die Gefahr besteht für Dötterer darin, dass Verbraucher selbst eine Wirtschaftlichkeitsberechnung machten: "Die stimmt so halt nicht. Es gibt bei fast jeder Einzelmaßnahme irgendwas im Hintergrund, an das ich denken sollte." Als Beispiel nennt der GIH-Sprecher die sinnvolle Reihenfolge von Maßnahmen: "Bei der Frage, ob ich ein Wärmedämmverbundsystem aufbringen soll, muss ich mir Gedanken machen: Sind meine Fenster so schlecht, dass ich, bevor ich es montiere, neue Fenster reinmache?" Es sei doppelte Arbeit, wenn man die Fassade mache und anschließend die Fenster rausreiße - mit Laibungs- und anderen Anschlussarbeiten.

Welche Kosten werden berücksichtigt?

Darüber hinaus glaubt Dötterer, einen Fehler im Tabellenblatt zur Außendämmung mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) entdeckt zu haben: "Bei der Preisangabe wird vergessen, dass, wenn ich ein WDVS auf eine Fassade aufbringe, ich meistens auch mein Dach anpassen muss, weil ich Ortgang und Traufe verbreitern muss. Das sind Flaschnerarbeiten und, und, und."

Horst-Peter Schettler-Köhler, zuständiger BBSR-Referatsleiter, widerspricht: "Da sind auch Kostenanteile drin zum Beispiel für die Verlängerung des Dachüberstandes, wenn man eine Außendämmung auf der Wand aufbringt, oder für entsprechende Anschlussdetails bei Fenstern und so weiter." Im den Tabellenblättern ist dafür allerdings keine Angabe zu finden; hier wird lediglich mit einem Link auf die 116 Seiten starke IWU-Grundlagenstudie verwiesen. DEN-Landessprecherin Jutta Betz merkt dazu an, dass eine kurze Erläuterung zum Umfang der berücksichtigten Kosten direkt im Tool nicht schlecht wäre.

Für Wolf-Dieter Dötterer ist ein weiterer Kritikpunkt, dass nicht betrachtet werde, "dass ich mit energetischer Sanierung eine Werterhaltung oder sogar Wertsteigerung meines Gebäudes erreiche". Horst-Peter Schettler-Köhler vom BBSR entgegnet, eine solche Wertsteigerung könne man nicht errechnen. "Das kommt im Einzelfall darauf an, was einem ein Komfortgewinn und so weiter wert ist. Ich kann nicht sagen: Mein Gebäude kann ich automatisch für einen teureren Preis verkaufen."

"Das Tool ersetzt keine Energieberatung"

Sowohl Dötterer als auch Schettler-Köhler könnten wohl Jutta Betz zustimmen, wenn sie für das Energieberater-Netzwerk erklärt: "Das Tool kann unterstützend für eine individuelle Energieberatung genutzt werden, ersetzt diese aber nicht." Schettler-Köhler verweist zudem darauf, dass das Berechnungstool eigentlich nur ein Nebenprodukt sei, und zwar im Zusammenhang mit der Diskussion, wie man die Unwirtschaftlichkeit einer Maßnahme feststellen könne, um damit die sogenannten Härtefallanträge nach § 25 I der Energieeinsparverordnung richtig beschreiben zu können.

Dazu sagt wiederum Jutta Betz vom DEN, für diese Frage sei etwas ganz anderes entscheidend, nämlich die Festlegung der Randbedingungen für die Wirtschaftlichkeitsberechnung: Nutzungsdauer, zukünftige Energiepreissteigerung und so weiter. Die einheitliche Festlegung dafür stehe aus.

Horst-Peter Schettler-Köhler hat jedenfalls – frühestens für diesen Monat – eine weiterentwickelte Version des Berechnungstools angekündigt. Unter anderem könne man dann zusätzlich die Amortisationszeit und den annuitätischen Gewinn eines modernisierten Bauteils darstellen. Auch werde das Blatt zur Fenstermodernisierung differenzierter sein. Und: Rückmeldungen der Energieberater würden berücksichtigt. Von Alexander Morhart

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