Quelle: DEUTSCHE ROCKWOOL

70 Prozent weniger Wärmeverlust am Dach

„In diese alten Dächer zu investieren lohnt sich“

Das Dach hat eine Fläche von über 500 Quadratmetern. © Michael Gallner / Bauder

Genau 102 Jahre hat das dreistöckige Mitarbeiter-Wohngebäude des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg bei Heilbronn schon auf dem Buckel, dessen Dachsanierung Ekkehard Fritz im Rahmen des diesjährigen „Sanierungskompass Gebäudehülle“-Webinars vorgestellt hat. Fritz ist Produktmanager Steildach bei der Stuttgarter Paul Bauder GmbH.

Eine Vorgabe des Bauherrn „Klinikum am Weissenhof“ für das denkmalgeschützte Haus war es, für die Sanierung einen Zuschuss aus der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) zu bekommen. Dafür musste am Dach nach der Sanierung ein U-Wert von kleiner oder gleich 0,14 Watt pro Quadratmeter und Kelvin erreicht werden. Zudem sollten die Innenverkleidungen der Räume – bestehend aus Gipskartonplatten – belassen werden. Man wollte „das Ganze quasi von außen lösen“, so Fritz.

Aber warum gerade das Dach – was ist mit den Außenwänden? Das war ein Wunsch des Denkmalschutzes. Edgar Müßigmann, Bereichsleiter Bauinstandhaltung beim Klinikum am Weissenhof: „Die Außendämmung fällt flach, weil wir hier überall Klinkerfassaden haben. Wir haben gesagt: Mit einer guten Dachdämmung kann man viele Schwachstellen im denkmalgeschützten Bereich ein bisschen ausgleichen.“ Doch auch am Dach war und ist von Amts wegen nicht alles erlaubt: „Sehr viel, was die Konstruktion hergibt, dürfen wir nicht – zum Beispiel, dass der Sparren abgeschnitten wird, die Außendämmung hochgezogen und auf dem Dach weitergeführt und mit Kontersparren der Dachvorsprung wiederhergestellt wird. Wir hatten im denkmalgeschützten Bereich vor 20 Jahren die Auflage, maximal fünf Zentimeter auf die Sparren zu bringen. Seit gut zehn Jahren haben wir die Freigabe für acht Zentimeter Sparrenaufdämmung. Denn die Ansicht darf laut Denkmalamt gar nicht oder nur minimal verändert werden.“

Zwar war eine Dachdämmung vorhanden, bestehend hauptsächlich aus Klemmfilz; doch war diese zum Teil durchfeuchtet, zum Teil auch vom Marder zerstört. Sie musste also ersetzt werden. Das Dach wurde abgedeckt, die Dachlattung entfernt, und die alte, beschädigte Zwischensparrendämmung ausgebaut und fachgerecht entsorgt. Für die neue Dämmung aus Steinwolle mit einer Dicke von insgesamt 14 Zentimetern musste die volle Sparrenhöhe genutzt werden.

Luftdichte Schicht von außen verlegt

Darüber kam eine luftdichte, dampfbremsende Schicht. Die Handwerker verlegten diese von außen über das komplette Dach über alle Wände hinweg. Der luftdichte Anschluss musste so lediglich an der Traufe, im Giebelbereich und an den Details bewerkstelligt werden. Bei den mehr als 500 Quadratmetern Dachfläche kam hier dennoch einiges an Arbeit zusammen.

Über die luftdichte Schicht montierte man die Aufsparrendämmung mit einer Dicke von 8 Zentimetern. Die Handwerker steckten die Dämmelemente mit Nut-und-Feder-System ineinander und verklebten die Überlappung, also die zweite wasserführende Ebene, die auf den Elementen oberseitig aufgebracht ist. Kehlen, Firste, Grate und Schornsteine fassten sie mit kalt selbstklebenden Bahnen ein. Die Konterlatten befestigten sie – wie inzwischen üblich – mit langen Schrauben. Das sei nicht nur erschütterungsfrei, sagte Ekkehard Fritz, sondern gehe auch schneller als mit Nägeln. Eingedeckt wurde mit engobierten Doppelmuldenfalzziegeln.

70 Prozent wiederverwertete Rohstoffe

Als Besonderheit der gewählten Aufsparrendämmung erwähnte Fritz, dass das Material zu fast 70 Prozent aus wiederverwerteten Rohstoffen besteht. Den größten Anteil macht mit 60 Prozent die „Biomasse“ aus, also Abfälle aus der Landwirtschaft: Pflanzenstängel,  Pflanzenblätter, ausgedroschene Maiskolben und so weiter. Weitere vier Prozent sind Holzabfälle, genauer: in der Produktion bei Bauder anfallende Säge- und Fräsabfälle. Und noch einmal vier Prozent bestehen aus dem Kalk von Muschelschalen, die als Abfall in großen Mengen in der Lebensmittelindustrie anfallen. Fritz: „Wir mahlen diese Muscheln ganz fein und stellen daraus zusammen mit einem Glasvlies eine Deckschicht her, die wir für unsere Produkte oben und unten brauchen.“

Unter anderem damit hat Fritz den Bereichsleiter überzeugt. Edgar Müßigmann: „Mit Bauder Öko haben wir jetzt zusätzlich noch den ökologischen Ansatz, dass man Recyclingmaterial verarbeitet. Die sind preislich fast gleichauf mit der Holzfaserplatte, haben aber einen wesentlich besseren Dämmwert.“

Der U-Wert am Dach habe vor der Sanierung bei rund 0,45 Watt pro Quadratmeter und Kelvin gelegen; danach bei 0,13 Watt pro Quadratmeter und Kelvin. Somit sei das Vorhaben förderfähig nach der BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) gewesen, bei der der Hausbesitzer zwischen einem Zuschuss von bis zu 12.000 Euro und steuerlichen Vorteilen wählen könne.

Zwar wurde das Mitarbeiter-Wohngebäude mit seinen drei Stockwerken komplett saniert. Ekkehard Fritz hat aber aufgedröselt, was allein die Dachsanierung in energetischer Hinsicht gebracht hat. Der auf die Wärmeverluste des Dachs entfallende Jahresbedarf an Heizöl, der vor der Sanierung bei 675 Litern gelegen habe, sei auf 210 Liter verringert worden. Daraus lasse sich errechnen, dass der dadurch verursachte jährliche CO₂-Ausstoß nun statt bei 1,95 Tonnen nur noch bei 0,63 Tonnen liege.

Das Flächengewicht der Dämmung liege bei nur 30 Kilogramm pro Quadratmeter, sagte Fritz. Den Preisunterschied zu einer konventionellen Lösung gab der Produktmanager mit „maximal zehn Prozent“ an. Er dürfte sich damit auf eine normale Hartschaumdämmung bezogen haben. Sein Fazit: „Es lohnt sich auf jeden Fall, in diese alten Dächer zu investieren.“

Das sieht auch Bereichsleiter Müßigmann so, der nach der Sanierung sagt: „Wir würden es wieder so machen.“ Auch auf der Baustelle hat ihn das Material im direkten Vergleich überzeugt: „Wir haben schon fünf, sechs Dächer mit Wettbewerberprodukten gemachten und konnten keinen Unterschied beim Verarbeiten gegenüber dem Bauder-Material feststellen. Auch vom Zimmermann habe ich keine Verarbeitungsschwierigkeiten gehört. Es ist halt nur ein anderer Rohstoff. Aber ansonsten genauso mit der Kreissäge zu bearbeiten; Fugen werden ausgeschäumt, um einen dichten Anschluss zu bekommen.“

Nicht nur Müßigmanns eigene Leute kamen gut damit klar, sondern ebenso beteiligte Dritte. „Bei der Bauder-Konstruktion haben wir auch keine Einschränkung bei den Firmen – in der Art, dass jemand sagen würde: Das dürfen nur der oder die machen, weil die eine Schulung haben.“

Das kennt der erfahrene Bereichsleiter auch anders: „Ein Gegenbeispiel: Wir haben mit einem anderen Hersteller die Entwicklung einer neuen Innendämmung begleitet. Die hatten eine Verarbeitungsrichtlinie: Es dürfen keine Bohrungen gemacht werden. Ich habe gesagt: ‚Wie mache ich jetzt meinen Heizkörper fest?’ Dann sind die wieder gegangen, haben mit ihrem Computermodell die vier Stanzlöcher für die Heizkörper untersucht und nach 14 Tagen gesagt: ‚Ok, das geht.’ Und so gab es noch zwei, drei andere Punkte.“

Während seiner Präsentation zeigte Ekkehard Fritz auch gleich, wie man mit dem Steildach-Navigator seines Unternehmens über acht Klicks die Planung der Dachsanierung vorbereiten kann. Am Ende werden hier erwartungsgemäß Prospekte zum Herunterladen angeboten, aber zum Beispiel auch U-Wert-Tabellen. Fehlerfrei ist das System jedoch noch nicht: Klickt man nach dem Steildach-Dialogablauf auf „Ausschreibungstext“, wird ein Text für Rasengittersteine für eine Flachdachbegrünung angeboten.

Von Alexander Morhart

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