ACP-Wetterschutz hat wohl den Brand beschleunigt

Dämmung war im Grenfell Tower nicht entscheidend

71 Menschen kamen bei dem Hochhausbrand zu Tode. © Parliament of the UK

Vor einem Jahr hat die Untersuchungskommission zum Brand im Londoner Grenfell Tower ihre Arbeit aufgenommen. Jetzt liegt ein Bericht vor. Er kommt  laut Deutscher Feuerwehrzeitung zu dem Ergebnis, dass die Wetterschutz-Verkleidung nach bisherigen Erkenntnissen ausschlaggebend war für den Brandverlauf.

In London arbeitet seit einem Jahr die Kommission zur Aufklärung des Brandes am Grenfell Tower. Die "Deutsche Feuerwehrzeitung" des Deutschen Feuerwehrverbandes veröffentlichte einen Artikel von Professor Michael Reick, der die vorläufigen Ergebnisse der noch laufenden ersten Untersuchungsphase zusammenfasst.

Die Kommission analysierte Ursache und Verlauf des Brandes, wertete hierzu 400.000 Dokumente aus, befragte Experten und Feuerwehrleute und sichtete Fotos und Videos. Das Ergebnis: An der Fassade des Grenfell Tower war nicht wie vielfach gemeldet Polystyrol, sondern Polyisocyanurat als Dämmstoff verbaut. Die Brandweiterleitung an der Fassade wurde aber an erster Stelle durch die ACP-Wetterschutzverkleidung verursacht. Ob die Konstruktion den zum Zeitpunkt der Erstellung geltenden Bestimmungen entspricht wird derzeit noch untersucht. Eine Brandausbreitung habe sie nicht verhindert. So hätten Hohlräume geschottet werden müssen, um eine Brandausbreitung zu verlangsamen oder zu verhindern. Auch wurden, so die Feuerwehrzeitung, die Komponenten wohl nicht sachgerecht verbaut. Zu Bränden mit ähnlichen Fassadenkonstruktionen kam es bereits in Dubai und Melbourne.

Außerdem kommen die Experten zum Ergebnis, das die Wärmedämmung aus Polyisocyanurat nicht das ausschlaggebende Element war, sondern die ACP-Paneele, die zum Wetterschutz dienen: "Die Masse der Verkleidung war aufgrund der geringen Stärke der PE-Platten zwar gering und die Wärmefreisetzung ging größtenteils in die äußere Umgebung, aufgrund der hohen Abbrandgeschwindigkeit und der damit verbundenen hohen Wärmefreisetzung hat dies jedoch offensichtlich ausgereicht, dass bereits nach kurzer Zeit weitere Entstehungsbrände in den über der Brandwohnung gelegenen Wohnungen auftraten", heißt es in dem Bericht.

Die enorme Geschwindigkeit der Brandweiterleitung erklärt sich auch aus den Zustrom von Verbrennungsluft über die Hinterlüftung der Wetterschutzverkleidung. Es brannte nicht nur das Polyethylen, sondern auch das Aluminium der Wetterschutzplatten. Der Londoner Einsatzleiter verglich das Brandgeschehen mit einem "Magnesiumbrand".

Die Geschwindigkeit des Feuers wird so eingeschätzt: "Der Brand hatte sich daher innerhalb von nur 36 Minuten von einem Entstehungsbrand in der Küche zu einem Brand entwickelt, der über die Fassade alle 19 darüber liegenden Wohnungen unmittelbar bedrohte." Für die letzten 10 Stockwerke nach oben bis zum 22. OG brauchten die Flammen nur sieben Minuten. Danach begann zwischen 1:12 bis 4:03 Uhr die Brandweiterleitung über die Wetterschutzplatten um das Gebäude herum. Die Wetterschutzverkleidung brannte völlig ab, während die Wanddämmung in großen Teilen erhalten blieb.

Gleichwohl entstand in den Tagen nach dem Brand das Gerücht, hier habe der Dämmstoff Polystyrol gebrannt, was sehr schnell zu einer Kampagne gegen Polystyrol an deutschen Gebäudefassaden ausgebaut wurde. Wissenschaftler hatten das bereits damals als unsachlich und falsch kritisiert, sie werden nun durch die Londoner Untersuchung bestätigt.

Vor gut einem Jahr hat das 24-geschossige Grenfell-Hochhaus in London, ein Sozialwohnungsbau,  gebrannt. Der Brand breitete sich schnell über die Fassade aus. 71 Menschen kamen bei der Brandkatastrophe ums Leben. Hessisches Energieinstitut / pgl

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