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Auflösung des offenen Grundrisses und Wärmepumpe wirken

Berliner Effizienzhaus kommt jetzt auf ein Plus

08.09.2015, 07:30

Wärmepumpe im Effizienzhaus Plus
Christian Roch an der neuen Wärmepumpe mit regelbarem Verdichter. © A. Morhart

Sichtbar gut gelaunt empfängt Christian Roch Besucher im "Effizienzhaus Plus" in der Berliner Fasanenstraße. Roch arbeitet für die Hamburger Zebau GmbH und führt im Auftrag des Bundesbauministeriums durch das Gebäude. Er hat allen Grund, vergnügt zu sein: Die Energiebilanz des Hauses, die im Anfangsstadium enttäuscht hatte, ist deutlich besser geworden. "Wir hatten in dem Messjahr mit der zweiten Testfamilie, also 2014/15, einen Überschuss von 5.530 Kilowattstunden. Sogar wenn man den Strom für die Elektrofahrzeuge abzieht, bleibt ein Plus von 3.543 Kilowattstunden."

Grund ist ein stark verringerter Jahresstromverbrauch, der von ursprünglich 12.400 auf 7.960 Kilowattstunden gesenkt werden konnte. Christian Roch führt das auf "die neue Wärmepumpe, die thermische Abtrennung des Wohnzimmers mit einer Tür und die damit verbundene verringerte Vorlauftemperatur" zurück. Damit bestätigt sich die Kritik des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Bauphysik an dem ursprünglich über das Treppenhaus bis in den ersten Stock völlig offenen Grundriss.

Diese Offenheit hatte eine Ausgleichsströmung von bis zu 1.500 m³ pro Stunde zugelassen, durch die die Heizflächen im ersten Stock zeitweise faktisch stillgelegt und im Endeffekt die Vorlauftemperatur auf ineffizient hohe Werte gesteigert wurden. Welchen Anteil die neue Rotex-Wärmepumpe mit regelbarem Verdichter und weitere Faktoren wie die Regelung der Lüftungsanlage an der besseren Bilanz haben, lässt sich nicht sagen, weil alle Änderungen gleichzeitig vorgenommen wurden.

Ob sich durch die nun erfolgte Abtrennung des Treppenhauses, das keine eigene Heizung hat, hier im Winter ein Kaltluftsee bildet, kann Roch nicht sagen – "die Testfamilie hat sich jedenfalls nicht über ein kaltes Treppenhaus beschwert." EnBauSa.de hätte auch darüber mit der Testfamilie gern selbst gesprochen, doch diese war dazu nicht bereit.

Zum Zeitpunkt der Begehung des Hauses an einem Augustnachmittag hätte man sich über kühle Luft durchaus gefreut. Es gibt im Gebäude keine aktive Kühlung, so dass sich durch die geöffneten Fenster allenfalls die Temperatur der Außenluft einstellt. Ab Oktober wird zwar einiges im Haus umgebaut werden. Ob nach dem Umbau die Wärmepumpe im folgenden Hochsommer auch zur Gebäudekühlung eingesetzt werden kann, ist aber noch nicht entschieden. Technisch müsste nur eine kurze Rohrverbindung zwischen der Wärmepumpe und der Lüftungsanlage hergestellt werden. Dagegen dürfte eher sprechen, dass durch den zusätzlichen Stromverbrauch die Bilanz etwas belastet würde.

Allerdings stellt sich die Frage, wie gut sich ein insgesamt für eine anspruchsvolle Käuferschicht ausgelegtes Haus ohne Kühlungsmöglichkeit verkaufen ließe. Derzeit haben in Deutschland nur etwa drei Prozent der Haushalte gekühlte Wohnräume, aber laut einer eben erschienenen Studie hat über ein Viertel der Befragten schon einmal darüber nachgedacht, eine Klimaanlage anzuschaffen.

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Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 2 von 2.

Dietmar Spiegel - 09.09.2015, 13:24

Die wirtschaftliche, soziale, planerische, architektonische und haustechnische Fehlorientierung des dena-gestützten Prestigeprojekts der Bundesregierung bleibt: Kein Kostenlimit, freistehendes Familienheim (A/V), IV-Mobilität, keine Massivholz-Konstruktion (Graue Energie), keine Nachtkühlung, saisonalen Solarwärme- und Regenwasser-Speicher usw., maximale PV, aber ohne smart-grid. Stattdessen soll eine Klimaanlage auch hierzulande Allgemeingut werden - ein Energiewende ins Groteske! Dietmar Spiegel, Aachen

Bernhard Engels - 08.09.2015, 10:59

Dass die berechneten Zielwerte erst nach einem Monitoring und Optimierungsphase in Einstellungen und Konstruktion erreicht werden konnte entspricht auch dem was von den anderen Plusenergiehäusern offen oder auch in der kleinen Runde bekannt gemacht wurde. Als Folge sollte vielleicht eine Monitoringphase zu jedem Effizienzhaus 40 oder besser von der KfW mit 50% gefördert werden, damit die neuen Häuser nicht nur effizient "gerechnet" werden sondern auch so funktionieren.

 

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