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Volkswirtschaftlich ist eine Netzentlastung sinnvoll

Sonnenhaus-Konzepte sind noch zu wenig bekannt

14.07.2015, 08:45

Schnitt durch ein Sonnenhaus
Sonnenhäuser setzen auf Autarkie. © Sonnenhaus Institut

Harald Drück Leiter des Forschungs- und Testzentrums für Solaranlagen (TZS) am Institut für Thermodynamik und Wärmetechnik (ITW) der Universität Stuttgart, hat im Forschungsprojekt Heizsolar Sonnenhäuser messtechnisch begleitet. Die Konzepte funktionieren, aber es gebe noch Optimierungsbedarf, hat er im ersten Teil eines Gesprächs mit EnbauSa.de-Mitarbeiter Alexander Morhart erklärt. Im zweiten Teil des Interviews geht es um die Frage, warum sich die Konzepte der Sonnehäuser bislang nicht in der Breite durchgesetzt haben.

EnBauSa.de: Herr Drück, warum können sich Sonnenhäuser im Wettbewerb mit anderen Heizkonzepten bisher so selten durchsetzen?

Drück: Ein Hauptproblem ist, dass das Konzept bei vielen gar nicht bekannt ist. Die Tatsache, dass man mit einer Solaranlage und einem großen Speicher prinzipiell 100 Prozent seines Wärmebedarfs decken kann, ist in der breiten Masse der Bevölkerung noch nicht angekommen. Schon das Thema Solarwärme nicht: Wenn man mit Leuten redet und etwas von Solaranlagen zur Trinkwassererwärmung und Raumheizung erzählt, dann meinen die meisten, man redet von Solarstrom. Ein anderes Thema ist die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Konzepte. Wie bestimme ich überhaupt einen solaren Deckungsanteil von Anlagen, bei denen der Speicher in das Gebäude integriert ist, wenn dessen Wärmeverluste maßgeblich zur Reduktion des Heizwärmebedarfs beitragen? Das ist gar nicht so einfach. Da haben wir in diesem Forschungsvorhaben Basisarbeit geleistet.

Gibt es nicht auch einfach Defizite beim Vermarkten? Ist es zum Beispiel eine gute Idee, mit "Sonnenhaus" und "Solaraktivhaus" zwei Bezeichnungen für das gleiche Produkt zu benutzen, die dann auch noch uneinheitlich verwendet werden? Da ist die Verwirrung doch schon vorprogrammiert.

Das ist in der Tat ein bisschen unglücklich. Hintergrund ist, dass der Begriff "Sonnenhaus" vom Sonnenhaus-Institut etabliert wurde. Wir von der wissenschaftlichen Seite haben uns parallel bewusst für "Solaraktivhaus" entschieden, um uns vom "Passivhaus" abzugrenzen. Hinzu kommt jetzt, dass wir bei den Solaraktivhaus-Konzepten bisher nur über die Wärmeversorgung geredet haben. Strom und Wärme als Energieformen wachsen aber zusammen. Letztendlich geht es nicht um eine Strom- oder Wärmeversorgung, sondern um die Energieversorgung. Es ist die Frage, wie man das in der Begrifflichkeit am Besten darstellt.

Dann droht also noch ein dritter Begriff?

Das sollte man vermeiden. Was ich mir vorstellen könnte: dass man "Solaraktivhaus" auf den Wärmebereich begrenzt und "Sonnenhaus" für die gesamte solare Energieversorgung nimmt. Aber das muss man klären, da ist noch ein Fragezeichen dahinter.

Effizienzhaus geht eher in Richtung Strom

Das Programm "Effizienzhaus Plus" des Bauministeriums geht eher in Richtung "Stromhaus": viel Photovoltaik, Wärmepumpe, Solarakku, kleiner thermischer Pufferspeicher. Das Haus in der Fasanenstraße hier in Berlin hat überhaupt keine Sonnenkollektoren; das "M1"-Projekt in Brandenburg, das demnächst vorgestellt wird, nur neun Quadratmeter. Und Solarakkus werden ständig billiger. Kämpfen die Verfechter des Solaraktivhauses auf verlorenem Posten?

Ich denke nicht. Was vom Berliner Effizienzhaus Plus an manchen Wintertagen an Strom konsumiert wird, ist gigantisch. Dieser Strom kommt nicht aus der PV-Anlage, sondern aus dem Netz, also größtenteils aus konventionellen Kraftwerken. In großem Maßstab eingesetzt, bringt so etwas unsere Energiewende nicht voran. Wir müssen in die saisonale Speicherung von Energie bei hohem Autarkiegrad des Gebäudes hineingehen. Die saisonale Speicherung von thermischer Energie ist schon aufwendig und relativ kostenintensiv, aber grundsätzlich möglich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine saisonale Speicherung von Strom jemals auch nur zu halbwegs praktikablen Kosten möglich sein wird.

Sie argumentieren jetzt volkswirtschaftlich...

Genau. Wenn ich mit Photovoltaik und einem Stromspeicher meinen Eigenverbrauch in den Sommermonaten zum großen Teil abdecke und mich im Winter auf das Netz verlasse, kann ich meine Stromrechnung reduzieren. Aber die Kraftwerkskapazität und die Versorgungsinfrastruktur müssen das ganze Jahr über vorgehalten werden, obwohl sie in diesem Umfang nur eine relativ kurze Zeit in den Wintermonaten benötigt werden. Das ist für die Volkswirtschaft nicht effizient. Deshalb ist es wichtig, dass die Politik da steuernd eingreift und gezielt Technologien fördert, die die Netzinfrastruktur möglichst wenig belasten. Dazu gehören für mich die Solaraktivhaus-Konzepte: Die haben einen großen Speicher, mit dem sie einen ganz großen Teil des Wärmebedarfs abdecken. Wenn doch noch Zusatzwärme benötigt wird, kommt die meistens von einem Biomassekessel, der keine Netzinfrastruktur benötigt.

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Kommentare zur Meldung

Kommentare 1 - 2 von 2.

Oliver Mühlhan - 15.07.2015, 11:17

Ich denke, dass für ein Sonnenhaus nur eine bestimmte Zielgruppe in Frage kommt, die über den Standard nach EnEV hinaus will und dazu auch bereit ist, sich mit weitergehenden Konzepten zu beschäftigen.

Wer das aber tut kommt unweigerlich auch mit dem Konzept Passiv-Haus in Berührung, so dass es in den meisten Fälle um diese beiden Alternativen geht und sich die Mehrheit aus verschiedenen Gründen für das Passivhaus entscheidet.

Für mich naheliegende Gründe pro P-Haus wären:
- Der Primärwärmebedarf ist geringer.
- Der Flächenverlust für den Speicher ist viel kleiner (nur Tagesspeicher, kein Saisonspeicher).
- Dachflächen werden frei für PV
- Hohe Zukunftssicherheit und Unabhängigkeit (ein Haus welches von der Substanz her schon mal wenig Energie verbraucht, kann während der Lebensdauer von mehreren Jahrzenten sehr einfach auf verschiedene aktuelle Techniken für Restwärmebereitung, Lüftung usw. angepasst werden.)

Die Argumente von Herrn Drück hinsichtlich PV und Stromspeicher sind nachzuvollziehen. Allerdings muss beim P-Haus gar nicht zwingend Strom zur Restwärmebereitung genutzt werden (auch wenn es vielfach so praktiziert wird). Auch im P-Haus kann die Restwärme z.B. über Biomasse bereit gestellt werden (wie meistens beim Sonnenhaus). Hier ist nur noch ein eher geringes Angebot an Anlagen vorhanden, die klein genug für ein P-Haus dimensioniert wären. Damit stünde der PV-Strom für sonstigen Eigenverbrauch und im Sommer zur Einspeisung zur Verfügung, ohne im Winter auf das Stromnetz zurückgereifen zu müssen.

dietmar Spiegel - 14.07.2015, 20:34

Da es meist und vorrangig um Forschungsmittel und Fördertöpfe geht, wird gern kontrovers und in Lagern gläubig diskutiert. Für Bauleute ist das eher verwirrend und abstossend, da hält man sich halt an Traditionen und Vorurteile. Seit den ersten Passivhäusern (nach PHPP) ist klar, dass Passivhäuser nicht nur wirtschaftlich, sondern durch WRG auch konfortabler sind.
Sie sind aber im zweiten Schritt durch massivHOLZ-Konstruktion und Solarthermie mit saisonalen Speichern energetisch Klima korrekt noch zu toppen.
Im öffentlichen und privaten Bestand verweise ich auf KWK im Keller oder Ersatzbau (s.o.) immer mit WRG!
Noch Fragen? MfG - Dietmar Spiegel

 

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