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Kombination aus Wärmepumpe und Fotovoltaik wird zur Gefahr

Solarthermiebranche sucht Weg aus der Krise

30.04.2013, 13:20

Hans-Martin Henning
Dr. Hans-Martin Henning vom Fraunhofer ISE leitete das Solarthermie-Symposium. © OTTI

In der Solarthermiebranche macht sich zunehmend Krisenstimmung breit. Das ist jetzt beim 23. Symposium Thermische Solarenergie des Ostbayerischen Technologie-Transfer-Instituts Otti in Bad Staffelstein deutlich geworden. Statt nur auf fehlende oder falsche Förderanreize hinzuweisen, sind Branchenvertreter auf der Veranstaltung, die alljährlich die aktuellen technischen Entwicklungen und Trends der Solarthermie aufzeigt, hart mit sich selbst ins Gericht gegangen. "Die Branche muss endlich auch die zeitlosen Herausforderungen anpacken", forderte Jörg Mayer, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft BSW. Im Klartext: Die Kosten von Solarthermieanlagen müssen deutlich gesenkt werden.

Das sieht offenbar auch die Branche selbst so, gaben doch viele der 400 Symposiums-Teilnehmer, von Mayer nach den Gründen für den Markteinbruch um 10 Prozent im Jahr 2012 gefragt, als Hauptgrund gundsätzliche strukturelle Probleme der Technologie an. Als weitere Antwortmöglichkeiten hatte Mayer den langen Winter und die politische Verunsicherung im Markt zur Auswahl gestellt. Den Winter mochte kaum jemand verantwortlich machen. Die politische Verunsicherung im Markt aber immerhin etwa die Hälfte der Anwesenden. "Vielen Menschen ist der Unterschied zwischen Fotovoltaik und Solarthermie nicht klar. Die Senkung der Einspeisevergütung verunsichert sie. Die Fördermöglichkeiten für Solarthermie sind kaum bekannt", erläuterte Mayer die politische Verunsicherung.

Nicht, dass sich bei der Solarthermie in Sachen Kostensenkung nichts tut: "Bei den Kollektoren sind wir in diesem Punkt mindestens so gut wie die Fotovoltaikindustrie bei ihren Solarstrommodulen", machte Gerhard Stryi-Hipp in seinem Vortrag deutlich. Doch die Kollektorkosten machen eben nur einen Bruchteil der Gesamtkosten einer Solarthermieanlage aus. Entscheidend für den Endkunden sind die Gesamtsystemkosten – und die sind in den vergangenen Jahren vergleichsweise langsam gesunken. "Wir haben in den fetten Jahren versäumt, unsere Hausaufgaben zu machen. Die entscheidende Frage ist, wie senken wir die Installationskosten", sagte Robin Welling, Präsident der European Solar Thermal Industry Federation ESTIF.

Welch große Bedeutung bei den Kostensenkungsbemühungen den Installationskosten zukommt, machte auch Michael Nast vom Institut für Technische Thermodynamik des DLR in Stuttgart deutlich. Von den rund 3.600 Euro die eine typische Solarthermieanlage auf einem Einfamilienhaus in Österreich kostet, entfallen ihm zufolge 44 Prozent auf den Installateur. "Wir müssen Systeme anbieten, die möglichst wenig Installationsarbeit erfordern", bestätigte Carsten Kuhlmann von Viessmann, Leiter der Arbeitsgruppe Solar beim Bundesindustrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH), widersprach aber gleichzeitig der These, dass die Solarthermie allein an den Kosten scheitert. 

"Wir haben in den vergangenen Jahren eine falsche Konfliktlinie gesetzt, nämlich die zwischen Wärmepumpen und Solarthermie", so Kuhlmann. Tatsächlich müsse die Konfliktlinie aber zwischen Wärmepumpen mit und Wärmepumpen ohne Solarthermie verlaufen. "Wir müssen lernen, die konkurrierenden Wärmeerzeuger zu solarisieren, also Kombinationen aus Kraft-Wärme-Kopplung und Solarthermie oder Wärmepumpe und Solarthermie anbieten und erfolgreich platzieren." Gelinge dies nicht, werde die Solarthermie diese Marktsegmente verlieren.

Besonders die Kombination aus Wärmepumpe und Fotovoltaik entwickelt sich zu einer ernsthaften technologische Konkurrenz für die Solarthermie. Dabei schneidet die Kombination aus Wärmepumpe und Solarthermie in den veschiedensten Anlagenkonfigurationen in der Regel energetisch besser ab. Das zeigten in Bad Staffelstein zahlreiche Postervorträge zu Forschungsprojekten, in denen die verschiedenen Wärmeerzeugerkombinationen miteinander verglichen wurden. Beispielsweise hat das Institut für Wärmetechnik der Universität Graz Solarthermie-Wärmepumpen- und PV-Wärmepumpen-Kombianlagen technisch und ökonomisch miteinander verglichen. Ergebnis: Mit 4,64 erzielt die Kombination aus einer Sole-Wasser-Wärmepumpe und einer Solarthermieanlage die beste Energieeffizienz, die Kombination aus Luft-Wasser-Wärmepumpe und Fotovoltaik kommt lediglich auf eine Jahresarbeitszahl von 2,54. Wirtschaftlich dagegen schneiden die Kombinationen mit Solarthermie deutlich schlechter ab, als die mit einer Fotovoltaikanlage. Auch hier zeigt sich also deutlich der Bedarf, die Systemkosten zu senken.

"Die wissenschaftlichen Beiträge hier in Bad Staffelstein zeigen, dass die Forschung zunehmend die Gesamtsysteme im Auge hat", sieht Matthias Reitzenstein, Sprecher der Fachgruppe Solarthermie im BSW einen Lichtstrahl am Horizont. Und auch der fachliche Leiter des 23. Symposiums, Hans-Martin Henning vom Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme ISE, sieht trotz der aktuell schwierigen Marktlage auch Chancen für die Solarthermie. "Der derzeitige Gegenwind für Fotovoltaik und Windenergie könnte der Solarthermie zu einer höheren Sichtbarkeit verhelfen und sie stärker als nützliche Komponente bei der Energiewende herausstellen", sagte er im Pressegespräch am Rande des Symposiums. 

Ein besonders wichtiges Thema ist laut Henning dabei der Einsatz von solarthermischen Anlagen in der energetischen Gebäudesanierung und die Entwicklung architektonisch ansprechender Lösungen. Für all dies sei eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten – herstellenden Firmen, Systemanbietern, Planern und Architekten, Installateuren und nicht zuletzt Forschungseinrichtungen – notwendig. von Silke Thole

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