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Branche fordert von der EU Marktanreize

Recycling von Baustoffen könnte Energie sparen

17.07.2011, 00:33

In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union werden je Kopf der Bevölkerung jährlich zirka vier Tonnen Abfall erzeugt. Der größte Teil entsteht in Europa durch Bau- und Abriss. "Bei den mineralischen Bau- und Abbruchabfällen handelt es sich jedoch um Rohstoffe, aus denen sich bei sachgerechter Aufbereitung hochwertige Baustoffe gewinnen lassen", so Manfred Wierichs, Präsident der European Quality Association for Recycling (EQAR) auf einem Kongress seines Verbands.

Mit der Nutzung dieser Rohstoffreserven kann einer Verknappung bei den Primärbaustoffvorkommen entgegengewirkt werden. Schließlich fordert die Europäische Kommission, dass künftig großflächig ungestörte Landschaftsräume besser geschützt werden und nicht mehr durch Abbau von Primärrohstoffen zerstört werden. Auch im Europäischen Parlament wird eine drohende Ressourcenverknappung diskutiert, wobei insbesondere der Lifecycle-Gedanke im Bauwesen an Bedeutung gewinnen wird.

Die Teilnehmer des EQAR-Kongresses waren sich einig, dass das Baustoff-Recycling einen wesentlichen Beitrag zur Schonung mineralischer Ressourcen zu leisten vermag. Sofern zusammenhängende Landschaftsräume nicht zergliedert und zerstört werden sollen, verknappen sich mineralische Ressourcen zusehends. Somit leistet das Baustoff-Recycling einen wesentlichen Beitrag zum Landschafts- und Naturschutz. Einen weiteren Aspekt stellt die Abfallvermeidung durch das Baustoff-Recycling dar. Für den europaweit mit Abstand größten Abfallstrom der mineralischen Abfälle steht bereits mittelfristig kein ausreichender Deponieraum mehr zur Verfügung. Deshalb gibt es zur Abfallvermeidung durch Baustoff-Recycling keine Alternative.

Primärbaustoffe müssen häufig über sehr große Entfernungen zur Baustelle transportiert und mineralische Bauabfälle über weite Strecken zur Deponie gebracht werden. Mit dem Transport großer Massen über weite Entfernungen zumeist per LKW sind nicht nur häufig gravierende Verkehrsbelastungen verbunden, sondern werden auch große Mengen CO2 freigesetzt. Das Recycling von Baustoffen kann hingegen in örtlicher Nähe zu Rückbau- und Baumaßnahmen erfolgen, so dass die Massentransporte erheblich reduziert werden können.

Jo Leinen, Vorsitzender des Umweltausschusses des EU-Parlaments, unterstrich hierbei, dass Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft zu den vorrangigen Zielen der Europäischen Union zählen. Der Schlüssel zur Ressourceneffizienz seien die Wiederverwertung und das Recycling. Vor dem Hintergrund der Abfallmengen betonte Leinen die Bedeutung des Baustoff-Recyclings für die Erreichung der EU-Ziele. Auch die Vertreter der EU-Kommission betonten die Wichtigkeit des Baustoff-Recyclings für die Abfallvermeidung, die Ressourcenschonung und letztendlich für den Erhalt von Natur- und Landschafträumen in Europa.

Die EU-Kommission schätzt, dass bislang lediglich 50 Prozent der EU-weit jährlich anfallenden 300 bis 700 Millionen Tonnen mineralischer Bau- und Abbruchabfälle recycelt werden. Ziel der EU sei es, bis zum Jahr 2020 eine Recyclingquote von mindestens 70 Prozent bei Bau- und Abbruchabfälle zu erzielen. Wie die Vorträge aus verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten verdeutlichten, ist das Niveau der mineralischen Kreislaufwirtschaft in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich. Insgesamt bedarf es jedoch noch erheblicher Anstrengungen, um die Zielvorgabe der EG-Abfallrahmenrichtlinie zu erfüllen und mindestens 70 Prozent der mineralischen Abfälle zu recyceln. So liegt nach Erkenntnissen der EU-Kommission die Recycling-Quote von Bau- und Abbruchabfällen in einigen EU-Staaten derzeit noch unterhalb von 20 Prozent. Bis zum Jahr 2014 möchte die EU-Kommission europaweit evaluieren, in welchem Umfang die Waste Framework Directive umgesetzt wurde.

Ferner beleuchtete der EQAR-Kongress den Stand der europäischen Normung für Recycling-Baustoffe sowie die Verantwortung der Bauprodukteindustrie. Die EU-Kommission hat einen Rahmen für einheitliche Produktnormen, die die technischen Eigenschaften sowohl von Primär- als auch von Recycling-Baustoffen beschreiben, geschaffen. Außerdem werden derzeit EU- Standards für die Betrachtung umweltrelevanter Inhaltsstoffe erstellt. Aus dem Europäischen Normungsinstitut CEN wurde über zahlreiche Normungsaktivitäten zu Recycling-Baustoffen berichtet. Grundsätzlich stellen hochwertig nach Euronorm aufbereitete Recycling-Baustoffe Bauprodukte dar, die auch eine CE-Kennzeichnung erhalten können. Im Rahmen des Kongresses wurde diskutiert, dass der End-of-waste-Status für Recycling-Baustoffe europaweit einheitlich geregelt werden muss.

Zur Förderung des Baustoff-Recyclings und zur Erhöhung der Recyclingquote können aus Sicht der EU-Kommission Marktanreizsysteme wie zum Beispiel eine Deponiesteuer sinnvoll sein. Außerdem sieht die EU-Kommission die öffentlichen Auftraggeber in der Pflicht, Recycling-Baustoffe bei technischer Eignung und gegebener Umweltverträglichkeit bevorzugt zu verwenden. Aus Großbritannien wurde als positives Beispiel eines Marktanreizsystems berichtet, dass die Recyclingquote mit der Einführung einer Deponiesonderabgabe erheblich gesteigert werden konnte. Ein anderer Weg könnte die Einführung einer Naturschutzabgabe auf mineralische Rohstoffe sein. In besonderer Verpflichtung, Ressourcen durch die Bevorzugung von Recycling-Baustoffen zu schonen, sahen die Teilnehmer des Kongresses die öffentlichen Auftraggeber, da diese insbesondere bei Infrastrukturmaßnahmen Verwendung finden können.

Es wurde auch diskutiert, ob die EU-Kommission verbindliche Regelungen für die Verwendung von Recycling-Baustoffen bei öffentlichen Bauvorhaben schaffen sollte. Ohne Marktanreize und eine entsprechende Nachfrage öffentlicher Auftraggeber wird die in der EG-Abfallrahmenrichtlinie für das Jahr 2020 geforderte Recycling-Quote von mindestens 70 Prozent nicht erreichbar sein.

Quelle: Zentralverband des deutschen Baugewerbes / pgl

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