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Strom- und Wärmekonzept im Rosensteinviertel soll Beispiel geben

Plusenergiehaus B10 wird in Stuttgart erprobt

20.03.2014, 08:00

Auf dem 1. Symposium AktivhausPlus im Rahmen der Messe CEB in Stuttgart haben Experten unterschiedliche Wege zum Plusenergiestandard aufgezeigt – vom einzelnen Gebäude bis hin zur Planung ganzer Stadtviertel.

In der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, für die 1927 unter anderem Mies van der Rohe und Le Corbusier ihre Vision vom Wohnen der Zukunft entwarfen, soll ab Mai 2014 für zwei Jahre das B10 Platz finden – ein von Werner Sobek entworfenes, einstöckiges Gebäude, das laut Plan mittels Fotovoltaik 200 Prozent der Energie erzeugt, die es benötigt. Die überschüssige Energie soll nicht nur zwei Elektroautos, sondern auch das benachbarte Weißenhofmuseum mit grünem Strom versorgen.

Für das Plus in der Energiebilanz soll jedoch nicht allein die Fotovoltaikanlage sorgen, hinzu kommt ein ausgeklügeltes Konzept für den effizienten Energieeinsatz. So soll das Gebäude unter anderem durch vorausschauende Gebäudeautomation Energie einsparen. Ein intelligentes System lernt den Tagesrhythmus der Bewohner, und errechnet mit diesen Informationen und der lokalen Wettervorhersage, wann eine Beheizung nötig ist. Verlassen die Bewohner das Haus, stellt sich die Heizung ab. Futuristisches Highlight der Gebäudeautomation ist allerdings die Terrasse – auf Wunsch kann die nämlich nach oben geklappt werden und schirmt so das Hausinnere vor Blicken oder zu viel Sonneneinstrahlung ab.

Ob das B10 zukunftsweisend ist, wird sich im Lauf der nächsten zwei Jahre herausstellen, wenn das Gebäude bewohnt und der Energieverbrauch überwacht wird. Auf die Auswertung der Ergebnisse kann man durchaus gespannt sein. Im Berliner Effizienzhaus Plus, Vorzeigeprojekt des Bundesbauministeriums und ebenfalls geplant von Werner Sobek, gab es nach der Praxisphase Unstimmigkeiten in Bezug auf die Energiebilanz.

Auch die Erfahrungen des Heiztechnikunternehmens Buderus zeigen, dass zwischen berechnetem und tatsächlichem Verbrauch oft eine Lücke klafft. In dem mit Buderus-Bauteilen ausgestatteten Energie-Plus-Gebäude in Hückeswagen war der Stromverbrauch im Haushalt und für die Wärmepumpe höher als angenommen. Das konnte allerdings durch einen ebenfalls höher als angenommenen Ertrag der Fotovoltaikanlage ausgeglichen werden – unter dem Strich war die Jahresbilanz im Plus.

Nur wenige Kilometer südöstlich der Weißenhofsiedlung liegt der Stuttgarter Hauptbahnhof. Im Rahmen von Stuttgart 21 wird ein Teil der Gleisanlagen des Kopfbahnhofs rückgebaut, auf diesem Gelände soll ab 2014 das Rosensteinviertel entstehen. Mit Solarzellen und einem klimaschonenden Heizkonzept sollen 275 Wohneinheiten umweltfreundlich betrieben werden, außerdem werden den Bewohnerinnen und Bewohnern fünf Elektroautos zur Verfügung gestellt. 

Der Plusenergiestandard sei aber nicht zu erreichen, stellt Helmut Seiwald von der EGS-plan Ingenieurgesellschaft klar. Ziel sei es vielmehr, die fünf Elektroautos, die Heizzentrale und den Allgemeinstrom – etwa für Treppenhäuser und Außenbeleuchtung – komplett mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Dazu werden auf den Dachflächen, die nicht begrünt werden, PV-Anlagen aufgestellt. Geplant sind 148 kWp Leistung. Die Gebäude selbst sind im KfW-55-Standard geplant. Die Hälfte der Wärmeenergie soll von einer Kombination aus Solarabsorbern, Wärmepumpe und Eisspeicher kommen. Diese Kombination sorgt aber nicht nur für die Wärmeversorgung im Winter, sondern auch für die Kühlung im Sommer. Dazu sollen auf einer Fläche von insgesamt rund 420 Quadratmetern Solarabsorber aufgestellt werden. Für die benötigte Restenergie sorgen ein Blockheizkraftwerk mit 91 kW thermischer und 50 kW elektrischer Leistung sowie ein Gaskessel. Auch ein Batteriespeicher ist geplant. von Franziska Ludwig

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