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Zweischaliges Mauerwerk ist in Norddeutschland weit verbreitet

Kerndämmstoff Nanogel erhält Bauzulassung

10.11.2010, 10:28

Nanogel Granulat
Bei Nanogel beträgt die Korngröße zwischen 0 und 2 Millimetern. Bild: IpeG

Bislang war bei Kerndämmstoffen mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung bei einer Wärmeleitzahl von 027 Schluss. Nun hat mit Nanogel ein Kerndämmstoff mit einer Wärmeleitzahl von 021 die Zulassung erhalten. Die Zulassungsnummer lautet Z-23.12-1815. Nanogel ist eine Aerogel mit sehr kleinen Strukturen. Laut Arnold Drewer, Dämmstoff-Experte vom Institut für preisoptimierte energetische Gebäudesanierung IpeG in Paderborn ist der Dämmstoff zwar sehr teuer, der Einsatz bei Hohlschichten zwischen zwei und vier Zentimetern aber durchaus wirtschaftlich.

Exkurs: Wärmeleitzahl und U-Wert

Die Wärmeleitzahl Lambda beschreibt die Wärmemenge in Watt, die in einer Stunde durch eine ein Meter dicke Schicht des Stoffes hindurchgeht, wenn sich die Temperaturen der Oberflächen auf beiden Seiten um ein Grad Kelvin unterscheiden. Demgegenüber beschreibt der U-Wert die Wärmemenge, die durch einen Quadratmeter Wand oder Dämmstoff hindurch geht unabhängig davon, wie dick die Wand beziehungsweise der Dämmstoff ist. Mit zunehmender Dämmstoffdicke sinkt in der Regel der U-Wert. Für beide Kennzahlen gilt: Je geringer der Wert, desto größer die Dämmwirkung. Zur leichteren Kennzeichnung werden Dämmstoffe in Wärmeleitgruppen (WLG) eingeteilt. Die WLG ist also ein Qualitätsmerkmal für das Wärmedämm-Vermögen eines Baustoffes. Bei Dämmstoffen der WLG 040 beträgt die Wärmeleitzahl 0,040 W/mK.

In Deutschland gibt es etwa eine Million Gebäude mit einem sogenannten zweischaligen Mauerwerk, vor allem im norddeutschen Raum, schätzt Drewer. Bereits seit den 1950er Jahren werden solche Gebäude mit diversen Kerndämmprodukten nachträglich gedämmt. Dabei haben die Besitzer die Wahl zwischen faserigen Produkten wie Steinwolle mit einer Wärmeleitzahl von 040, Schäumen wie PUR-Ortschaum (WLZ 027) und körnigen, rieselfähigen Produkten wie Perliten (045 oder 040), Polystyrol (034 oder 033) oder Nanogel (021).

"Faserförmige Kerndämmstoffe und Schäume bleiben an den Speisnasen hängen, die in der Regel in den Hohlräumen in großer Zahl vorhanden sind. Daher brauchen sie viele Löcher, um die Dämmung in den Hohlraum zu bringen", erläutert Drewer. Pro 1,5 Quadratmeter Fläche müsse man hier mit einem Loch rechnen. Rieselfähige Produkte dagegen können von oben in den Hohlraum gefüllt werden. Drewers Erfahrung nach reichen daher für ein Einfamilienhaus 35 bis 40 Löcher. Perlite und Polystyrol weisen mit bis zu 6 Millimetern relativ große Körner auf, bei Nanogel und SLS20 (WLZ 034) beträgt die Korngröße zwischen 0 und 2 Millimetern. "Das hat den Vorteil, dass sie überall hereinrieseln, aber auch den Nachteil, dass sie durch eventuell vorhandene Schlitze und Öffnungen in den Wohnraum gelangen", so der Experte.

Solche Schlitze und Öffnungen gibt es nahezu immer, weiß Drewer, sei es nun an Steckdosen oder Wandanschlüssen von tragenden Balken. Daher hält es der Dämmungsfachmann auch für Schönfärberei, dass bei der U-Wert-Bestimmung von Wänden mit zweischaligem Mauerwerk meist davon ausgegangen wird, dass die Luft im Hohlraum steht und somit ebenfalls eine gewisse Dämmwirkung hat. "Meist ist die Luft in Bewegung und die Dämmwirkung somit nahezu Null", so Drewer.

Kosten die übrigen Kerndämmstoffe zwischen 100 und 150 Euro pro Kubikmeter, kommt Nanogel mit 1.500 Euro locker auf das zehnfache. Dennoch gibt es Drewer zufolge Fälle, in denen sich der Einsatz wirtschaftlich rechnet. Aus seiner Sicht sollten Bauherren die Wirtschaftlichkeit von Nanogel prüfen, wenn die Hohlschichtstärke weniger als fünf Zentimeter beträgt.

"Rechnet man hier die durch den besseren U-Wert erzielten Energieeinsparungen über 30 Jahre gegen die Mehrkosten, kann das durchaus für den teureren Dämmstoff sprechen", sagt Drewer und macht im Gespräch mit EnBauSa.de eine Beispielrechnung auf.

Danach beträgt der berechnete U-Wert einer Wand, die aus einer Schicht Ziegel, einem 4 Zentimeter starken Hohlraum mit stehender Luft und einer weiteren Ziegelschicht besteht, 1,3 W/m2K. Wird der Hohlraum mit Steinwolle gefüllt, sinkt der U-Wert auf 0,62 W/m2K, verfüllt man ihn statt dessen mit Polystyrol wird eine weitere Verbesserung auf 0,56 W/m2K erreicht. Verfüllt mit Nanogel schließlich beträgt der U-Wert noch 0,39 W/m2K. 

"Nehmen Sie Nanogel statt Polystyrol bedeutet das im ersten Jahr eine Energieeinsparung von 1 Euro pro Quadratmeter Wandfläche, bei einer angenommenen moderaten Energiepreissteigerung von drei Prozent pro Jahr summieren sich die Einsparungen über 30 Jahre auf 47,56 Euro pro Quadratmeter", rechnet Drewer vor.

WLZ des Materials

Hohlschichtstärke

045

10,3 Zentimeter

040

9,2 Zentimeter

034

7,8 Zentimeter

033

7,6 Zentimeter

027

6,2 Zentimeter

021

4,8 Zentimeter

"Bei einer Hohlraumstärke zwischen 4,8 und 6,2 Zentimetern wird also nur eine Nanogel-Kerndämmung gefördert", so Drewer.

Allerdings ist das Produkt vergleichsweise neu auf dem Markt. Einziger Hersteller ist die Cabot Corporation. In Deutschand gibt es derzeit sechs bis acht Unternehmen, die sich mit der Verarbeitung auskennen, zudem sechs realisierte Objekte. Das dürfte sich jedoch in Zukunft ändern, denn durch die nun erfolgte allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erhalten Planer und ausführende Unternehmen Rechtssicherheit.

Von unserer Redakteurin Silke Thole

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