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Rockwool kündigt innovativen Dämmstoff an

Dämmstoffhersteller kämpfen um die geringste Dicke

02.06.2010, 10:00

Aerowolle-Dämmplatte
Der neue Dämmstoff Aerowolle verbindet feinpulvriges Aerogel und Steinwolle. Bild: Rockwool

Seit Jahren hat sich auf dem Markt für Dämmstoffe nicht viel getan, Mineralwolle, Polystyrol-Extruderschaumstoffe, kurz XPS, Styropor und Polyurethan-Hartschaumstoffe dominieren. Doch nun kommt Bewegung in den Dämmstoffmarkt – vor allem bei den Produkten für die Dämmung von Fassaden. Vor wenigen Wochen erst hat Weber-Maxit innovative Vakuum-Isolationspaneele vorgestellt. Nun kündigt Rockwool für die zweite Jahreshälfte Produkte aus Aerowolle an, einem neu entwickelten Dämmstoff mit einer extrem niedrigen Wärmeleitfähigkeit.

Roland Gellert, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Wärmeschutz München spricht von einer Milliwatt-Ralley. "Zwischen den Herstellern ist ein Kampf um die geringste Wärmeleitfähigkeit beziehungsweise die geringste Dicke der Dämmprodukte entbrannt", erläutert er. Hintergrund ist der lukrative Sanierungsmarkt.

Gellert zufolge beträgt die Wärmeleitfähigkeit der heute üblichen Dämmstoffe 30 bis 40 mW/(mK). "Das nächste Innovationsziel liegt bei etwa 18 mW/(mK)", sagt er. Erreichbar wäre dieses durch nanozelluläre Strukturen. "Ist die Zellgröße kleiner als die freie Weglänge der Luft, kann die Wärmeenergie nicht weitergegeben werden", stellt Gellert den Grund dafür anschaulich dar. Das ist auch der Trick beim Aerogel, einem Stoff, in den die Industrie große Erwartungen setzt.


Aerogel und Steinwolle finden zusammen

Im Guinnessbuch der Rekorde ist Aerogel als bester Isolator und leichtester Feststoff verzeichnet. Der Stoff besteht aus einem verzweigten, offenporigen Netzwerk winziger Strukturen. Allerdings ist Aerogel sehr porös und liegt daher meist in pulvriger Form vor. Hier liegt das Problem, das Rockwool nun gelöst haben will. "Es ist uns gelungen, ein Produktionsverfahren zu entwickeln, das Aerogel und Steinwolle miteinander verbindet", erklärt Marketing-Manager Frank Weigelt im Gespräch mit EnBauSa. Die Steinwolle binde das Aerogel in eine Struktur ein. "Das Ergebnis sind Dämmstoff-Platten, die über eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit verfügen und sich dennoch leicht verarbeiten lassen. Wie Steinwolle können sie vor Ort zugeschnitten und angepasst werden", so Weigelt. Doch mit 19 mW/(mK) ist die Wärmeleitfähigkeit deutlich geringer als die der Rockwool-Steinwolle, die laut Weigelt mit 33 mW/(mK) ausgereizt ist.

Wie schlank die Konstruktionsaufbauten mit dem neuen Dämmstoff Aerowolle letztlich sein werden und zu welchem Preis das revolutionäre Material zu haben sein wird, hängt dem Rockwool-Sprecher zufolge von der jeweiligen konkreten Anwendung ab. "Derzeit sind wir noch auf der Materialebene, aber bereits in der zweiten Jahreshälfte 2010 werden konkrete Produkte herauskommen."

Mit diesen tritt Rockwool dann in Konkurrenz zu anderen Dämmstoff-Innovationen wie den neuen Vakuumisolationspaneelen (VIP) von Weber-Maxit. Auch Vakuumisolationspaneele arbeiten mit Aerogelen. Diese werden darin eingeschweißt und durch das Vakuum dicht zusammengepresst und in Form gehalten. "Die Wärmeleitfähigkeiten der Paneele liegen zwischen acht und elf mW/(mK)", berichtet Dämmstoff-Experte Gellert.

Damit liegen sie zwar etwas besser als der neue Rockwool-Dämmstoff, der große Nachteil ist jedoch die schwierige Verarbeitung. Die Paneele sind anfällig für Beschädigungen und können auf der Baustelle nicht zugeschnitten werden. Gerade im Sanierungsbereich läßt sich meist mit genormten Plattengrößen nicht viel anfangen. "Der Trend geht daher zur genauen Vermessung der Fassaden mittels Computertechnik und Produktion nach Maß", weiß Gellert. Doch das ist teuer.

Weber-Maxit hat das Verarbeitungsproblem adressiert, indem die Vakuum-Isolationspaneele (VIP) in EPS-Platten integriert wurden. Dadurch sind die Paneele wirkungsvoll vor Beschädigungen auf der Baustelle geschützt. Zudem können die Dämmplatten mit dem Produktnamen Weber.therm LockPlate in den Randbereichen geschnitten und auch verdübelt werden, ohne dass der Vakuum-Kern beschädigt wird.

Neben dem Streben nach immer geringeren Wärmeleitfähigkeiten sieht Gellert zwei weitere Trends im Dämmstoffmarkt. Zum einen den zur Verbesserung der Gesamtsysteme aus Befestigung und Armierung der Dämmstoffe sowie der Deckschicht. Ein Beispiel hierfür sind spezielle Lamellensysteme, die bei Steinwolle-Dämmplatten dafür sorgen, dass der Putz besser hält. Zum anderen den, dass Hersteller und Anwender mehr auf die Inhaltsstoffe der Dämmstoffe schauen. "Ökolabel für Dämmstoffe sind ein großes Thema", so Gellert.

Knauf Insulation etwa bietet seit einem Jahr Glaswolle-Dämmstoffe mit Ecose-Technologie an. Ecose ist nach Angaben des Herstellers ein Bindemittel, das frei von Formaldehyd, Phenol oder Acryl und ohne künstliche Farben, Bleich- oder Färbemittel ist. "Derzeit wird das Prüfverfahren zur Bewertung von Emissionen europaweit genormt", nennt Gellert ein weiteres Indiz für die steigende Bedeutung der Inhaltsstoffe von Dämmstoffen. Dabei geht es nicht nur um Ausdünstungen, bei Perimeter-Dämmungen werden auch Auswaschtests vorgenommen. Gellert: "Insgesamt lässt sich beobachten, dass Dämmsysteme verstärkt ganzheitlich betrachtet werden: Von der physikalischen Leistungsfähigkeit bis hin zu ihren Auswirkungen auf die Umwelt." sth

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