Experten kritisieren übertriebene Dämmmaßnahmen
Ludwigshafen. "Es herrscht mittlerweile eine regelrechte U-Wert-Geilheit", stellt Professor Andreas Löffler fest, Dekan der Fakultät Architektur und Gestaltung an der Hochschule für Technik Stuttgart. Er hält viele Dämmmaßnahmen an Gebäuden für übertrieben. Auf einem Symposium zum Thema "Altbauten in der Klimafalle?" kritisierte Löffler vor allem die ständig wachsenden Anforderungen durch neue Versionen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Er gab damit den allgemeinen Tenor der Veranstaltung wieder, die von den rheinland-pfälzischen Ministerien für Bildung und Wissenschaft, Umwelt sowie Finanzen organisiert wurde.
Das Symposium beschäftigte sich vor allem mit dem Problem, Denkmalschutz und energieeffiziente Maßnahmen miteinander in Einklang zu bringen. Doch die aufgeworfenen Fragen gingen über diesen Bereich hinaus. So kritisierten viele Teilnehmer, dass generell bei der Sanierung von Altbauten die architektonischen Aspekte zugunsten der Energieoptimierung vernachlässigt würden. "Handwerker klatschen die Häuser oft einfach nur mit Dämmmaterialien zu", so ein Symposiumsteilnehmer.
Beim Dämmen müsse man mit Maß vorgehen, meint dagegen Löffler. "Der U-Wert hat Grenzen", so der Experte. "Die ersten acht Zentimeter bringen zwar viel. Aber 16 Zentimeter bedeuten dann nicht, dass der U-Wert doppelt so gut ist." Denn der Verlauf des U-Werts sei nicht linear. Eine extreme Dämmung könne sogar schädlich sein. "Seit Einführung der EnEV 2009 ist der Schimmelpilzbefall deutlich angestiegen. Ich glaube nicht, dass das Zufall ist", sagte Löffler auf der Veranstaltung in Ludwigshafen. Er hält viele Anforderungen, die in der EnEV 2009 festgeschrieben sind, für überzogen. Zudem werden die Regelungen seiner Meinung nach zu schnell geändert. "Alle drei Jahre gibt es eine neue Verordnung. Kein Architekt kann mit dieser galoppierenden Entwicklung Schritt halten."
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