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Eigenverbrauch macht Kombi Wärmepumpe / PV interessant

Solarthermie erhält ernsthafte Konkurrenz

27.05.2011, 15:06

Anlage für Solarwärme auf Einfamilienhaus
Solarthermiekollektoren könnten durch PV-Module von den Dächern verdrängt werden. © Bomatherm

Wer den Strom aus seiner Fotovoltaikanlage selbst verbraucht, erhält dafür mehr Geld als für die Einspeisung ins Netz. Das macht die Kombination von Fotovoltaikanlage und Wärmepumpe interessant. Die Idee: Der selbst erzeugte Strom wird für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt und so der Eigenverbrauch deutlich erhöht. Wer jedoch glaubt, er könne mit dem Strom vom Dach sein Haus heizen, liegt falsch. "Je nach Anlagenkonfiguration und Größe des Pufferspeichers können im Heizbetrieb maximal knapp fünf Prozent des Strombedarfs der Wärmepumpe durch die Fotovoltaikanlage auf dem Dach gedeckt werden", berichtet Carsten Kuhlmann, Manager bei Viessmann und Leiter der Arbeitsgruppe Solar des Bundesverbandes Deutschland für Haus, Energie- und Umwelttechnik (BDH). Neben Viessmann habe auch Schüco entsprechende Untersuchungen gemacht und sei auf ähnliche, eher noch niedrigere Werte gekommen. "Ohne Speicher bekommt man auch die fünf Prozent nicht hin", ergänzt Kuhlmann.

Während die Fotovoltaikanlage vor allem im Sommer Strom produziert, liegt der Bedarf der Wärmepumpe im Winter. Ähnlich wie bei der Solarthermie überschneiden sich Angebot und Nachfrage im Heizbetrieb daher nur geringfügig. Anders ist es, wenn die Wärmepumpe für die Trinkwassererwärmung herangezogen wird. "Bei der Trinkwassererwärmung kann man 50 Prozent Anteil PV-Strom schaffen", sagt Kuhlmann. Dann allerdings sollte die Wärmepumpe klein sein und langsam den Speicher aufheizen, so dass sie möglichst lange läuft und so gute Leistungszahlen erreicht. Eine solche Kombination stellt auf der Intersolar 2011 Centrosolar vor. Eine Warmwasser-Wärmepumpe nutzt die in der Umgebungsluft vorhandene Abwärme als Energiequelle für die zentrale Warmwasser-Bereitung bis 60 Grad. Das Gerät arbeitet mit zirka drei Viertel Umweltenergie und etwa einem Viertel Solarstrom, der für den Betrieb der Warmwasser-Wärmepumpe benötigt wird. Ziel ist die Erhöhung des Eigenverbrauchs. Zur Entwicklung der Eigenverbrauchslösung hat Centrosolar eine Kooperation mit dem Wärmepumpenhersteller Glen Dimplex geschlossen.

"Im Trinkwasserbereich ist die Kombination Fotovoltaik Solarthermie eine echte Gefahr für die Solarthermie. Das merken wir schon", räumt Kuhlmann ein. Allerdings rechne sich diese Kombination vor allem aufgrund der höheren Förderung des Eigenverbrauchs. Während der Hausbesitzer bei der Warmwasserbereitung mittels einer Solarthermieanlage unter dem Strich lediglich Brennstoffkosten spart, kommt bei der PV-Wärmepumpenlösung zu den Ersparnissen noch der Bonus für selbst genutzten Solarstrom hinzu. "Dass die Kombination zur Konkurrenz für die Solarthermie geworden ist, ist eine Fehlentwicklung aufgrund der derzeitigen Förderpolitik", sagt dazu Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW). Eine wirkliche Berechtigung habe die Technik erst, wenn sie ohne den Eigenverbrauchsbonus wirtschaftlich ist. "Das sehe ich nicht", so Körnig.

Das sieht Karl-Heinz Stawiarski, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP) naturgemäß anders. "Wenn man die Wärmepumpe mit einer weiteren erneuerbaren Energiequelle kombinieren will, dann sollte man die Fotovoltaik der Solarthermie vorziehen", sagt er im Gespräch mit EnBauSa.de und weist darauf hin, das er die Gesamtheit sehe und zukunftsgerichtet denke. "Die Wärmepumpe ist das einzige System, das saubere Energie in den Wärmemarkt bringen kann. Die Solarthermie ist heute noch immer von einem weiteren Wärmeerzeuger abhängig, der in der Regel fossile Energie nutzt. Das heißt 80 bis 85 Prozent des Energieverbrauchs bleiben fossil." Ziel müsse es sein, die Stromgestehung sauber zu machen und dazu könnten Fotovoltaikanlagen auf den Dächern einen großen Beitrag leisten. Dies zumal dann, wenn die Wärmepumpe mit einem Speicher kombiniert wird, in den in sonnenintensiven Zeiten mit Solarstrom erzeugte Wärmeenergie eingelagert werden kann. 80 Prozent der 400.000 Wärmepumpen im Markt seien mit einem solchen Speicher ausgestattet. "Anlagen, die heute verkauft werden, könnte man ebenfalls wieder damit ausstatten, auch wenn das technisch nicht mehr nötig ist", so Stawiarski. Eingebunden in ein Smart Grid könnten dieses Systeme dazu beitragen, Solarstrom zu speichern und das Netz zu entlasten.

Die Kombination von Wärmepumpe und Solarthermie macht aus Sicht von Stawiarski dagegen weniger Sinn, weil die beiden Technologien einander entgegenwirken. "Die Wärmepumpe läuft nur, wenn die Solarthermie keinen Ertrag bringt. Im Sommer würde sie abgeschaltet. Das verschlechtert die Jahresarbeitszahl", so der BWP-Geschäftsführer. Das wiederum rufe die Wärmepumpenkritiker auf den Plan, die sich in ihrer Annahme bestätigt sehen würden, dass Wärmepumpen ineffizient sind. Dass das Gesamtsystem aus Wärmepumpe und Solarthermieanlage übers Jahr hinweg gesehen durchaus effizient und wirtschaftlich arbeiten kann, spielt für Stawiarski eine untergeordnete Rolle. "Die Leute denken nicht in Bilanzen", sagt er, räumt aber ein, dass es durchaus Fälle gibt, in denen es sinnvoll ist, Wärmepumpe und Solarthermieanlage zu kombinieren.

von unserer Redakteurin Silke Thole

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