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Sprunghafter Nachfrageanstieg hat die Branche überrascht

Kaum noch PV-Module und Wechselrichter zu haben

22.10.2009, 08:03

Wechselrichter des Solardachs auf dem SMA-Standort Niestetal.
Wechselrichter sind kaum noch zu bekommen. Bild: SMA

Zwar ist es für die Solarstrombranche nichts Neues, dass die Nachfrage zum Jahresende anzieht, aber 2009 ist die Jahresendrally bei Fotovoltaik-Modulen und Wechselrichtern besonders ausgeprägt. Und sie begann deutlich früher als 2008. Inzwischen sind kaum noch Module zu haben. Der Installateur, der doch noch welche ergattert, steht als nächstes vor dem Problem, an Wechselrichter heranzukommen. Die waren dieses Mal schon vor den Modulen knapp.

"Die Nachfrage ist buchstäblich explodiert. In dieser Form war der sprunghafte Anstieg für uns nicht absehbar", berichtet Sandra Christiansen, Sprecherin von Wagner und Co. Solartechnik. "Bei Wagner kommen Neubestellungen auf eine Warteliste und werden nach Eingang abgearbeitet", berichtet Rolf Schmidt von der Tübinger Installationsfirma Suntech. Auch anderswo sei es äußerst schwierig, an Fotovoltaikmodule und Wechselrichter zu kommen. Und wenn noch etwas zu haben sei, dann zu deutlich erhöhten Preisen. "Die Einkaufspreise nähern sich den Endkundenpreisen an", so Schmidt, dessen Leute derzeit nahezu pausenlos auf Dächern in und um Tübingen herum im Einsatz sind.

Sowohl Schmidt als auch Christiansen empfehlen Hausbesitzern, die derzeit eine Fotovoltaikanlage auf ihrem Dach planen, sich auf 2010 zu konzentrieren. "Wir empfehlen, jetzt Beratungstermine zu vereinbaren, damit 2010 frühzeitig installiert und so möglichst lange von der Einspeisevergütung für 2010 profitiert werden kann", sagt Christiansen. In den milden Wintern hierzulande sei auch eine Montage im Januar oder Februar denkbar. Allerdings sollten die Interessenten frühzeitig einen Installationsbetrieb buchen. Und bei den Beratungsterminen Geduld aufbringen. Da die Handwerker derzeit stark ausgelastet sind, seien kurzfristige Termine eher die Ausnahme. 

Die empfohlene Strategie dürfte jedoch den meisten Bauwilligen nicht gefallen. Viele befürchten, dass die neue Regierung noch in diesem Jahr das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ändert und damit die Einspeisevergütung ab Januar 2010 noch stärker sinkt als bisher vorgesehen. Experten sehen das jedoch kritisch Die Zeit dürfte kaum ausreichen, ein Änderung bereits ab Januar umzusetzen.

Das bestehende EEG sieht vor, dass je nach bis zum 30.09.2009 neu installierter Leistung von Fotovoltaikanlagen die Vergütung um acht Prozent plus minus eins gesenkt wird. Konkret heißt das: Waren zu diesem Stichtag mehr als 1.500 Megawatt Fotovoltaikanlagen bei der Bundesnetzagentur gemeldet, erhöht sich die Degression von acht auf neun Prozent, waren es weniger als 1.000 Megawatt sinkt sie auf sieben Prozent. Derzeit sitzt die Bundesnetzagentur an der Auswertung der Zahlen, die dann am 30. Oktober im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Die meisten Hersteller haben bereits angekündigt, die Preise ab Januar um etwa zehn Prozent zu senken, so dass sich die Rendite von Fotovoltaikanlagen kaum ändert.

Wagner-Sprecherin Christiansen mag den sprunghaften Nachfrageanstieg ohnehin nicht allein auf die politische Situation zurückführen. "Das hat schon vor der Wahl angefangen", sagt sie. Günter Haug, Chef des Tübinger Fotovoltaik-Systemhauses MHH Solartechnik stimmt zu: "Manch ein Kunde hat im ersten Halbjahr 2009 trotz der bereits deutlichen Preissenkungen auf noch günstigere Preise gewartet und damit die Nachfrage auf zu niedrigem Niveau gehalten. Die Modulhersteller haben dann spätestens Ende des ersten Halbjahres die Produktion gedrosselt", beschreibt er die Entwicklung der derzeitigen Situation.

Ab Mitte August hätten sich dann immer mehr Endkunden für Fotovoltaik-Anlagen entschieden. Die Lagerbestände bei den Herstellern wurden abgebaut. Die immer noch steigende Nachfrage habe nun die Hersteller dazu bewegt, die Produktionen wieder auf Volllast hochzufahren. Jedoch sei die Nachfrage so hoch, dass die Produktionsmengen der Hersteller nicht mehr ausreichen, um die gesamte Nachfrage zu bedienen. MHH Solartechnik beispielsweise bedient Haug zufolge derzeit nur noch langjährige Vertragskunden.

Neu im Vergleich zum Vorjahr ist der Engpass bei Wechselrichtern. Wer noch Module ergattert, könnte beim Anlagenaufbau daran scheitern. "Aufgrund der innerhalb von nur wenigen Wochen extrem angestiegenen Nachfrage nach unseren Solar-Wechselrichtern kommt es bei einigen Typen unserer Produktpalette aktuell zu Lieferzeitenverlängerungen bis Anfang 2010", teilt Hersteller SMA Solar Technology mit. Hintergrund seien Engpässe bei einigen Zulieferern.

Offenbar ist die Not inzwischen so groß, dass einige Fotovoltaik-Fans auch vor kriminellen Aktivitäten nicht zurückschrecken: Anfang Oktober haben unbekannte Diebe drei Wechselrichter von einer Scheune in Gaildorf-Reippersberg im Landkreis Schwäbisch-Hall gestohlen. Laut Polizei haben die Wechselrichter einen Wert von 10.000 Euro. Hinzu kommt die verlorene Einspeisevergütung, dürfte die Anlage nun doch für einige Wochen keinen Strom produzieren. Es sei denn, es finden sich auf wundersame Weise zügig drei Ersatzgeräte. sth

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