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Experte: Es mangelt an der Gewerke-übergreifenden Planung

Smart Home eines der Topthemen auf der ISH 2013

05.03.2013, 09:15

Messebesucher vor Modellabbildung
Die intelligente Heimvernetzung kommt nicht recht vom Fleck. © Grund-Ludwig

Als Schlüssel zu mehr Energieeffizienz im Gebäudebetrieb nimmt die Gebäudeautomation auf der ISH 2013 breiten Raum ein. Zahlreiche Anbieter zeigen bewährte und neue Lösungen. So präsentiert etwa das Innovationszentrum Connected Living seine integrierte Systemlösung Connected Living Innovation Component Kit CLICK der breiten Öffentlichkeit. Dahinter verbirgt sich ein Baukasten für unterschiedliche Heimvernetzungsszenarien. In der Praxis lässt der Durchbruch der intelligenten Heimvernetzung derweil weiter auf sich warten. Als Gründe dafür werden allenthalben fehlende Standards und zu hohe Kosten angeführt. Günter Ohland, erster Vorsitzender des Bundesverbandes SmartHome Deutschland, widerspricht.

"Es gibt bei Smart Homes kein Preisproblem. Wenn man richtig plant und die richtige Technik wählt, ist ein intelligentes Haus nicht teurer als ein dummes", sagt der Smart Home-Experte. Richtig planen könne allerdings nur, wer Gewerke-übergreifend denkt und daran fehle es hierzulande. "Wenn die intelligenten Funktionen für jedes Gewerk einzeln geplant und umgesetzt werden, dann wird das Smart Home unter dem Strich natürlich sehr teuer", so Ohland.

Nach wie vor fühle sich keine Handwerksbranche wirklich zuständig für das Thema, beklagt er und bemängelt neben dem fehlenden inderdisziplinären Ansatz, dass sich viele Handwerker nicht weiterentwickeln. So schlagen Elektroinstallateure, gefragt nach intelligenter Hausvernetzung, in der Regel ein KNX-System vor. Mit dem weltweiten Standard KNX lassen sich alle Anwendungen im Bereich Haus- und Gebäudesystemtechnik verbinden. Schätzungen der Organisation BSRIA (Building Services Research and Information Association) zufolge betrug der Marktanteil KNX-basierter Lösungen in Europa 2011 über 70 Prozent. Doch die sind nicht immer die billigsten, weiß Ohland. "Mit KNX ausgerüstet, wird ein Haus schnell mal 6.000 bis 8.000 Euro teurer."

Inzwischen gibt es zahlreiche andere Systeme und Kommunikationsstandards, die auf einer Verkabelung, der Funkübertragung oder die Übertragung über Stromleitungen aufsetzen, etwa Powerline, Enocean, ZigBee, ZWave, LON oder Modbus. "Es kommt auf die richtige, an den jeweiligen Anwendungsfall angepasste Zusammenstellung an", sagt der SmartHome Deutschland-Vorsitzende. Wenn es selbst sich nicht mit kostengünstigeren Lösungen beschäftige, dürfe sich das Handwerk nicht wundern, wenn vermehrt der Elektro- und Unterhaltungsgerätehandel mit einfach zu installierenden Teillösungen beim Kunden punkten.

Beispiele für solche Lösungen sind einzelne programmierbare Heizkörperthermostate oder in sich geschlossene Teillösungen wie die Smart Home-Produkte des Energieriesen RWE. Angepriesen als energiesparende, "benutzerfreundliche Hausautomatisierung für jeden Haushalt, schnell und einfach selbst zu installieren und zu erweitern ohne die Hilfe vom Fachmann und ohne aufwändige Verkabelung" treffen diese Systeme auf wachsendes Interesse.

Vielen Anwendern sei nicht klar, dass die Steuerung des Thermostats nicht mit einer intelligenten Heizungssteuerung gleichzusetzen ist, berichtet Severin Beucker vom Borderstep Institut. Er leitet am Innovationszentrum Connected Living die Arbeitsgruppe Connected Energy. Die Thermostatventile haben keine direkte Verbindung zur Heizung im Keller. Beim Runterdrehen durch einen automatischen Stellantrieb wird lediglich der Volumenstrom im Heizkörper gedrosselt. Die Heizung reagiert darauf erst mit einiger Zeitverzögerung, es bleiben also Einsparpotenziale ungenutzt. 10 Prozent Heizenergie kann man so vielleicht einsparen. Durch die adaptive Steuerung der Heizungsanlage im Keller dagegen seien es bis zu 30 Prozent, so Beucker.

Das zeigt sich auch bei einem Projekt in Weißenfels an der Saale. Dort wird im Rahmen des Connected-Living-Projektes SHAPE seit Mai 2012 ein dezentrales Energiemanagementsystem erprobt, das auf dem System RIEcon von Riedel Automatisierungstechnik basiert. Neben der Optimierung der Heizenergienutzung werden über das in die Home Service Plattform von Connected Living integrierte System in den Wohnungen Energieverbräuche dargestellt und Tarifinformationen verbreitet. Über den Wohnungsmanager auf der Plattform können die Mieter für jeden Raum ganz genau definieren, wann welcher Raum wie warm sein soll. Diese Informationen gehen direkt an die Heizzentrale des Gebäudes, so dass zu jedem Zeitpunkt die Temperatur vorgehalten werden kann, die nötig ist, um sämtliche Temperaturwünsche zu erfüllen. Auf diese Weise wird die Heizungsanlage immer am energetischen Optimum gefahren. "Das adaptive System vermeidet das klassische Überheizen", konstatiert Beucker.

Einen Mangel an Standards läßt Smart Home-Experte Ohland ebenfalls nicht als Hemmschuh für die Verbreitung von Smart Home-Technologien gelten: "Für Weiterentwicklung und Innovation brauchen wir viele konkurrierende Systeme, die mit unterschiedlichen Standards arbeiten. Insofern ist an der jetzigen Situation nichts auszusetzen." Allerdings müssten die Systeme interoperabel sein, das heißt, das KNX-System muss auch mit dem Gerät, das mit dem LON-Standard oder mit Enocean arbeitet, kommunizieren können. Alle Informationen müssen auf einer zentralen Plattform zusammenfließen und von dort gesteuert werden können. Diese Mittlerfunktion bei der Vernetzung nicht nur der Gebäudetechnik sondern auch von Hausgeräten und Multimedia sollen Plattformen übernehmen, wie sie etwa die EEBus-Initiative oder Connected Living entwickeln.

Von Silke Thole

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