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"Lüftungsampel" springt bei dicker Luft auf rot

Lüftung ist für viele Schulen nach wie vor kein Thema

12.02.2010, 05:45

Passivhaus-Schule in Nürnberg
Bei Schulen in Passivhaus-Bauweise sind Lüftungsanlagen Standard. © Stadt Nürnberg

Bei der energetischen Sanierung von Schulen kommt das Thema Lüftung oft zu kurz. Dabei sind sich Experten einig, dass bei gut gedämmten Neubauten oder energetisch sanierten Gebäuden ein passendes Lüftungskonzept notwendig ist. Nur so können gute Luftqualität und eine geringe CO2-Konzentration in der Raumluft gewährleistet werden – und die sind wichtig für die Konzentrationsfähigkeit. Oft geht kein Weg an einer modernen Lüftungsanlage vorbei. Weiterhelfen können aber auch schon "Lüftungsampeln", die optisch signalisieren, wenn dicke Luft herrscht und gelüftet werden muss. In Chemnitzer und Aachener Schulen kommen solche Geräte bereits zu Einsatz.

Heinz-Jürgen Schütz von der Energieagentur NRW bringt das Problem auf den Punkt: "Die Schulen, die saniert werden, sind meist aus den 50er und 60er Jahren. Eine energetische Sanierung ist natürlich notwendig und sinnvoll. Aber auch ein vernünftiges Lüftungskonzept muss erarbeitet werden." Denn im Gegensatz zu den alten Gebäuden, deren Fenster viel Luft und Wärme durch ließen, seien die neuen – oder neu sanierten – gut gedämmt und luftdicht. Die Folge: Der Luftaustausch ist stark verringert, weil es keine undichten Fugen und Ritzen mehr gibt. "Um in einem neuen, nach der EnEV gebauten Gebäude eine akzeptale CO2-Konzentration und Luftqualität zu erreichen, muss alle 20 Minuten eine fünfminütige Stoßlüftung erfolgen", sagt Schütz. Die findet aber oft nicht statt - vor allem im Winter, wenn es draußen eiskalt ist.

Gelegenheit alternative Lüftungskonzepte zu beleuchten, bot die energetische Sanierung der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen. Ziel war dort die Senkung des Energieverbrauchs um 50 Prozent. Durch die Sanierung von Fassade und Dachboden konnte er letztlich sogar um 60 Prozent gesenkt werden. Mit dem Blower-Door-Verfahren wurde die Dichtheit der Gebäude nachgewiesen. Wie erwartet ergaben sich anschließend Probleme im Bereich des Luftaustauschs: Die CO2-Konzentration in der Luft betrug 3.000 bis 5.000 ppm (parts per Million), sollte aber im Bereich von 1.000 bis 1.500 ppm liegen.

Das Projekt sah verschiedene Bauabschnitte in dem Schulgebäude vor. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, im Rahmen eines Forschungsprojekts verschiedene Lüftungskonzepte wie die normale Fensterlüftung sowie zentrale und dezentrale Lüftungsanlagen auf ihre Brauchbarkeit hin zu testen.

Lösungen von der Stange gebe es nicht, kommentiert Energieberater Schütz die Ergebnisse. Die Art der zu installierenden Lüftungsanlage müsse immer auf die konkrete Situation abgestimmt werden. Brandschutzverordnungen, bauliche Gegebenheiten, Kostenrahmen und Komfortansprüche seien ausschlaggebend.

Die Stadt Aachen hat mit einer Verordnung auf das Problem ungenügenden Luftaustauschs in gut gedämmten Gebäuden reagiert. Wird eine neue Schule gebaut oder ein altes Gebäude saniert, ist die Integration einer Lüftungsanlage Pflicht. Bei sanierten Altbauten werden zumeist dezentrale, bei Neubauten zentrale Anlagen eingesetzt. Die Regelung erfolgt über die CO2-Konzentration in der Luft.

Um auch die Verantwortlichen in Städten und Kommunen für das Thema zu sensibilisieren, hat die Energieagentur Nordrhein-Westfalen Ende 2009 in Kooperation mit dem Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal (GMW) einen Workshop zum Thema Lüftung in Schulen ausgerichtet. Grundlage waren zum einen die Aachener Forschungsergebnisse, die Martin Lambertz von der Stadtverwaltung Aachen vorstellte. Zum anderen gingen Forschungsergebnisse aus Projekten in Wuppertal in den Workshop ein. Dort wurde unter anderem die Gesamtschule Vohwinkel als Modellprojekt genutzt. Als bestes Lüftungskonzept für den Altbau entpuppte sich die "Hybrid-Lüftung", ein Konzept mit einer Lüftungsanlage, die in Pausenzeiten durch Stoßlüften unterstützt wird.

Ein gutes Instrument, um die hybride Lüftung zu unterstützen, ist eine "Lüftungsampel". Diese misst den Kohlenstoffdioxid-Gehalt und zeigt optisch durch die Ampelfarben an, wann gelüftet werden muss. 80 solcher Ampeln sind derzeit in Aachener Schulen im Einsatz. Und auch andere Kommunen setzen auf das einfache Instrument zur Kontrolle der Luftqualität: Das Gesundheitsamt der Stadt Chemnitz verleiht kostenlos Lüftungsampeln an interessierte Schulen. Weitere Informationen zum Thema Lüftung in Schulen hält das Umweltbundesamt in einem aktualisierten "Leitfaden für die Innenraumhygiene in Schulgebäuden" bereit. jm/sth

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