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Wärmerückgewinnung am Fenster gewinnt an Bedeutung

Fensterintegrierte Lüftung wird zur Alternative

07.02.2011, 06:09

Fensterintegriertes Lüftungsgerät PremiVent
Das Profine-Lüftungsgerät überträgt nicht nur Wärme, sondern auch Feuchtigkeit an die Zuluft. Bild: Profine

Fensterintegrierte Lüftungssysteme sind auf dem Vormarsch, bieten sie doch die Möglichkeit, Bestandsgebäude vergleichsweise einfach nachzurüsten. Im Gegensatz zu einfachen Fensterfalzlüftern, durch die Frischluft einströmt und die bei Überschreiten eines bestimmten Winddrucks schließen, kommen vermehrt Fenster oder Fenstersysteme mit integrierten Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung auf den Markt.

Gleich zwei dieser Systeme sind im Januar auf der Messe Bau 2011 im Rahmens des Preises für Produktinnovation "Praxis Altbau" ausgezeichnet worden: VentoTherm von Schüco und die Gemeinschaftsentwicklung der Profine Group und Zehnder PremiVent.

Fensterintegrierte Lüftungssysteme stellen in Altbauten eine interessante Alternative zum Einbau zentraler oder dezentraler Lüftungsgeräte dar", bestätigt Professor Peter Müller, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer des Europäischen Testzentrums für Wohnungslüftung TZWL. Im jüngst erschienenen TZWL-Bulleting, das rund 130 Geräte auflistet, sind die Geräte dennoch nicht zu finden. "Wir testen und veröffentlichen nur die Geräte, bei denen die Hersteller das wünschen", sagt dazu Müller, der sich sicher ist, dass sich das bald ändern wird.

"Wir werden den Test durch das TZWL schnellstmöglich nachholen", bestätigt Sven Seidel, der bei Schüco im technischen Innendienst für VentoTherm verantwortlich zeichnet. Das fensterintegrierte Zu- und Abluftsystem mit Luftfilter

Exkurs: Wärmerückgewinnung

Bei Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung werden zur Beurteilung der Effizienz oft unterschiedliche Angaben gemacht. Die einen Hersteller geben den Wärmerückgewinnungsgrad an, andere den Wärmebereitstellungsgrad. Laut Peter Müller, Geschäftsführer des Europäischen Testzentrums für Wohnungslüftung TZWL, gibt der Wärmerückgewinnungsgrad an, welche Wärmemenge aus der Abluft gewonnen wird.

Der Wärmebereitstellungsgrad dagegen bezeichnet die Wärmemenge, die die Zuluft erfährt. Sie entspricht der Wärme aus der Abluft plus der Ventilatorenergie. Der Wärmebereitstellungsgrad ist also bei Ventilatoren, die viel Energie brauchen, höher. Aus diesem Grund wird die Kennzahl oft kritisiert. Zur Verwirrung trägt außerdem bei, dass es für den Wärmerückgewinnungsgrad verschiedene Definitionen gibt. "Letztlich sagen aber alle Kennzahlen allein wenig über die Güte einer Anlage aus", betont Müller. Wichtig sei es, auch die Einbausituation zu berücksichtigen.

Schücos VentoTherm wird außen sichtbar am Fensterrahmen angebracht. Die durchschnittliche Einbauhöhe beträgt nur 50 mm. Die Steuerung ist sowohl manuell als auch automatisch mit Hilfe einer Sensorsteuerung anhand von Luftfeuchtegehalt und CO2-Gehalt möglich. Außerdem können die Geräte in die Gebäudeleittechnik eingebunden werden. Hier hat das Gerät PremiVent von Profine und Zehnder noch Nachholbedarf. Derzeit ist nur eine Einzelsteuerung möglich. "Die Steuerung in Abhängigkeit von Luftfeuchtigkeit und CO2-Gehalt steht auf unserer Erweiterungsliste. Sie wird voraussichtlich Ende 2011 kommen", berichtet Alexander Glück, Innovationsmanager bei Profine.

Das Besondere an PremiVent ist der integrierte Enthalpietauscher, der nicht nur Wärme, sondern auch Feuchtigkeit von der Abluft auf die Zuluft überträgt. Daher muss anfallendes Kondensat nicht aufwändig über die Fassade abgeführt werden. Zudem glänzt das System mit einem für fensterintegrierte Systeme vergleichsweise hohen Wärmerückgewinnungsgrad von bis zu 80 Prozent in der geringsten Lüfterstufe.

Schüco gibt für sein VentoTherm den zuluftseitig gemessenen Wärmebereitstellungsgrad mit 45 Prozent an. "Wir arbeiten an einer Erhöhung um etwa 10 Prozent. Ab 55 Prozent jedoch fällt Kondensat an, das durch einen Bypass abgeführt werden müsste. Dadurch würde das Gerät sehr viel größer", berichtet Schüco-Mann Seidel. Tatsächlich ist das Profine-System deutlich größer als VentoTherm: 980 mm breit, 175 mm hoch und mindestens 410 mm tief. "Wir gehen davon aus, dass die Geräte zum Einsatz kommen, wenn die Fassade saniert und mit einem Wärmedämmverbundsystem ausgestattet wird, so dass die Wand dick genug ist", so Glück. Dennoch arbeiten die Entwickler bei Profine und Zehnder an einer Verkleinerung des Systems.

Glück hebt als weiteren Vorteil von PremiVent gegenüber VentoTherm hervor, dass das Gerät unsichtbar unter der Fensterbank montiert ist. Neben der bauphysikalischen Funktionalität hat die Juroren des Innovationspreises "Zukunft Altbau" vor allem auch die Einfachheit der Montage überzeugt. Der Fensterbauer muss lediglich die vorhandene Fensterlaibung nach unten erweitern. Dort wird dann die Montagebox für das Lüftungsgerät eingesetzt auf die das Fenster draufgesetzt wird. "Beim Einbau enthält die Montagebox einen Dummy. Ist das Fenster dann eingebaut, wird der Dummy durch das eigentliche Lüftungsgerät ersetzt", erklärt Glück. Für Revisions- und Reparaturarbeiten könne das Gerät jederzeit wie eine Schublade wieder herausgezogen werden.

Mit einem thermischen Wärmerückgewinnungsgrad von bis zu 61,7 Prozent kann sich auch das fensterintegrierte Gerät Aeromat VT WRG von Siegenia Aubi sehen lassen. Er kann flexibel am Fenster positioniert werden, sowohl seitlich als auch ober- oder unterhalb des Fensters. Aeromat kann wie VentoTherm über Sensoren gesteuert und in die Gebäudeleittechnik integriert werden, verfügt jedoch anders als die Geräte von Schüco und Profine/Zehnder nicht über Filter.

Von unserer Redakteurin Silke Thole

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