Projekt Callux legt Ergebnisse vor

Brennstoffzellen-KWK sind zuverlässig aber teuer

Doris Wittneben, MVV: "Preise sind deutlich gesunken." © A. Morhart

2016 sollen Brennstoffzellen-KWK in Deutschland breit auf den Markt kommen. Das Projekt Callux ist jetzt beendet

Dafür, dass in Deutschland "2016 die breite Markteinführung mit Geräten verschiedener Hersteller erfolgen" soll, ist die Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung mit Brennstoffzellen in der Öffentlichkeit noch ziemlich wenig bekannt. Und das, obwohl in das Projekt "Callux" 36 Millionen Euro Steuergeld geflossen und namhafte Unternehmen wie Vaillant, EnBW und EON mit weiteren 39 Millionen beteiligt sind. In Berlin wurden einige Ursachen für diesen unfreiwilligen Status der Technologie als Geheimtipp klar, doch blieben Fragen zu den Geräten selbst und zu ihrer angekündigten Einführung offen.

Norbert Barthle vom Bundesverkehrsministerium, das die 36 Millionen Euro für Callux ausgegeben hat, sprach von einem "wunderbaren Projekt" und will in den kommenden drei Jahren weitere 161 Millionen Euro für Brennstoffzellentechnik-Fördermaßnahmen insgesamt ausgeben. Wie diese Maßnahmen aussehen werden und wieviel davon auf kleine stationäre Mikro-KWK-Anlagen à la Callux entfallen soll, sagte Barthle nicht. Für die bevorstehende Phase der Markteinführung sei eher das Wirtschaftsministerium zuständig.

"Kosten liegen im Schnitt bei 25.000 Euro"

Was die Anschaffungskosten einer Anlage fürs Ein- oder Zweifamilienhaus angeht, sprach Barthle wie auch später Doris Wittneben vom projektbeteiligten Energieversorger MVV hauptsächlich über die relative Entwicklung: "Die Geräte wurden durch die Arbeit im Projekt um 70 Prozent günstiger." Damit verwechselte Barthle offensichtlich Wunsch und Wirklichkeit. 70 Prozent seit 2008 waren ursprünglich angestrebt. Tatsächlich betrug die Kostensenkung nach der Aussage von Wittneben und auch nach den veröffentlichten Unterlagen nur 60 Prozent. Absolute Kosten nannte Doris Wittneben nicht. Deshalb muss man sich hier auf die Angabe von Norbert Barthle verlassen: "Die heutigen Kosten liegen im Schnitt bei 25.000 Euro."

Ein solcher Mittelwert über neun unterschiedliche Geräte mit einer elektrischen Leistung zwischen 300 und 2.500 Watt, die in Deutschland bald auf den Markt kommen sollen, sagt nicht viel aus. Doch konkrete Details über Kosten oder Preise wollte auch Alexander Dauensteiner von Vaillant nicht verraten. Dauensteiner hat vor 13 Jahren angefangen, das Callux-Projekt vorzubereiten und ist jetzt sein Sprecher.

Hersteller halten sich bei Angaben zu Marktpreisen zurück

Eine Angabe, welchen Marktpreis sich Vaillant für seine 800-Watt-Anlage vorgenommen hat, war ihm auch auf Nachfrage nicht zu entlocken ("wir werden hier nicht unter Wettbewerbern Preise austauschen können"). Er sagte aber, eine Anlage in der Art von Callux sei wettbewerbsfähig gegenüber einer Wärmepumpe und auch gegenüber einer Brennwert-Gasheizung, "wenn man das richtig rechnet über 15 Jahre (...)". Und "wenn sie einmal eine Schwelle erreicht hat, wie wir sie heute bei Wärmepumpen haben".

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Bei so viel "wenn" würde man gern selbst nachrechnen, aber wie schon beim Preis für das Gerät legte sich Dauensteiner auch bei diesem Wirtschaftlichkeitsvergleich nicht auf Eckdaten fest. Welcher Zinssatz zum Beispiel eingeflossen sei, konnte er nicht sagen, verwies stattdessen auf eine Studie von Roland Berger. An der haben die Hersteller selbst mitgeschrieben. Es heißt darin auf Seite 178: "We recommend 8.000-12.000 EUR/kWel support for units deployed in the residential segment." Die Studienautoren empfehlen also, während der Einführungsphase Anlagen für Wohngebäude mit 8000 bis 12.000 Euro pro Kilowatt elektrischer Leistung zu subventionieren. Den Kaufpreis für Vaillants 800-Watt-Anlage würde das dann um 6400 bis 9600 Euro mindern. Auch in einer weiteren Phase ab 2017 würden noch 2000 bis 4000 Euro pro Kilowatt elektrischer Leistung als Kaufpreisunterstützung benötigt. Das wäre weit mehr als es heute an Mini-KWK-Förderung gibt.

Viele offene Fragen also, doch die als "Pressekonferenz" mit anschließenden "Workshops" angekündigte Veranstaltung war eher monologisch angelegt und bot wenig Möglichkeiten, diese zu klären. So gab es auf die Frage, warum für den Callux-Praxistest statt der geplanten 800 lediglich 500 Geräte installiert wurden, während in Japan bereits weit über 100.000 Anlagen ähnlicher Bauart arbeiten keine substantielle Antwort.

Industrielle Massenproduktion ist vorbereitet

Allerdings fällt die Bilanz von Callux durchaus nicht nur negativ aus. Das Grundkonzept ist eine respektable Ingenieursleistung. Aus dem vielerorts verfügbaren Energieträger Erdgas wird vor Ort Wasserstoff erzeugt und dieser sehr abgasarm in Wärme und in einen im Vergleich zu Verbrennungsmotor-BHKWs zum Teil hohen Stromanteil verwandelt. Dieser Stromanteil ist fernsteuerbar und damit für ein virtuelles Kraftwerk tauglich. Gegenüber einer modernen Erdgasheizung und dem aktuellen Strommix soll eine CO2-Einsparung von etwa 30 Prozent erreicht werden. Dieses Grundkonzept wurde im Projekt für eine industrielle Massenproduktion vorbereitet.

Die Zuverlässigkeit solcher Geräte entspricht den Angaben zufolge inzwischen derjenigen konventioneller Heizungsanlagen, und die Wartungskosten konnten während des Projekts auf einen vertretbaren Betrag gesenkt werden.

Dass das Projekt außerhalb der Fachöffentlichkeit noch nicht angemessen intensiv diskutiert wird, dürfe außer dem erwähnten Kostenproblem auch an der Öffentlichkeitsarbeit liegen. In den meisten Vorträgen und auf der Website ist zum Beispiel ständig von "Brennstoffzellen-Heizgeräten" die Rede, obwohl der entscheidende Punkt ist, dass eine solche Anlage gerade nicht nur heizen, sondern auch Strom liefern kann. Von Alexander Morhart

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Kommentare (2)

  1. Rudolf Rapp am 07.12.2015
    Den Mitteleinsatz der Privatwirtschaft würde ich mal mit spitzem Bleistift nachrechnen.
    Wenn die dies bei diesem vorgeblichen Mitteleinsatz nicht besser/preisgünstiger hinkrigen, dann sollen sie es bleiben lassen und die Steuermillionen zurückzahlen.
    Das BVM ist unter dem derzeitigen Minister wuhl für jeden Schmarren gut. Nur nicht für eine vernünftige/ökologische Verkehrspolizik.
  2. Gerd Winkler am 14.06.2016
    So lange nicht massiv Fördermittel einsetzt werden, damit sich für den Investor die Brennstoffzellenanlage \"rechnet\", wird deren Nischendasein noch sehr lange andauern.
    Die anfangs hohe, aber degressive Förderung der Photovoltaik hat gezeigt, wie massiv Preise sinken können, wenn Hersteller durch entsprechende Nachfrage in die Massenproduktion einsteigen können.
    Deutsche Politik bremst eine CO-2-arme KWK-Technologie, die dem 1,5 (2)°C-Ziel der Begrenzung der Erderwärmung einen signifikanten Beitrag leisten könnte. Es bleibt der Verdacht, dass mit der zu geringen Förderung die Ausbreitung der Technologie klein gehalten werden soll, um der Kohle- und Atomlobby weitere Konkurrenz vom Leibe zu halten, zumal fernsteuerbare KWK wunderbar flukturierende Stromerzeugung aus Sonne+Wind ausgleichen können und die Menge der sonst notwendigen Speicher stark reduziert.

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