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Netzbetreiber und Hersteller fordern sichere Rahmenbedingungen

Polit-Hickhack bremst Mini-KWK-Projekte aus

26.03.2010, 07:59

Mini-KWK-Anlage
Förderstopp könnte Absatzbremse für Mini-KWK-Anlagen werden. Bild: Vaillant

Energieversorger und Hersteller von kleinen Blockheizkraftwerken, die Strom und Wärme in kleineren Wohneinheiten vor Ort erzeugen, fürchten ein Aus der Förderung der Kellerkraftwerke. Es würde die Projekte zwar nicht komplett in Gefahr bringen, aber deren Durchsetzung deutlich verlangsamen.

Nur mit staatlicher Unterstützung könne die von der Bundesregierung angepeilte Verdoppelung des klimafreundlichen Stromes aus Kraft-Wärme-Kopplung bis 2020 auf ein Viertel der gesamten Produktion erreicht werden, sagen der Berliner Energieversorger Gasag, der Hamburger Energieversorger Lichtblick und der Hersteller Senertec.

"Die Gasag wird in diesem Jahr unter anderem mit Mini-KWK-Anlagen der Marke Whispergen, die sich insbesondere für Ein- und Zweifamilienhäuser eignen, an den Markt gehen. Ohne das Marktanreizprogramm wird sich diese ökologisch und umweltpolitisch wichtige Aufgabe der dezentralen Energieversorgung erheblich verzögern", erklärt Andreas Goldbohm, Geschäftsführer der Gasag-Vertriebsgesellschaft DSE gegenüber EnBauSa.de. Kunden seien weniger bereit, "in Zeiten von Abwrackprämie die Markteinführung als erste zu realisieren. Erst die höheren Absatzmengen der folgenden Jahre werden sowohl vom Produkt wie auch von der Dienstleistung zu einer Preisdegression führen, so dass für die ersten Jahre der Markteinführung ein Zuschuss notwendig bleiben wird", meint er.

Die Gasag hat mittlerweile über 35 KWK-Geräte aus Feldtest und Vorserie bei Endkunden installiert. Man sei mit vielen Kunden im Gespräch, um sowohl das Massengeschäft mit Whispergen als auch den Einbau von Ecopower, Dachs und weiteren auf dem Markt neu erscheinenden Geräten zu realisieren, so Goldbohm weiter. Für dieses Jahr liegen bereits über 100 Reservierungen vor. Der hohe notwendige Beratungsbedarf der Endverbraucher sei aber nur zu realisieren, wenn gleichzeitig auch entsprechende Absatzzahlen erreicht werden.

Der Hamburger Anbieter Lichtblick hatte mit dem Label Zuhausekraftwerk im September 2009 für großen Medienwirbel gesorgt. Das Unternehmen produziert Mini-BHKWs gemeinsam mit VW. Man habe sich für diesen Partner entschieden, um schnell die Massenproduktion starten zu können, sagt Pressesprecher Ralph Kampwirth. Im Juni sollen die ersten Geräte bei den Kunden stehen. "Ein Stopp der Förderung würde das Projekt nicht zum Kippen bringen, weil wir unser Geschäftsmodell nicht auf Fördermittel aufgebaut haben. Die Förderung würde aber in der ersten Phase helfen", sagt Kampwirth.

300 Mini-KWK-Anlagen sollen in diesem Jahr ans Netz. "Wir haben deutlich mehr Anfragen als wir bedienen können", erklärt Kampwirth weiter. Bei wohnungswirtschaftlichen Unternehmen habe man mit Saga einen ersten Kunden, allerdings seien noch Detailfragen des Vertrags zu klären. "Das kommt aber", ist Kampwirth sicher.

Die Hamburger Enversum arbeitet mit einem ähnlichen Geschäftskonzept wie Lichtblick: Der komplette Betrieb der Anlage wird ausgelagert, die Mini-BHKWs aller Kunden werden per Intranet zu einem virtuellen Kraftwerk gekoppelt. Eingesetzt werden Dachse von Senertec. Interessenten können sich für eine Teilnahme am Pilotprojekt  bewerben. 100 Erstkunden sollen es im Raum Hamburg dieses Jahr sein. "Nach diesem Pilotprojekt werden wir ab 2011 bundesweit durchstarten. Warum sollte es nicht möglich sein, in einigen Jahren 200.000 Anlagen zusammenzuschalten und damit ein Atomkraftwerk zu ersetzen", steckt sich Enversum-Geschäftsführer Erich Ogilvie ehrgeizige Ziele. Senertec spricht in einer Pressemitteilung von 1.500 Anlagen in den nächsten zwei Jahren. Bislang hat Senertec 25.000 Blockheizkraftwerke installiert. Zukünftig plant Enversum außerdem, Biogas anstelle von Erdgas als Primärenergieträger einzusetzen.

Negativ bewertet auch Vaillant die aktuelle Diskussion über das Markt-Impulsprogramm: "Wir glauben an das Produkt KWK und werden auch bei einer Reduzierung oder Einstellung des Markt-Impulsprogramms weiter in diese Technologie investieren. Wir rufen auch nicht nach Fördergeldern, bemängeln aber eindeutig eine Stop- and go-Politik", so Marc Andree Groos, Geschäftsführer bei Vaillant Deutschland. Ein neuer, wachsender Markt benötige stabile Rahmenbedingungen. Die jetzt öffentlich gemachten Gedanken zur Einstellung des Markt-Impulsprogramms ließen Zweifel aufkommen, ob sich das Ziel der Bundesregierung zur Forcierung einer dezentralen Energieversorgung und gleichzeitigen Reduzierung des CO2-Ausstoßes umsetzen lasse, so Groos weiter.

In die Debatte um die Anschubförderung für die Kleinkraftwerke scheint unterdessen ein bisschen Bewegung zu geraten. Blockiert wurde die Förderung vor allem auf Initiative der FDP. Deren energiepolitischer Sprecher Klaus Breil erklärte auf einer Veranstaltung des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung in Berlin vor knapp zwei Wochen erstmals seine Bereitschaft, den Zuschuss weiterzuführen.

2008 wurde das Förderprogramm für Mini-KWK-Anlagen gestartet und lief erfolgreich an, dann wurde Förderung bis auf weiteres auf Eis gelegt. Ob sich die Politiker allerdings bei der derzeitigen Spardebatte dazu durchringen, neue Fördertöpfe aufzumachen ist immer noch fraglich. pgl

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