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Realisierung vor allem mit Standardkomponenten

Buderus übergibt Energieplushaus an Familie

05.01.2012, 00:00

Buderus hat das Plusenergiehaus an die Bewohner übergeben. © Bosch Thermotechnik

Unternehmen entdecken Plusenergiehäuser als Möglichkeit, hochwertige komplette Hauskonzepte zu vermarkten. Ein Energieplushaus auf Basis von Standardkomponenten hat Buderus in Wetzlar vor kurzem den Bewohnern übergeben. 430.000 Euro Baukosten hat die Buderus Immobilien GmbH in das Konzept gesteckt, Basis war ein Typenhaus von Schwörer. 

Ziel war es, durch eine optimierte Gebäudehülle den Heizbedarf niedrig zu halten. Zur weiteren Reduzierung des Energiebedarfs dienen verbrauchsarme Geräte der Energieeffizienzklasse A++. Der Primärenergiebedarf für Heizung und Warmwasser soll bei 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegen. Der komplette Energiebedarf der vierköpfigen Familie soll in dem 160-Quadratmeter-Haus bei nicht mehr als 7.550 Kilowattstunden pro Jahr liegen. Dem steht eine erwartete Stromerzeugung von 9.100 Kilowattstunden gegenüber.

Man habe mit dem Haus den Beweis antreten wollen, dass man ein hochwertiges lichtdurchflutetes Haus mit Serienprodukten erstellen könne, betonte Jörg Schneider von Buderus Immobilien bei der Vorstellung. Damit wolle man einen Beitrag dazu leisten, die Sanierungsquote in Deutschland auf die zur Energiewende notwendigen zwei bis drei Prozent zu erhöhen, ergänzte Uwe Ladwig, Leiter Vertrieb Buderus Deutschland.

Mit welcher Kombination genau man eine positive Energiebilanz erreichen will, wollten die Verantwortlichen allerdings nicht verraten. Es kommen Wärmepumpe, Fassadenkollektor, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und ein Grauwasserwärmetauscher zum Einsatz. Letzterer entzieht dem Abwasser Restwärme, bevor es in den Abwasserkanal eingeleitet wird.

Ganz kommt die Haustechnik des hessischen Energieplushauses aber dann doch nicht mit Standardkomponenten aus. Standard sind zwar Hausgeräte, Lüftung, Fotovoltaik und Wärmepumpe. Bei der Solarthermie setzt das Unternehmen aber auf ein solaraktives Fassadensystem, das noch nicht auf dem Markt ist. Das Gebäude in Wetzlar dient auch dazu, dieses System unter Praxisbedingungen zu testen. Der Vorteil: Es lässt sich an beliebige Flächen und Formen anpassen. Allerdings gibt es das System bislang nur in schwarz, "grundsätzlich sind auch andere Farben denkbar. Diese müssen unter Effizienzaspekten beurteilt werden", sagt Miriam Asbeck, Projektleiterin Erneuerbare bei Bosch Thermotechnik. Auch das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten soll im Praxisbetrieb weiter beobachtet und optimiert werden.

Asbeck geht davon aus, dass sich der KfW-Standard 55 als Neubaustandard durchsetzen wird. Auch bei anderen Häuser lasse sich aber das Niveau eines Plusenergiehauses erreichen: "Mit den Baustandards ab den 90er Jahren lässt sich der Primärenergieverbrauch über Fotovoltaik ausgleichen." Auch Martin Sauter, zuständig für Entwicklung und Normierung beim schwäbischen Fertighausexperten Schwörer, geht davon aus, dass diese Kategorie das Hauptprodukt sein wird. Sein Unternehmen hat bereits Erfahrung mit Plusenergiehäusern, baut aber auch zirka 40 Passivhäuser pro Jahr.
 
Auch bei anderen Fertighausexperten gibt es seit einiger Zeit Passiv- und Plusenergiehäuser. Pionier ist der Freiburger Architekt Rolf Disch, der mittlerweile fordert, Plusenergie in der EU als Baustandard einzuführen. Ein Vorzeigeprojekt, allerdings ohne Solarthermie und zu enormen Kosten entsteht derzeit unter der Schirmherrschaft des Bundesbauministers in der Fasanenstraße in Berlin.

Um Autarkie ging es einer Projektgruppe von Helma Eigenheimbau aus Lehrte und der Dach GmbH aus Freiberg in Sachsen. Sie hat ein energieautarkes Haus entwickelt, das sich ganzjährig mit Strom und Wärme selbst versorgt. Das erste Gebäude wurde in einer Musterhaussiedlung 2011 eingeweiht und hat schlüsselfertig bei 162 Quadratmetern Wohnfläche 363.000 Euro gekostet. Zwei weitere sollen 2012 folgen, die Verträge dazu sind kurz vor dem Abschluss.

Parallel zur Vorstellung seines Hauses gab Buderus einen Ausblick auf die Produkte, die 2012 auf den Markt kommen sollen. Dazu zählt ein Produkt, das Wärmepumpe und Gasbrennwertheizung unter einen Hut bringt. Es soll 2012 in Serienproduktion gehen zu einem Listenpreis von zirka 10.000 Euro. Im Sommer ist auch eine Variante für die Kombiprodukte und Ölbrennnwertheizungen vorgesehen.

Dazu kommt ein bereits auf der ISH 2011 gezeigter Hybridmanager, so Wolfgang Diebel, Leiter Produktmarketing bei Buderus. In diesem System sind die Preise für Gas und Strom hintergelegt. "Die Einheit steuert die Wärmeerzeuger", so Diebel. Je nach aktuellem Strom oder Gas laufen dann Brennwertkessel oder Wärmepumpe. Im Neubau sieht Diebel einen Trend weg vom Gas hin zu strombasierten Wärmeerzeugern. "Es wird vielfach aufgrund der geringen Abnahme keine Gasanschlüsse mehr geben", schätzt er.

Dazu kommen bei Buderus Apps zur Fernsteuerung der kompletten Anlage. Für Apple-Systeme gibt es sie, für Googles Android-Plattform sollen sie 2012 kommen. 

von unserer Redakteurin Pia Grund-Ludwig

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