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System ist marktreif und soll jetzt bundesweit vertrieben werden

Aoterra heizt Eigenheime mit Abwärme der Cloud

25.04.2013, 06:30

Anlagenschema
Heizen mit Rechnern im Keller ist das Konzept von Aoterra. © Aoterra

Dass beim Rechnen manchmal die Köpfe rauchen weiß jeder, der Kinder beim Erlernen des Einmaleins begleitet. Doch auch beim Rechnen auf höherem Niveau, bei der Verarbeitung von Bits und Bytes in Rechenzentren entsteht Hitze. Nicht durch rauchende Köpfe, aber durch IT-Komponenten, die einen Teil des Stroms in Rechenleistung umsetzen und den Rest als Abwärme abgeben. Die wird bislang nur selten genutzt. Wird sie nicht einfach per Kühlung "entsorgt", dient sie bislang höchstens zur Beheizung von hauseigenen Büros.

Einen komplett neuen Weg geht Aoterra aus Dresden: Server-Farmen sollen Eigenheime, Mehrfamilienhäuser und Gewerbeimmobilien heizen. Das Unternehmen will dazu Teile von Rechnernetzen direkt dort platzieren, wo die Wärme gebraucht wird: im Keller von Privatwohnungen. Dass eine solche Dezentralisierung möglich ist, hat seinen Grund in einem Trend der IT: Rechenpower kommt häufig nicht mehr aus Großrechenanlagen, sondern aus vernetzten Servern. Der Platzbedarf des Server-Schranks Aoheat, der Häuser heizen soll, entspricht mit einem halben Quadratmeter Stellfläche und 2,30 Meter Höhe ungefähr dem einer konventionellen Heizung. Auf der Passivhaus-Tagung hat Jens Struckmeier, Geschäftsführer von Aoterra, die Lösung gezeigt. "Das Interesse war enorm", freut er sich.

Entstanden ist die Idee an der Technischen Universität Dresden. Professor Christof Fetzer suchte beim Bau seines Hauses nach einer kostengünstigen Heizung und kam auf die Idee, die Server zu nutzen, die unter anderem in seinem Fachbereich Systems Engineering laufen und permanent viel Wärme abgeben.

Darauf baut das Konzept der Aoheat-Heizanlage auf: Die Wärme der Rechner wird über Wasser- und Luftkühlung abgezogen, dazu wurde eine eigene Lösung entwickelt. Heizen die Häuser per Lüftungsanlage, wird die Wärme dort direkt eingepeist. Auch das Erwärmen von Wasser im Pufferspeicher ist möglich. Zur Sicherheit gibt es entweder einen Heizstab oder in größeren Häusern auch einen Anschluss an Fernwärme oder einen Heizkessel für die Spitzenlast.

"Wir können mit einer Anlage eine Wärmeleistung von 3,6 kWh erzeugen, bei größerem Wärmebedarf ist eine Skalierung möglich", so Struckmeier gegenüber EnBauSa.de. Er hat einen ersten Prototypen entwickelt und dann im Oktober 2011 gemeinsam mit René Marcel Schretzmann und Christof Fetzer Aoterra gegründet. Mittlerweile sind 34 Mitarbeiter an Bord. 20 Anlagen sind nach Angaben des Unternehmens in der Zwischenzeit installiert, 200 sollen es 2013 werden.

Der bundesweite Vertrieb ist nun angelaufen. Das Unternehmen verspricht sich von seinem Ansatz einen doppelten Nutzen. Zum einen will man Geld mit dem Heizungssystem selbst verdienen. Für Hausbesitzer kostet es ohne Speicher 12.000 Euro, dafür verspricht das Unternehmen für 15 Jahre kostenlose Bereitstellung von Heizwärme und Warmwasser. Bestehende erneuerbare Energiequellen wie Fotovoltaik sollen integrierbar sein. Geeignet seien vor allem Niedrigenergiehäuser. Ein Vier-Personen-Haushalt in einem Niedrigenergiehaus von 170 Quadratmeter könne durch das System vollständig beheizt werden.

Zum anderen will man Geld für den Serverbetrieb sparen, weil die teure und energiefressende Kühlung ebenso entfällt wie die Mietkosten für eine eigene Immobilie für die Rechner-Farm. Rechenleistung aus der Computer-Cloud soll damit billiger werden, versprechen die Dresdener Forscher.

Die Ambitionen sind groß. Bei dem bisherigen Wachstum des Unternehmens werde man bereits 2014 die Größe der gesamten Rechenzentren der 1&1 Internet AG haben, so Struckmeier selbstbewusst. Und zu rechnen gebe es auf jeden Fall genug. Man habe etwa Anfragen von Forschungsinstituten aus den USA, die die Faltung von Proteinen berechnen. Das sollte auf jeden Fall reichen für wame Füße.
von Pia Grund-Ludwig

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