Insolvenzen rückläufig, Zahlen bleiben aber hoch

Baubranche kann 2016 knapp 300 Milliarden umsetzen

Die Umsätze der Baubranche wachsen ab 2015 langsamer. © P. Grund-Ludwig

Das Vertrauen der Baubranche in die Konjunktur ist kräftig eingebrochen. 16,5 Prozent aller Pleiten in Deutschland treffen die Baubranche.

Die Baubranche hat trotz weiteren Wachstums an Zuversicht verloren. Das ist die Quintessenz der jüngsten Umfrage zum Vertrauen in die Baukonjunktur, die der Kreditversicherer Euler Hermes vorgelegt hat. Der Vertrauensindex brach innerhalb von 18 Monaten um 10 Punkte ein und liegt derzeit 3,4 Punkte unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Die Aufbruchsstimmung der vergangenen Jahre ist größtenteils verflogen. Die Anzahl der Insolvenzen in der Baubranche ging zwar zurück, ist aber immer noch die zweitgrößte aller Sektoren. 16,5 Prozent aller Pleiten in Deutschland gehen nach wie vor auf das Konto der Baubranche.

Während die Zuversicht im Dezember 2013  noch so gute Werte wie lange nicht erreichte und die Baubranche damit zum Höhenflug ansetzte, kündigt der neuerliche Rückgang des Index eine weitere Phase der leichten Konjunkturabflachung in 2015/16 für den Sektor an. Gebaut wird, so eine aktuelle Erhebung von Bauinfoconsult, vor allem im Mehrfamilienhaussegment. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern sieht es schlechter aus.

Nach dem ganz großen Boom von 2010 bis 2013 freut sich die deutsche Baubranche zwar immer noch über Zuwächse. Aber die sind längst nicht mehr so stark wie zuletzt. Nachdem die deutsche Baubranche 2014 immer noch ein Plus von 3 Prozent verbuchte, erwartet Euler Hermes für 2015 nochmals ein Wachstum um 2 Prozent. Dank der robusten Nachfrage im Immobilienmarkt und privaten Wohnungsbau wird dieser Trend auch weiter anhalten. Verstärkt wird diese Entwicklung  durch die Nettozuwanderung und das urbane Wachstum.

Konjunktur bremst Wachstum am Bau

Der leichte Rückgang beim Wachstum ist im Wesentlichen auf drei konjunkturelle Faktoren zurückzuführen: Erstens herrscht noch Unklarheit bezüglich der öffentlichen Ausgaben. Zweitens könnte sich die Entwicklung der Immobilienpreise angesichts eines nur leicht steigenden verfügbaren Einkommens verflachen. Drittens geht der Effekt der niedrigen Zinsen weiter zurück.

Die Profitabilität der Unternehmen aus der Baubranche dürfte mit 5,9 Prozent 2015 weiterhin stabil bleiben. Gleichzeitig schwächt sich der Rückgang der Insolvenzen ab. Auch wenn die Prognosen ursprünglich etwas positiver ausfielen, ist das Ergebnis immer noch gut – vor allem im Licht der krisengeschüttelten europäischen Konkurrenz wie zum Beispiel in Spanien. Selbst Unternehmen im wirtschaftlich etwas stabileren Frankreich können von diesem Wert aktuell nur träumen. In Deutschland könnte die Bruttoproduktion 2015 auf 291 Milliarden Euro und 2016 gar auf 296 Milliarden Euro steigen.

Zuwanderungssaldo und Stadtentwicklung werden in den nächsten Jahren hauptverantwortlich für das Wachstum der Baubranche sein. Gleichzeitig deutet sich an, dass die Urbanisierungsrate auf 9,8 Prozent steigt und damit die Nachfrage nach Wohnraum und Infrastruktur weiter wächst.

Öffentliche Hand hält sich mit Investitionen zurück

Es gibt jedoch Einflüsse, die eine gewisse abschwächende wenn nicht sogar hemmende Wirkung auf eine weitere positive Entwicklung der Baubranche ausüben. Euler Hermes hat die drei wesentlichen Faktoren identifiziert: Der private Wohnungsbau ist die treibende Kraft in der deutschen Baubranche. Der Sektor verbucht seit Jahren deutliche Zuwächse. So lag der Zuwachs 2014 bei 4 Prozent und 2013 sogar bei 6 Prozent. Auch für 2015 stehen die Zeichen auf Wachstum, immerhin noch eine Steigerung von 3 Prozent werden erwartet. Die Wachstumserwartungen im öffentlichen Wohnungsbau liegen dagegen chronisch unter jenen des Pendants aus dem privaten Bereich. Verantwortlich für das nur verhaltene Plus von 1 Prozent sind die nur zögerlichen Infrastruktur-Programme der öffentlichen Hand. "Die Pläne der Politiker sind vage und mit einigen Unsicherheiten behaftet", so die Autoren der Studie kritisch.

Ein zweiter Faktor ist die ungleiche Entwicklung von Immobilienpreisen und Nettoeinkommen. "Bis 2007 erhöhte sich das verfügbare Nettoeinkommen jährlich um rund 2 Prozent. Nach einer Phase der Stagnation in den Jahren 2007 bis 2009 stieg das Einkommen in den folgenden Jahren wieder um ungefähr dieselbe Rate wie zuvor. Aufgrund der ungemindert hohen Nachfrage erhöhten sich die Preise für Wohnimmobilien zwischen 2007 und 2014 pro Jahr um 4,9 Prozent", so die Studie. Der dritte Grund sei, dass die niedrigen Zinsen keine große Rolle mehr spielen. Quelle: Euler Hermes / pgl

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