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Diskussionsprozess mit allen Beteiligten startet im April

VdZ legt Konzept zur Umsetzung der Energiewende vor

21.03.2013, 06:00

Michael Herma von der VdZ
Will einen Diskussionsprozess in Gang setzen: Michael Herma. © Silke Thole

Jeden fünften Hausbesitzer in Deutschland hat die langanhaltende Diskussion über die steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungsmaßnahmen 2012 davon abgehalten, seine Heizung zu modernisieren. Das geht aus dem aktuellen VdZ-Modernisierungsbarometer hervor. TNS Emnid hat dafür im Februar dieses Jahres 1.044 Hausbesitzer in ganz Deutschland befragt. Als weiteren Grund dafür, dass sie ihre Heizung nicht modernisiert haben, nennt ein Viertel, die Fördermittel seien zu gering, ein weiteres Viertel sieht keinen klaren Nutzen in einer Sanierung und nochmals ein Viertel gibt an, der Kenntnisstand über Heizungstechniken sei zu gering. Die überwiegende Mehrheit jedoch – 92 Prozent – sieht keinen Anlass zur Modernisierung – schließlich läuft das alte Schätzchen im Keller ja noch tadellos.

Strom sparen ist allerorten ein Thema – Wärmeenergie sparen durch effizientere Gebäude nicht. Dabei werden Experten nicht müde zu betonen, das 40 Prozent des Endenergieverbrauchs und ein Drittel aller CO2-Emissionen in Deutschland im Gebäudebereich entstehen. In der Praxis jedoch kommen die Appelle nicht an. Die Sanierungsquote im Bereich der Komplettsanierungen dümpelt nach wie vor bei einem Prozent, im Bereich Anlagentechnik liegt sie derzeit bei 3 Prozent. Sollen die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung erreicht werden, muss die Sanierungsquote Experten zufolge auf 2 respektive 6 Prozent steigen.

Darüber, mit welchen Maßnahmen die Modernisierung des Gebäudebereichs beschleunigt werden kann, wird bereits seit geraumer Zeit diskutiert. Nun hat die VdZ Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik mit dem sogenannten Gebäudesanierungsfahrplan ein neues Konzept zur Diskussion gestellt. "Es handelt sich dabei um ein Anreiz- und Lenkungssystem zur Beschleunigung der energetischen Gebäudesanierung", erklärte VdZ-Geschäftsführer Michael Herma auf der Messe ISH. Die Grundidee ist, die Energieeffizienz eines Gebäudes in die Berechnung der Grundsteuer einfließen zu lassen.

Damit eine Kopplung der Besteuerung von Gebäuden an ihre Energieeffizienz überhaupt möglich ist, muss aus Sicht der VdZ zunächst einmal der energetische Zustand von Gebäuden vergleichbar werden. "Wir brauchen eine einheitliche energetische Bewertung, die für alle Gebäude verpflichtend ist", so Herma. Als geeignetes Instrument dafür schlägt der Branchenverband einen einheitlichen, für alle Gebäude verpflichtenden Energiebedarfsausweis vor.  "Eine Beeinflussung durch individuelles Nutzungsverhalten müssen wir dabei möglichst ausschließen." Ziel müsse eine gerechte und vergleichbare Einstufung nach Energieeffizienzklassen sein. Der Eigentümer sollte in Anlehnung an die schon bekannten Labels für Elektrogeräte auf einen Blick über die energetische Qualität seines Gebäudes informiert sein. 

Soll der Energieausweis auf diese Weise als Bewertungsgrundlage für Gebäude eingesetzt werden, muß er modifiziert werden. Auch darüber hat sich die VdZ Gedanken gemacht. So sieht der Gebäudesanierungsfahrplan vor, dass der heute noch alternativ mögliche Verbrauchsausweis entfällt. Der Grund: Der Verbrauch wird stark durch die Nutzer eines Gebäudes beeinflusst. Daher lässt der Verbrauchsausweis nur sehr bedingt Schlüsse auf die energetische Qualität eines Gebäudes und seiner Anlagentechnik zu. Außerdem müsse ein einheitliches und transparentes Verfahren für die Berechnung des Energiebedarfs festgelegt werden, so die VdZ. Derzeit sind für die Erstellung von Energieausweisen zwei Verfahren zulässig, die zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Der Verband gibt "mit Blick auf die aktuelle technische Entwicklung dem universelleren und moderneren Verfahren nach DIN 18599" den Vorzug. Welche technischen Lösungen für die Erstellung der Energieausweise denkbar sind und wie sich sinnvolle Energieeffizienzklassen bilden lassen könnten, sind zwei der Fragen, die die VdZ in ihrem Entwurf zum Gebäudesanierungsfahrplan offen lässt und die sie zur Diskussion stellen möchte.

Doch auch über diese bereits im Papier enthaltenen Fragen hinaus ist es dem Verband wichtig klarzustellen, dass es sich bei dem Konzept lediglich um ein Diskussionspapier handelt. Auch soll der Gebäudesanierungsfahrplan keineswegs bestehende oder andere gelante Förderprogramme, etwa die steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungsinvestitionen ersetzen. "Die VdZ setzt nach wie vor auf die starke Impulskraft steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten", heißt es dazu.

Dürfte der Handlungsbedarf beim Energieausweis noch weitgehend Übereinstimmung erzielen, sieht das beim zweiten Kernelement des VdZ-Konzepts anders aus. Die Einbeziehung des Faktors Energieeffizienz in die Grundsteuer wird aber voraussichtlich auf Widerstände stoßen. So ließ der Chef des Verbands der Wohnungswirtschaft GdW Axel Gedaschko in Frankfurt auf einer Diskussionsveranstaltung bereits Zweifel daran erkennen, ob die Grundsteuer das richtige Instrument ist.

Aus Sicht der VdZ bietet die Grundsteuer als Substanzsteuer auf Grundstücke und deren Bebauung die Chance, alle Immobilienbesitzer fair einzubinden. Das Grundsteuersystem müsse ohnehin reformiert werden, da der Bewertungsgrundlage für die Berechnung des individuellen Einheitswertes, welcher für jedes Gebäude von der Finanzbehörde festgelegt wird, stark veraltete Baualtersklassen zu Grunde liegen. Danach fällt jedes Gebäude, das nach 1948 gebaut wurde in die neuste Baualtersklasse, obwohl sich das Bauverhalten insbesondere seit der ersten Wärmeschutzverordnung 1979 stark verändert hat. Nachkriegsbauten sind mit heutigen Neubauten vor allem mit Blick auf die energetischen Niveaus kaum vergleichbar und sollten aus Sicht der VdZ nicht zusammen in einen Topf geworfen werden. Der Verband schlägt daher vor, die Berechnungsgrundlage an die heutige Gebäudesituation anzupassen und dabei gleich um den Faktor Energieeffizienz zu erweitern. Dazu könne man beispielsweise die Effizienzklasse eines Gebäudes in Verhältnis zur Baualtersklasse setzen, wobei die Altersklassen bis zu den heutigen Gebäudestandards fortgeschrieben werden müssten.

Um den Dialogprozess über den Gebäudesanierungsfahrplan in Gang zu bringen und mit allen Beteiligten zu einem einvernehmlichen Lösungsvorschlag zu kommen, setzt die VdZ auf professionelle Unterstützung. Die Kommunikations- und Strategieberatung IFOK, die bereits vergleichbare Prozesse begleitet hat, wird den Diskussionsprozess als neutraler Mittler moderieren. Beteiligt werden sollen möglichst alle relevanten Gruppen von den Gebäudeeigentümern über Mieter, Umweltverbände und Energiewirtschaft bis hin zu Herstellern, Dienstleistern und natürlich der Politik. Mit Vertretern dieser Gruppen wird die VdZ im Laufe des Jahres zwei Workshops durchführen mit dem Ziel, der Öffentlichkeit einen von allen Teilnehmern getragenen Sanierungsfahrplan vorzustellen – und das rechtzeitig vor der heißen Wahlkampfphase beziehungsweise vor möglichen Koalitionsgesprächen. Der erste Workshop findet daher schon am 23. April in Berlin statt. Michael Herma: "Derzeit laufen die Einladungen. Wir sind zuversichtlich, dass wir alle relevanten Interessenvertreter an den Tisch bekommen." von Silke Thole

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