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"Bedarfsausweise sind nicht eindeutig"

GdW gegen Effizienzklassen beim Energieausweis

02.09.2013, 06:00

Ein Bündnis aus Organisationen, die sich für Umweltschutz und Energieeffizienz engagieren hat Ideen für Effizienzklassen im Energieausweis entwickelt und will diese nach der Wahl im Koalitionsvertrag verankern. Dagegen regt sich Widerstand aus der Wohnungswirtschaft.

"Energieeffizienzklassen für Gebäude erscheinen nur auf den ersten Blick einfach und verbraucherfreundlich. Bei näherem Hinschauen sind sie im Bereich Wohnen jedoch völlig ungeeignet, weil sie keine wirklichen Rückschlüssen auf die warmen Betriebskosten zulassen", erklärte Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, zu Forderungen des "Bündnis Energieausweis".

Der zudem geforderte Wechsel hin zu reinen Bedarfsausweisen – statt des bisherigen Dualismus von Bedarfs- und Verbrauchsausweisen – bringt ebenfalls keine Vorteile, weil Bedarfsausweise nicht eindeutig sind. "Der Energieausweis, wie ihn die Energieeinsparverordnung (EnEV) vorsieht, kann lediglich grobe Diagnosen hinsichtlich des energetischen Zustandes von Gebäuden stellen. Genaue Aussagen zum Energiebedarf kann man nur mit einer ausführlichen Energieberatung für jedes Gebäude individuell treffen", erklärte der GdW-Chef.

Praxistests der Wohnungswirtschaft hätten gezeigt, dass verschiedene Energiebedarfsausweise für ein und dasselbe Gebäude beim Primärenergiebedarf Ergebnisse liefern können, die um bis zu 80 Prozent auseinander liegen, argumentiert der Verband. Grund dafür seien unterschiedliche Einschätzungen der Ersteller von Energieausweisen zum Ist-Zustand eines Gebäudes sowie verschiedene zulässige Berechnungsverfahren. Die Folge wären unterschiedliche Energieeffizienzklassen für ein und dasselbe Gebäude.

Darüber hinaus liegt der berechnete Energiebedarf im Gebäudebestand meist über dem gemessenen Verbrauch. Bei einer energetischen Modernisierung könne daher die Betrachtung des Energiebedarfs allein Fehlinvestitionen auslösen.

Das "Bündnis Energieausweis" strebt einen Energieausweis an, der statt des Bandtachos eine Klassifizierung wie bei Elektrogeräten enthält. Damit sollen Wohnungssuchende in die Lage versetzt werden, sich leichter und transparent über den energetischen Ist-Zustand eines Gebäudes zu informieren und Wohnungen hinsichtlich der zu erwartenden Betriebskosten zu vergleichen. "Der Wunsch nach mehr Transparenz und Information ist verständlich", so Gedaschko. "Effizienzklassen für Wohngebäude führen nach Analysen des GdW aber genau zum Gegenteil und sind damit verbraucherunfreundlich. Man kann nicht von der Energieeffizienzklasse allein Rückschlüsse auf den Energieverbrauch und die zu erwartenden Kosten ziehen. So kann beispielsweise ein gasversorgtes Gebäude der Klasse D die gleichen Energiekosten aufweisen wie ein fernwärmeversorgtes Gebäude der Klasse B. "Aus der bisherigen Unverständlichkeit des Energieausweises würde so endgültig Chaos entstehen", so Gedaschko.

Die Lösung aus seiner Sicht: "Der Energieverbrauchskennwert muss in der Bevölkerung besser bekannt gemacht werden, anstatt neue Pseudoinformationen einzuführen." Gedaschko weiter: "Gebäude funktionieren nicht wie andere energieverbrauchende Produkte - weiße Ware, Fernseher, Autos", erklärte Gedaschko. Dabei handele es sich um die Klassifizierung neuer Produkte, die in Massenfertigung am Fließband entstehen. Der Lebenszyklus und auch der Erneuerungszyklus der Produkte ist vergleichsweise kurz, Stigmatisierungen durch schlechte Klassifizierung lassen sich innerhalb weniger Jahre durch Produktionsumstellungen beheben. Im Gebäudebestand ist der Investitionszyklus sehr viel länger. Auch bei größter Anstrengung kann ein Wohnungsbestand nicht in wenigen Jahren, wahrscheinlich nicht einmal in Jahrzehnten, komplett erneuert oder ersetzt werden.

Eine Klassifizierung würde dazu beitragen, dass Gebäude mit guter Wohnqualität zu bezahlbaren Preisen unnötig stigmatisiert werden, so der Verband weiter. Bei einem Jahrzehnte dauernden Prozess der Erneuerung des Gebäudebestandes wirke sich das auch negativ auf die Wohnquartiere und ihre Bewohner aus und sei damit kontraproduktiv. Quelle: GdW / pgl

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