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Auf der Stuttgarter CEB werden Details vorgestellt

Sanierungsfahrplan stößt auf Skepsis

06.03.2014, 17:00

Michel Durieux, Frank Talmon l' Armée und Herrmann Dannecker in der Expertenrunde zum Sanierungsfahrplan. © F. Ludwig

Auf der Fachmesse Clean Energy Building in Stuttgart gab es erste Einblicke in die konkreten Planungen zum Sanierungsfahrplan für Baden-Württemberg. Umweltminister Franz Untersteller plant, einen solchen Sanierungsfahrplan als Teilerfüllung des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes EWärmeG anzuerkennen.

Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) in Baden-Württemberg wird Hausbesitzer dazu verpflichten, 15 Prozent der Heizenergie aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Würde nun ein Hausbesitzer einen solchen Fahrplan erstellen, soll das so behandellt werden als würde er fünf Prozent seiner Energie mit Erneuerbaren erzeugen.

Ulrich König vom EBZ Stuttgart erläuterte das Konzept des Sanierungsfahrplans im Detail. Maximal sechs Seiten soll er enthalten, auf einer kompakten ersten Seite gibt er einen Überblick über die vorgeschlagenen Sanierungsschritte und deren Reihenfolge. Auf den weiteren Seiten wird dann die für ein konkretes Gebäude mögliche Vorgehensweise erklärt. Grundlage für den Sanierungsfahrplan sei der Energieausweis – entsprechend der neuen Energieeinsparverordnung, die im Mai 2014 in Kraft tritt. "Der Energieausweis weist keine anderen Werte aus als der Sanierungsfahrplan", so König weiter. Neben den Maßnahmen listet der Fahrplan auch die entsprechenden Kosten und Förderung zum Zeitpunkt der Erstellung auf.

In Baden-Württemberg wird der Sanierungsfahrplan den etablierten Energiesparcheck ablösen. Anerkannt werden soll nach bisheriger Planung auch ein Bafa-Vor-Ort-Bericht. Es sollen aber, so Michel Durieux vom Handwerkstag Baden-Württemberg, auch Handwerksmeister mit eigenem Betrieb zum Zuge kommen können, die keine Bafa-Berechtigung haben. Um die Neutralität zu garantieren, ist der Ersteller des Sanierungsfahrplans verpflichtet, eine Unabhängigkeitserklärung zu unterschreiben. Geplant seien außerdem Stichproben im Rahmen des E-Wärme-Gesetzes, berichtete Durieux weiter.

Ob der Sanierungsplan das Ziel erfüllen kann, die Quote der sanierten Gebäude zu erhöhen, wurde in der Expertenrunde auf der CEB kritisch hinterfragt. König nannte für die Landeshauptstadt Stuttgart Zahlen, die das eher bezweifeln lassen. Zwei Drittel aller Wohngebäude sind dort im Besitz von Personen, die 60 Jahre sind oder älter. "Da frage ich mich, erreiche ich die über den Sanierungsfahrplan", so König. Ob es die Sanierungsquote nach vorne bringe halte er aber für fraglich, er werde aber versuchen, dieses Instrument mit Leben zu erfüllen. Beim eigengenutzten Haus werde sich ohne Steuervergünstigung nichts tun, ergänzt Frank Talmon l' Armée vom Immobilienunternehmen Nordsüd Hausbau. "Ich persönlich glaube, dass die Sanierungsquote so nicht zu erhöhen ist", meint er weiter.

Auch die Immobilienbranche sei schwer zu überzeugen, sagt König: "In Privathäusern ist die Sanierungsrate in Gebäuden dreimal so hoch wie im Mietwohnungsbereich."
"Wir sehen erhebliche Probleme in der Umsetzung", ergänzte Frank Talmon l' Armée. Bei ganzheitlicher Sanierung, die auch demographische Aspekte und eine Änderung der Wohnungszuschnitte beinhalte, lande man zwischen 800 und 1.300 Euro pro Quadratmeter. "Das verändert ganze Märkte und führt zu einer Verdrängung in den Innenstädten. Die Leute, die heute in den Wohnungen leben, können nicht drinbleiben", warnte er.

Durieux begrüßte den Sanierungsfahrplan, "weil er den Hauseigentümern eine Roadmap an die Hand gibt. Komplettsanierung ist nicht erforderlich, das halten wir für einen Vorteil." Die Frage, ob der Sanierungsfahrplan das Schicksal des Energieausweises teilen wird, der sich nicht wirklich als Instrument durchsetzen konnte, konnte Herrmann Dannecker vom Deutschen Energieberater Netzwerk DEN mit einem klaren Nein beantworten. "Der Sanierungsfahrplan gibt konkrete Vorgaben, ich verspreche mir deutlich mehr davon."

„Ein wichtiger Anreiz wird die teilweise Erfüllungsoption im Erneuerbare-Wärme-Gesetz darstellen", ergänzt Durieux. Die Kosten für die Erstellung eines Sanierungsfahrplans werden ungefähr bei denen einer Bafa-Beratung und damit bei einem Marktpreis zwischen 800 und 1.200 Euro liegen, schätzt Dieter Bindel vom GIH.

Die Debatte um Sanierungsfahrpläne für komplette Bundesländer zieht aber Kreise, die deutlich über den Südweststaat hinausreichen. Andreas Tiemann von der Deutschen Energie-Agentur Dena berichtete, man sei dabei, einen solchen Fahrplan für Brandenburg zu erstellen, es gebe weitere Anfragen. Für Sachsen-Anhalt werde man wohl ebenfalls aktiv werden. Da sind die Diskussionen in Baden-Württemberg sicher sinnvoll, um Erfahrungen zu sammeln und Fehler zu vermeiden. Aber auch hier stelle sich die Frage nach den Kosten, wenn nicht Länder, sondern Wohnungsgesellschaften sich der Aufgabe stellen, einen Sanierungsfahrplan zu erarbeiten. "Kosten für einen Sanierungsfahrplan, zirka 500 Euro, kann bei größeren Beständen auch weniger sein", so die Erfahrung Tiemanns. von Pia Grund-Ludwig

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