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Bauherr erfasst zahlreiche Messdaten mittels Datenloggern

Sanierung bringt 70 Prozent Öl-Einsparung

13.06.2013, 05:58

Ölverbrauch Einfamilienhaus
Entwicklung des Ölverbrauchs seit 2003. © Karl

Josef Karl* ist Ingenieur, und als solcher will er es ganz genau wissen. Daher erfasst er nicht nur seit 2003 laufend den Ölverbrauch seines Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung im Landkreis Tübingen. Seit 2007 misst er zudem zahlreiche weitere Parameter wie Zimmer- und sogar Bauteiltemperaturen. Datenlogger zeichnen die Werte im Halbstundentakt auf. Dank der gesammelten Daten kann Karl genau nachvollziehen, wie sich die verschiedenen Modernisierungsmaßnahmen seit 2006 ausgewirkt haben. Sein Fazit: "Alle Werte entwickeln sich positiv, uns sind keine Nachteile aufgefallen."

Als erste Modernisierungsmaßnahme wurde 2006 die Warmwasserumwälzung optimiert, bis dahin lief die Zirkulationspumpe nahezu ununterbrochen. Allein diese Maßnahme brachte den Berechnungen von Karl zufolge eine Öleinsparung von rund 2 Litern pro Tag. 2008 folgte die Dämmung der Kellerdecke in Eigenregie. Auch diese Maßnahme machte sich bei den Verbräuchen deutlich bemerkbar.

Die eigentliche Sanierung erfolgte dann in den Jahren 2009 und 2010. Die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem mit 16 Zentimeter dicken Platten gedämmt. Neue dreifachverglaste Fenster wurden eingebaut, das Dach um eine vier Meter breite Gaube ergänzt und mit einer Aufsparrendämmung versehen. Zudem fanden auf dem Dach 20 Quadratmeter Solarkollektoren Platz.

Die Solarthermieanlage sollte nicht nur für Warmwasser sorgen, sondern auch die Heizung unterstützen. Daher wurde im Keller ein 2.000 Liter fassender Pufferspeicher installiert. Einzig der Heizkessel blieb unangetastet, obwohl es sich um ein betagtes Modell handelt, das nicht modulierend betrieben werden kann. "Im Zuge der Sanierung war es nicht zwingend erforderlich, die Heizung auszutauschen. Das kann ich jederzeit separat machen", begründet Karl das Vorgehen.

Insgesamt hat der Elektroingenieur 130.000 Euro in sein Haus investiert, Dachgaube und Solarthermieanlage inbegriffen. Der Energiebedarf sank um 71 Prozent von durchschnittlich 3.730 Litern in der Zeit Januar 2003 bis August 2009 auf 1070 Liter pro Jahr seit November 2009. "Wenn man die Maßnahmen nicht unter dem Gesichtspunkt der Wertsteigerung des Hauses betrachtet, rechnen sie sich nicht", weiß Karl. Viele Maßnahmen seien zum Zeitpunkt der Umsetzung noch nicht nötig gewesen. Beispielsweise hätte der Putz an der Fassade noch nicht so bald erneuert werden müssen.

Und dann berichtet der Bauherr über die zahlreichen positiven Effekte, die meist nicht in eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung eingehen. Obwohl insgesamt weniger Energie verbraucht wird, ist es heute im Haus durchschnittlich ein bis zwei Grad wärmer. Außerdem werden statt 160 nun 200 Quadratmeter Wohnfläche beheizt. Und die Temperaturen sind stabiler: betrug der Tag-Nacht-Unterschied vor der Sanierung 1,5 Grad, sind es heute nur noch 0,7 Grad.

Die Außenwände sind zwei Grad wärmer als früher. "Wir hatten zwar auch vorher kein Schimmelproblem, haben aber schon mehr darüber nachgedacht, wie wir unsere Möbel stellen", so Karl. Eine Lüftungsanlage gibt es nicht, die Karls lüften konsequent ein- bis zweimal täglich. Die Vorlauftemperatur der Fußbodenheizung liegt heute in der Regel unter 30 Grad, vor der Sanierung betrug sie bis zu 36 Grad. 

Unterstützt wurde Karl bei der Sanierung vom Kusterdinger Energieberater Thomas Heinkel. Dieser erstellte auch einen Energiebedarfsausweis und errechnete die möglichen Einsparungen, was nicht zuletzt für den Antrag auf Zuschüsse bei der KfW erforderlich war. Heinkels Berechnungen zufolge betrug der Primärenergieverbrauch vor der Sanierung 287 kWh/m2a, nachher rund 87 kWh/m2a. "Dank der konsequenten Beseitigung bestehender Wärmebrücken liegt der tatsächliche Verbrauch seit der Renovierung sogar noch deutlich niediger", konstatiert Karl.

30 bis 40 Prozent der Energieeinsparung gehen dem Bauherrn zufolge auf die Solarthermieanlage zurück, die rund 15.000 Euro gekostet hat. "Laut Simulation spart die Anlage 760 Liter Öl im Jahr." von Silke Thole

*Name von der Redaktion geändert

Mehr Grafiken gibt es unter: http://wdvs.enbausa.de/fakten/projekte/haus-karl.html

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