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Neue Wege im städtebaulichen Milieuschutz eröffnet

Passivhaus-Neubau im gründerzeitlichen Stil schließt Baulücke

19.08.2014, 07:20

Fassade Haus Winter
Die Fassade wurde im schmuckvollen Stil der Gründerzeit entworfen. © Zebau

In Hamburg entstand ein Wohn- und Geschäftsgebäude in dem gründerzeitlicher Baustil mit dem Passivhausstandard verbunden wurde. Das "Haus Winter" im Stadtteil Eimsbüttel schließt eine langjährige Baulücke und vereint zwei Anforderungen, die sich auf den ersten Blick auszuschließen scheinen: Zum einen sollte das historische Stadtbild durch einen "kaiserzeitlichen" Neubau ergänzt werden, zum anderen sollte ein nachhaltiges Gebäude geschaffen werden, das den modernen Ansprüchen an Ökologie und Energieeffizienz entspricht.

Neben der Einbindung erneuerbarer Energien und der Verwendung von ökologischen Baustoffen mit regionalem Bezug, werden durch hochwertige Dämmung und Gebäudetechnik die aktuellen Standards des Passivhausbaus erreicht. Den Passivhaus-Neubau im gründerzeitlichen Stil bezeichnet Bauherr Dr. Georg Winter pointenfreudig als "öko-kaisertreu".

Winter erhielt 1995 den Deutschen Umweltpreis für die Erfindung und Verbreitung umweltbewusster Managementsysteme. Bereits 1985/86 ließ er in Norderstedt den ersten baubiologischen Industriebau Deutschlands errichten. Das von Winter 1998 gegründete Haus der Zukunft in Hamburg, Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit, erhielt als ökologisch optimierter Altbau den ersten deutschen Gebäudepass der Bauhaus-Universität Weimar.

Bei dem im Juni 2014 fertiggestellten Neubau handelt es sich um ein 4-geschossiges Mehrfamilienhaus mit ausgebautem Dachgeschoss und möglicher freiberuflicher Nutzung im 1. Obergeschoss. Alle Wohnungen verfügen über einen Balkon oder eine Terrasse sowie einen Keller. Zusätzlich bietet das Gebäude eine Tiefgarage mit 17 Stellplätzen, vorgerüstet für die Integration von Elektromobilität, sowie einen Fahrradkeller.

Die Fassade wurde zum einen im schmuckvollen Stil der Gründerzeit entworfen, was die Gestaltung mit Gurt, Bossen und Traufgesimse wie auch eine angepasste Deckenhöhe der Räume von bis zu 3 Meter mit einschließt. Die definierten Vorgaben des Passivhausstandards erforderten gleichzeitig eine optimierte Gebäudehülle, die Wärmeverluste gegenüber einem gleichartigen Neubau nach EnEV 2009 um 51 Prozent reduziert. Somit mussten sowohl Wärmebrücken optimiert, als auch Dreischeibenverglasungen integriert werden. Um bei der Integration der Balkone keine Wärmebrücken zuzulassen, wurden die südlich ausgerichteten ornamentierten Balkonanlagen in Stahlkonstruktion mit Stahlankern an dem Gebäude befestigt.

Bezüglich der Größe der nach Norden ausgerichteten Fenster war ein Kompromiss notwendig, um die Verglasungswärmeverluste zu verringern, andererseits jedoch den äußeren Gesamteindruck nicht zu stören. Für die Gestaltung der Fenster selbst wurden außerdem spezielle Produkte eingesetzt: Die weißen Vollholz-Fenster aus heimischem hochdämmenden Pappelholz erinnern als eingefasste Zweiflügelfenster mit Oberlicht an die historisch geprägte Nachbarschaft. Die angebrachten Stilelemente wie Kämpfer, Sprossen und Profilierungen innen und außen sorgen für eine schmuckvolle Ergänzung der Gebäudefassade. Gleichzeitig erreichen die Fenster einen sehr guten Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von 0,9 W/(m²K).

Im Gesamtergebnis konnte die Gebäudehülle so ausgestaltet werden, dass auch bei Außentemperaturen von -5°C und einer Innentemperatur von mind. 20°C an allen Massivbauteilen noch innere Oberflächentemperaturen von mindestens 17°C eingehalten werden können. Die hierfür erforderliche Dämmung wurde durch ein Wärmedämmverbundsystem gewährleistet, das den in konventioneller Kalksandstein-Konstruktion mit Stahlbetondecken ausgeführten Baukörper ummantelt. Auf die Mineral- und EPS-Dämmung von durchschnittlich 28 cm wurden ein mineralischer Putz sowie ein mineralischer Anstrich aufgetragen. Das Untergeschoss wurde in Stahl-Beton ausgeführt. Das Dach besteht aus einem hochgedämmten Holz-Dachstuhl mit 40 cm Dämmung und hinterlüfteter vorpatinierter Zinkblech-Stehfalzdeckung.

Der kompakte Bau mit einer langen, nach Süd-Süd-West ausgerichteten Gartenfassade erzielt einen optimalen solaren Energieeintrag durch die großen südlichen Fensteröffnungen. Damit erreicht das Gebäude den Passivhausstandard in zweierlei Hinsicht. Die Grenzwerte sowohl für die Heizlast (10 W/m²) als auch für den Heizwärmebedarf (15 kWh/m²a) werden eingehalten, obwohl für die Erfüllung des Passivhausstandards die Erreichung nur eines dieser zwei Grenzwerte genügt hätte. Außerdem entspricht das Gebäude den Kriterien des KfW-Effizienzhauses 40.

Weitere ökologische Gesichtspunkte spielten bei der Wahl der Baustoffe eine Rolle. Gemeinsam mit einer baubiologischen Beratung wurden die Energie- und biologische Bilanz sowie die Schadstoffbilanz aller Baustoffe überprüft. So wurden ausschließlich heimische Hölzer verwendet, sowie vornehmlich mineralische Dämmstoffe und ausschließlich mineralische Putze und Farben verarbeitet. Bei der Auswahl der Firmen und der am Bau verwendeten Materialien wurde auf einen regionalen Bezugsrahmen und die damit einhergehende bessere Energiebilanz geachtet.

Dem Passivhausstandard entsprechend besitzt Haus Winter eine luftdichte Gebäudehülle, die die thermische Behaglichkeit im Gebäude durch das Minimieren der Wärmeverluste gewährleistet. Die gewählte Massivbau-Weise mit Kalkstein-Mauerwerk und Beton-Decken begünstigt in Kombination mit der nächtlichen mechanischen Grundlüftung maßgeblich den sommerlichen Wärmeschutz. Deshalb wäre trotz der hohen solaren Wärmeeinträge der Verzicht auf außenliegende Verschattungselemente möglich gewesen. Jedoch wurde zur Steigerung des individuellen Wohnkomforts der Bewohner in südlicher Ausrichtung ein frei regulierbarer Sonnenschutz installiert.

Der wegen der luftdichten Hülle erforderliche Frischluftvolumenstrom des Hauses wird durch eine Lüftungsanlage zugeführt, die nicht zentral sondern wohnungsweise ausgelegt ist. Die effizientesten am Markt verfügbaren Geräte mit bis zu 93 Prozent Wärmerückgewinnung stellen sicher, dass die kontrollierte Wohnraumbe- und -entlüftung mit geringstmöglichen Lüftungs-Wärmeverlusten erfolgt. Um eine Lärmbelästigung durch die Geräte zu vermeiden, wurden nach Vorgabe des Bauherrn die Technikräume mit Schallschutz-Türen versehen.

Der durch diese optimierte Ausgestaltung der Gebäudehülle nur noch geringe Heizwärmebedarf des Gebäudes wird durch modernste Gas-Brennwerttechnik mit solarthermischer Unterstützung und Warmwasserspeicher gedeckt. Durch eine Solarthermie-Anlage mit vier Flachkollektor-Modulen à 2,1 m² können rund 20 Prozent des Warmwasserbedarfs gedeckt werden. Ergänzt wird das Heizsystem durch eine Fußbodenheizung mit niedriger Vorlauftemperatur, wodurch die Wärmeverluste des Verteilungsnetzes im gesamten Gebäude verringert werden.

Andere Heiz-Technologien wurden ausgeschlossen, da sie den Projektvorgaben, die neben einer effizienten Versorgung auch Wirtschaftlichkeitsaspekte und den Wohnkomfort der Bewohner und Nachbarn berücksichtigen, nicht gerecht wurden. Mit der solarthermisch unterstützten Gas-Brennwerttechnik wurde eine bewährte Technologie eingesetzt, die den ohnehin geringen Wärmebedarf des Passivhauses effizient decken kann und die nach den verfügbaren Erfahrungswerten einen reibungslosen und wirtschaftlichen Betrieb des Heizsystems sicherstellt. Aufgrund der unterschiedlichen Lebenszyklen von Gebäude und Gebäudetechnik steht insbesondere bei der Übergangslösung mit Gas-Brennwert-Technik einem späteren Austausch der Technik gegen eine innovative Lösung nichts im Wege. Quelle: Zebau / bba

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