RSS | Newsletter | Über uns | Kontakt | Sitemap

Sie sind hier: Home » Dämmung & Fassade » Aktuelles » Artikel » Passivhäuser sind kaum teurer als Niedrigenergiegebäude

Wenn schon sanieren, dann so effizient wie möglich

Passivhäuser sind kaum teurer als Niedrigenergiegebäude

29.05.2010, 06:00

Wolfgang Feist, Passivhaus Institut
W. Feist: Höhere Kompetenz macht Passivhaus-Bau billiger. Bild: Strehlitz

"Wenn schon, denn schon", warf der Nürnberger Architekt und Passivhaus-Experte Burkhard Schulze-Darup den Teilnehmern der diesjährigen Passivhaustagung entgegen. Und meinte damit: Wer jetzt über das Sanieren seines Hauses nachdenkt, sollte sich dabei am Passivhaus-Standard orientieren. Denn jede Maßnahme an der Gebäudehülle, die jetzt stattfinde, wirke bis 2050 nach. So groß sei der Modernisierungszyklus in diesem Bereich.

Die Bedingungen für langfristig effektives Sanieren seien gut, lautete der Tenor auf der Veranstaltung. Die Fachkompetenz der Architekten und Handwerker in Sachen Passivhaus wachse stetig, erläuterte Professor Wolfgang Feist, wissenschaftlicher Leiter des Passivhaus Instituts. Dies sei die wichtigste Voraussetzung dafür, den Bau kostengünstiger zu gestalten. „Zur Zeit lernen die Architekten und Handwerkern häufig noch direkt in den Projekten“, sagte Feist. Das verursache hohe Zusatzkosten. Mit der Zeit werde sich das Knowhow der Fachleute durch eine verbesserte Weiterbildung aber weiter vergrößern.

Für langsam sinkende Kosten im Passivhaus-Sektor sorgt aber nicht nur die wachsende Kompetenz der Handwerker und Architekten. So berichtet Schulze-Darup, dass etwa Fenster für Passivhäuser mittlerweile günstiger geworden seien. Laut Professor Martin Treberspurg von der Universität für Bodenkultur in Wien liegen die Mehrkosten von dreifachen Verglasungen zwar immer noch bei etwa 30 bis 100 Euro pro Quadratmeter Fensterfläche im Vergleich zu Zweifach-Verglasungen. Doch er prognostiziert sinkende Preise für Passivhausfenster aufgrund einer stärkeren Marktduchdringung von innovativen Komponenten. Das betreffe etwa rahmenlose Fenster und Vakuumverglasungen.


Studie vergleicht Passiv- und Niedrigenergiehäuser

Bereits jetzt können Gebäude im Passivhaus-Standard laut Treberspurg in Bezug auf Kostenaspekten aber schon mit Niedrigenergiehäusern mithalten. Gemeinsam mit seinem Team hat der Wissenschaftler bestehende Passivhauswohnanlagen in Wien mit Gebäuden im Niedrigenergiehaus-Standard aus der gleichen Bauperiode verglichen. Untersuchungsgegenstand waren unter anderem die Errichtungskosten. Ergebnis: Bei Passivhäusern mit zentraler Lüftungsanlage lagen diese Kosten gerade mal vier bis sechs Prozent höher als bei den Vergleichsgebäuden. Auf der anderen Seite betragen die Einsparungen an Energiekosten in den Passivhäusern pro Haushalt 230 Euro, so ein weiteres Resultat der Studie, für die knapp 500 Wohnungen im Passivhaus-Standard untersucht wurden.

Nach Meinung von Feist sind solche Resultate durchaus repräsentativ. Und sie seien ein Grund dafür, dass das Passivhaus-Konzept zunehmend alle Bereiche durchdringe. So zeigt die Tagung Gebäude jeder Art und Größe, die als Passivhäuser gebaut oder gemäß Passivhaus-Standard saniert wurden. Dazu zählen zunehmend auch Nichtwohnhäser wie Kindergärten, Schulen, Supermärkte oder Laborgebäude. Passivhäuser werden dabei in vielen verschiedenen Ländern und auch in unterschiedlichen Klimazonen gebaut. So berichtet Feist vom ersten Gebäude im Passivhaus-Standard in Japan, das sich in einem subtropischen Gebiet befindet.


Denkmalgeschützte Gebäude saniert

Das Passivhaus-Konzept findet auch Verbreitung in Bereichen, die man bisher nicht in einem Atemzug mit Energieeffizienz genannt hat. Ein Schwerpunkt der Tagung stellt beispielsweise die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden dar. So wurde in Italien das Labor von Guglielmo Marconi saniert, einem Pionier der Funkübertragung. Wie bei anderen historischen Gebäuden waren dabei zwar Konzessionen an das Denkmalamt nötig – etwa bei der Dämmung. Doch ansonsten weist das Gebäude alle Merkmale des Passivhaus-Konzepts auf wie Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung oder dreifache Verglasung. Günther Gantioler, Direktor des involvierten Technischen Bauphysik Zentrums, freut sich: "Mit Sorgfalt und Respekt vor dem kulturellen Hintergrund können auch denkmalgeschützte Gebäude zum Passivhaus saniert werden."

Das Sanieren nach Passivhaus-Vorgaben kann günstiger sein als Abriss und Neubau. So berichtet André Zaman von der LUWOGE, einem Wohnungsunternehmen der BASF, von einem Projekt  in Ludwigshafen. Die Sanierung einer denkmalgeschützten Wohnanlage mit Passivhauskomponenten sei dabei 400 Euro pro Quadratmeter billiger gewesen als den gesamten Komplex abzureißen und einen Neubau zu errichten. mst

Eine Verwendung dieses Textes durch Dritte ist kostenpflichtig. Eine Lizenzierung ist möglich. Bitte nehmen Sie bei Fragen Kontakt auf.

 

Kommentar schreiben

(wird nicht veröffentlicht)
Bitte geben Sie die angezeigte Zeichenfolge (Captcha) ein. Dies dient zur Vermeidung von unerwünschtem Spam.

Zurück

Premiumpartner