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Interesse an Dämmung wächst mit EnEV 2009

Ökotest-Ergebnisse sind Experten nicht nachvollziehbar

26.10.2009, 09:26

Skizze eines Hauses mit Wärmedämmung
Dämmung muss an allen Punkten ansetzen. Bild Remmers.

Die jüngste Novelle der Energieeinsparverordnung, die EnEV 2009, sorgt für höheres Interesse am Thema Wärmedämmung. Dem hat sich auch die Zeitschrift Ökotest angenommen und Produkte untersucht. Nicht alle Testergebnisse der Berliner sind für Experten nachvollziehbar.

Die Hauptmängel aus Sicht von Ökotest: Einige Mittel belasten die Raumluft durch Ausgasungen und möglicherweise sogar mit Schimmel. Die Kritik an einer hohen Belastung durch Pilze richtet sich hauptsächlich an einige Hersteller von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen.

Eckhard Klopp von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe, einer Beratungsstelle, die im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums arbeitet, kann das nicht wirklich nachvollziehen. Schimmel sei nicht gleich Schimmel, sagt Klopp. Auch Käse sei Schimmel und werde gegessen. "Nicht ausreichend geklärt ist die Relevanz der festgestellten Werte für die bautechnische Eignung und Gesundheit", lautet sein Einwand gegen die Testergebnisse. Inbesondere bei der Herstellung von Flachs sei das Aufschließen der Fasern durch Mikroorganismen ein bewährtes Verfahren.

Auch bei der Verwendung von Bor als Flammschutz kann Klopp die Einwände der Ökotester nicht nachvollziehen. "Bis vor kurzem galten Borate als Flammschutzmittel in Dämmstoffen noch als tolerabel und wurden auch vom strengen Natureplus-Label akzeptiert", wendet er ein. Viele Borverbindungen "stehen heute in begründetem Verdacht, die Fortpflanzung zu beeinträchtigen", schreibt dagegen Ökotest.

Bromierte Verbindungen in hoher Konzentration hat Ökotest auch in zwei von drei untersuchten Polystyolen gefunden. Für Hans Peters, Geschäftsführer des Institut Bauen und Umwelt, das die Nachhaltigkeit von Bauprodukten zertfiziert, ist damit aber noch nicht geklärt, ob diese Stoffe wirklich eine Gefährdung für die Menschen darstellen. "Bei Dämmstoffen, die nach innen mit Dampfsperre und Beplankung abgeschottet sind kann ich mir das nicht vorstellen", sagt er im Gespräch mit EnBauSa. Nach außen ist die Abschottung geringer, deshalb würde eine Ausgasung auch eher nicht in Richtung Innenraum erfolgen.

Daneben hatten die Tester bei Polystyrolen Ausgasungen von Styrol gefunden. Styrol steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Dem Testbericht sei nicht wirklich zu entnehmen, ob es dazu auch Messungen gegeben habe, wendet Peters ein. Natürlich habe man eigene Messungen vorgenommen, betont Ökotest-Redakteurin Gabriele Achstetter. Dabei habe man flüchtige organische Verbindungen, darunter aromatische Kohlenwasserstoffe und Styrol sowie Formaldehyd gemessen. Formaldehyd jedoch in so geringen Konzentrationen, dass es nicht zu einer Abwertung führte.

Für die Verbraucher wird die Auswahl mit diesen Testergebnissen nicht unbedingt einfacher. Sie sollen sich aber nicht verunsichern lassen und dennoch Dämmprojekte anpacken. "Die Auswahl der Dämmstoffe spielt bei der Gesamtbilanz der Nachhaltigkeit eines Gebäudes eine marginale Rolle, die Dämmung an sich aber eine umso größere", meint Peter Seelig, Geschäftsführer des Gesamtverbands der Dämmstoffindustrie. Es komme also darauf an, dass überhaupt gedämmt werde, und das sachgerecht.

Seelig gibt auch nicht viel auf Zertifikate für nachhaltige Produkte: "Die spielen bei Kaufentscheidungen keine wirklich entscheidende Rolle". Aus seiner Sicht sei es auch eine Frage, ob der Endkunde gut beraten ist, sich an Siegeln zu orientieren. "Die Produkte bieten Kombinationen von Eigenschaften, die für den jeweiligen Einsatzbereich optimal sind." Eine Entscheidung für einen Dämmstoff hängt also von sehr vielen Faktoren ab, sei es der Wandaufbau bei der Außendämmung oder die Konstruktion des Dachs bei der Dämmung der obersten Geschossdecke oder des Dachs. pgl

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