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Kosten sind deutlich höher als bei reiner Fassadensanierung

Fertig-Fassaden erlauben Sanierung ohne Umzug

28.01.2014, 06:30

Vorgefertigte Fassade
Vorfertigung erlaubt Sanierung im vermieteten Zustand. © Lattke

Die Sanierung eines Gebäudes von außen, teilweise im vermieteten und bewohnten Zustand ist eine Strategie, die Kosten und Nerven sparen kann. Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts E2ReBuild wurde an Lösungen geforscht und einige Projekte umgesetzt. Nun hat sich ein Unternehmen ausgegründet, das die Ideen weiterentwickeln und vermarkten will.

Das Prinzip bei den in Deutschland realisierten Projekten: vorgefertigte Fassadenelemente aus Holz, so genannte TES-Fassadenelemente, kommen mit Dämmung, eingebauten Fenstern und vorbereiteten Haustechnikanschlüssen fertig auf die Baustelle. Dort werden sie einfach mit dem vorhandenen Baukörper verbunden.

Eines der Projekte im Forschungsverbund hat die WBG Augsburg in der Grüntenstraße umgesetzt und damit 2012 den Holzbaupreis gewonnen. Das Ergebnis beurteilt Geschäftsführer Dominik Hoppe zwiespältig: "Wirtschaftlich betrachtet ist das nicht optimal, aber wir sind vom technischen Nutzen überzeugt. Wir liegen zwar 30 Prozent über den normalen Sanierungskosten, aber die Einsparungen bei den Heizkosten waren auch deutlich höher als erwartet", erzählt er im Gespräch mit EnBauSa.de.

Für ihn ist es "auf jeden Fall wichtig, solche Innovationen auszuprobieren." Dennoch ist für ihn klar: "Wir würden eine Sanierung derzeit so nicht noch einmal durchführen. Die Kosten sind für uns zu hoch." Die Anzahl der zu sanierenden Gebäude ist enorm, deshalb müss man eher "Masse statt ein oder zwei Leuchttürme sanieren." Bei den nächsten Sanierungsvorhaben setzt er deshalb wieder auf bewährte Lösungen mit WDVS.

Doch das muss nicht das letzte Wort sein: "Wir werden weiter testen, ob im Einzelfall Alternativen zum Einsatz kommen können. Dass ist schon deshalb notwendig, weil es bei der Fassadendämmung zu wenige Anbieter gibt, die sonst die Preise bestimmen können."

"Was nicht geht ist, die positiven Erkenntnisse und Erfahrungen mit der neuartigen, ganzheitlichen Vorgehensweise, dazu gehört auch die TES-Fassade, wieder in die Schublade 'Modellprojekt' zu schieben", widerspricht Florian Lichtblau. Er hat Geschosswohnungsbauten der GWG München mit dem Konzept saniert, sie sind derzeit im Monitoring. Dabei "hat sich herausgestellt, dass es an keiner Stelle bauliche oder kalkulatorische Probleme gab. Die Energieverbräuche in den Gebäuden liegen sogar bis 25 Prozent unter vorab den errechneten Werten", berichtet Lichtblau.

Außerdem ließen sich so Bestände sanieren anstatt sie abzureißen: "Damit vermeidet man die Lasten grauer Energie und Entsorgungsprobleme, die beim konventionellen Neubau entstehen und bei zirka 35 Kwh/m2a liegen über 80 Jahre", so Lichtblau weiter.

Für die Entwickler der Fassadenlösung macht deshalb auch ein direkter Vergleich mit Wärmedämmverbundsystemen keinen Sinn. Schließlich gehe es bei den TES-Holzfassaden "auch um Mehrwert wie kürzere Bauzeiten, variablere Möglichkeiten der Verkleidung der Hülle und eine höhere Dauerhaftigkeit", so Frank Lattke gegenüber EnBauSa.de. Lattke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München und war Leiter des Demonstrationsprojekts in Augsburg. Im Wohnungsbau seien mittlerweile in Deutschland 5 bis 10 Objekte mit solchen Fassaden realisiert worden, und noch einmal deutlich mehr bei der Sanierung von Schulen. "Im Wohnungsbau sind es weniger, da dort die finanziellen Spielräume geringer sind und in erster Linie nach der günstigsten Lösung gesucht wird", beobachtet Lattke.

Die Akquise neuer Projekte für die Fertig-Fassadenelemente übernimmt seit kurzem ein eigenes Unternehmen, die ReBuild Generalplanung GmbH. Geschäftsführerin Anja Theßenvitz ist zufrieden mit der Resonanz: "Unsere Ansprache von großen Gesellschaften der Wohnungswirtschaft zum Thema energetische Modernisierung von mehrgeschossigen Wohn- und Nichtwohngebäuden mit nachwachsenden Rohstoffen stößt ganz offensichtlich auf Interesse. Die Resonanz kommt sehr zügig, und führte bereits zu persönlichen Besprechungen für die Planung konkreter Modernisierungsprojekte."

In der Modernisierung seien vorgefertigte Holzfassaden spannend, wenn nicht nur die Fassadensanierung anstehe, sondern auch Veränderungen wie Aufstockungen oder Anbau neuer thermisch von der Wand getrennter Balkone geplant seien, ergänzt Lattke. Dafür gebe es Interesse: "Wir sind an einem neuen Projekt in Paris dran, bei dem die Umwidmung von Balkonen in Loggien eine Rolle spielt", so Lattke weiter.

Einer der Vorteile könnte auch sein, dass sich in die Elemente Teile der Haustechnik integrieren lassen, so Architekt Arthur Schankula. Er hat in Bad Aibling einen größeren Wohnblock damit saniert. Da ging es auch um die Neugestaltung, nicht um die reine Sanierung der Fassade: "Bei dem Projekt in Bad Aibling kamen Gauben und Balkone dazu, das hat den Einsatz der vorgefertigten Fassadenelemente einfacher gemacht." Erprobt ist das aber nur in Mehrgeschossern: "Es gab viele Anfragen aus dem Einfamilienbereich, aber da rechnet es sich nicht", so Schankula. Weitere Projekte stehen an, bei denen Kombielemte zum Einsatz kommen werden: ""Es gibt seit drei Jahren einen Versuchsstand, bei dem die integrierte Lüftung in den Fassadenelementen getestet wird. Ein weiteres Ziel ist dabei, die Luft solar vorzutemperieren. Die Integration der Lüftung und solare Temperierung sollen im Piloten umgesetzt werden."

Auch in Tübingen werde derzeit bei einem Projekt geprüft, ob es sich mit solchen Fassadenelementen sanieren lässt, ebenso in Rottenburg bei Schulbauten, berichtet Ludger Dederich, der sich als Professor an der Forsthochschule Rottenburg mit Holzbau beschäftigt. Das sei auch deshalb gut, weil es die regionale Wirtschaft fördert und neben der Sanierung auch den möglichen Rückbau in den Mittelpunkt stellt." Es müsse der gesamte Lebenszyklus der Materalien betrachtet werden.

Architekt Lichtblau hat dazu auch einen weitgehenden Vorschlag: "Ein hochwirksames Mittel zur wirklichen Kostentransparenz beim Energieverbrauch für Bau und Betrieb von Gebäuden wäre eine flächendeckende CO2-Steuer, dann bräuchten wir keine EnEV und keine Förderdiskussionen mehr ...". von Pia Grund-Ludwig

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