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Die regelmäßige Wartung von Brandschutzklappen ist teuer

Brandschutz kann Passivhauskosten in die Höhe treiben

13.08.2010, 00:00

Feuer
Beim Brandschutz wird immer genauer hingeschaut, berichten Architekten. Bild: Dieter/ Pixelio

Zum Grundkonzept von Passivhäusern gehört ein durchgängiges Lüftungssystem, das einen kontinuierlichen Luftwechsel sicher stellt. Ein solches System jedoch steht nicht selten den Anforderungen eines effektiven Brandschutzes entgegen – vor allem in größeren Gebäuden. Denn die entsprechenden Bestimmungen sehen vor, dass die Gebäude in Brand- sowie Rauchabschnitte unterteilt werden. Diese müssen komplett voneinander getrennt werden können und das gilt auch für Lüftungskanäle.

Besonders bei öffentlichen Einrichtungen wie Schulen kommt diesen Anforderungen eine große Bedeutung zu. Denn hier haben es die Architekten in der Regel mit mehreren Brand- und Rauchabschnitten zu tun. Das Lüftungssystem muss also entsprechend angepasst werden.  

Die einfachste Lösung ist dabei der Einbau von Brand- und Rauchschutzklappen. In jede Luftleitung, die Räume aus verschiedenen Abschnitten miteinander verbindet, wird eine solche Vorrichtung eingebaut. Die Klappen sind mit temperatur- und rauchempfindlichen Sensoren ausgestattet und verschließen die Leitung im Notfall automatisch. Doch gerade in großen Gebäuden, wo viele solcher Brand- und Rauchschutzklappen nötig sind, kann diese Lösung sehr kostspielig werden.

Ins Geld geht dabei vor allem die vorgeschriebene regelmäßige Wartung. So verursachen Brand- und Rauchschutzklappen laut einem Bericht des Hochbauamtes Frankfurt jährlich etwa 20 bis 50 Euro an Wartungskosten pro Stück. Hinzu kommt, dass solche Vorrichtungen immer potenzielle Fehlerquellen im Brandschutzsystem darstellen.

Der Architekt und Passivhausexperte Olaf Reiter berichtet, dass die Mehrkosten durch solche Brandschutzmaßnahmen in vielen Fällen zu der Entscheidung führen können, ein Gebäude nicht nach Passivhausstandard zu errichten. "In einer Schule mit vielen Klassenräumen können schon eine Menge Brandschutzklappen zusammen kommen", so Reiter, "und über Alternativen wird meistens gar nicht nachgedacht." 

Wie solche Alternativen aussehen können, zeigt das Beispiel eines Kindergartens im sächsischen Heidenau. Hier war ursprünglich geplant gewesen, die Luft aus den verschiedenen Gruppenräumen jeweils über einen großen Flur abzuführen. Doch der Flur ist ein Rettungsweg und stellt einen eigenen Brandabschnitt dar. Für jede einzelne Überströmöffnung zwischen Gruppenraum und Flur wäre also der Einbau einer Brandschutzklappe nötig gewesen.

Die Lösung: Um eine Verbindung zwischen dem Lüftungsgerät auf der Nordseite des Gebäudes und den südlichen Gruppenräumen herzustellen, wurde der dazwischen liegende Flur mit einem vierseitig verkofferten Rohr durchquert. Die Luft wird in die Gruppenräume eingeblasen und in dem direkt anliegenden Sanitärraum abgesaugt. So sind Zu- und Abluft innerhalb des gleichen Brandabschnitts platziert. Der gesamte Kindergarten kommt auf diese Weise mit einer einzigen Brandschutzklappe aus.

Solche Möglichkeiten bieten sich laut Reiter auch in mehrgeschossigen Gebäuden, in denen jede Decke die Grenze zu einem Brandabschnitt darstellt. Auch hier könnten Lüftungsleitungen einzeln nach oben geführt und verkoffert werden. Außerdem biete es sich in bestimmten Fällen auch an, Lüftungsleitungen an der Fassade hochzulegen. 


Abluftkanalsystem erscheint als kostengünstigere Lösung

In der ebenfalls als Passivhaus gebauten Riedbergschule in Frankfurt gingen die Verantwortlichen den anderen Weg: Dort wird die Abluft aus den Gruppen- und Klassenräumen über den Flur geführt – mit dem entsprechenden Einsatz von Brandschutzklappen. Das Fazit des zuständigen Hochbauamts fällt eindeutig aus: Angesichts der im Laufe des Projekts gestiegenen Anforderungen unter anderem an den Brandschutz und die dazugehörigen Investitions- und Wartungskosten wird in Zukunft bei ähnlichen Projekten untersucht, ob ein Abluftkanalysystem nicht kostengünstiger ist.

Neben dem Einbau von Brandschutzklappen oder speziellen Kanalsystemen, die für abgeschlossene Lüftungseinheiten sorgen, gibt es aber noch weitere Maßnahmen, die den Brandschutz beim Einsatz einer Lüftungsanlage verbessern. So rät zum Beispiel das Passivhaus Institut, im zuluftseitigen Kanal der Lüftungsanlage vor Eintritt in das Gebäude einen Rauchmelder zu platzieren. Damit kann die Zuluft im Brandfall abgeschaltet werden. Dagegen sei es nicht kritisch die Abluft weiterlaufen zu lassen, da dies sogar zur Entrauchung beitragen könne, so die Passivhausexperten.

Um unerwartete Kosten zu vermeiden, sollten sich Architekten schon früh mit dem Lüftungstechniker sowie Brandschutzexperten zusammensetzen und ihre Pläne entsprechend anpassen. Laut Reiter wird dies in Zukunft sogar verstärkt notwendig sein. Denn Gebäude würden derzeit sehr intensiv nach ihrer Brandsicherheit überprüft, so der Architekt. "Da wird immer genauer hingeschaut." Markus Strehlitz

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