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Windenergieanlagen

Windräder im Südwesten werden immer leistungsfähiger

Die Gesamthöhe der Windenergieanlagen in Biederbach liegt bei 229 Metern. Foto: BWE / Sandra Majer

Eine Auswertung der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (Plattform EE BW) zeigt, dass Windräder im Südwesten immer leistungsstärker werden. Der technologische Fortschritt bei Windenergieanlagen ist ungebrochen.

Im Jahr 2021 erreichten die in Baden-Württemberg errichteten 28 Windenergieanlagen im Schnitt gut vier Megawatt installierte Leistung; der Rotordurchmesser lag bei rund 125 Metern, die Gesamthöhe bei 220 Metern. Zehn Jahre zuvor errichteten die Anlagen nur gut die Hälfte der Leistung: 2,1 Megawatt – bei einem Rotordurchmesser von rund 85 und einer Gesamthöhe von rund 175 Metern. Zur Erinnerung: Zur Jahrtausendwende war es sogar nur ein Megawatt Leistung pro Windrad.

Wachsende Größe, wachsende Stromerzeugung

Das Ende der Fahnenstange ist mit den Zahlen des Jahres 2021 noch nicht erreicht: Die Hersteller Enercon und Siemens Gamesa bringen bald Anlagen mit einer Leistung zwischen 5,6 und 6,6 Megawatt auf den Markt. „2030 erwarten Fachleute dann eine Steigerung auf rund sieben Megawatt, die aber auch noch deutlich übertroffen werden könnte“, sagt Dürr-Pucher.

Der Nutzen der größeren Anlagen liegt auf der Hand: Sie erzeugen deutlich mehr erneuerbaren Strom. Die Steigerung der Windstromausbeute ist sogar überproportional. Ein Beispiel zeigt es anschaulich: Ersetzt ein Betreiber, wie im Schwarzwald geschehen, eine Anlage mit 1,5 Megawatt durch eine mit 4,2 Megawatt Leistung, steigt die Stromerzeugung nicht wie vermutet um den Faktor 2,8, sondern um den Faktor vier. Das macht die Erzeugung des Stroms deutlich günstiger, was sich auch auf den Strompreis für Industrie und Kunden auswirken kann.

Für die Energiewende wäre das ein Segen. Aktuell drehen sich in Baden-Württemberg rund 780 Windenergieanlagen, bis 2030 soll sich die Zahl auf über 1.300 fast verdoppeln. Die Stromerzeugung würde sich von 3,4 Terawattstunden auf dann 12,3 Terawattstunden praktisch vervierfachen. Der Anteil am wachsenden Stromverbrauch steigt von aktuell rund 4,5 auf dann 14 Prozent, hat eine im Jahr 2021 veröffentlichte aktualisierte Studie der Plattform EE BW gezeigt.

Auch Kommunen profitieren – und Vögel

In den Himmel wachsende Windenergieanlagen kommen auch Vögeln zugute. Die drehenden Rotoren sind durch die höhere Nabenhöhe der Anlagen weniger gefährlich für Rotmilan und andere Vögel. Der Grund: Die Tiere fliegen tiefer, als die Anlage hoch ist.

Kommunen profitieren ebenfalls von der Entwicklung: Die Gewerbesteuereinnahmen einer 3-Megawatt-Anlage liegen je nach Ausgestaltung der Verträge und dem Windaufkommen zwischen 8.000 und 30.000 Euro pro Jahr. Da sich die Gewerbebesteuerung an den Gewinnen der Anlage orientiert, würde eine Anlage mit sechs Megawatt auf deutlich mehr Einnahmen für Städte und Gemeinden kommen. Diesen Betrag erhalten Kommunen zusätzlich zu den möglichen regulären Pachten für Wege, Kabel oder eigene Fundamentgrundstücke.

Weniger neue Windenergieanlagen nötig, aber auch flexiblere Genehmigungen

Die Leistungssteigerung hat eine weitere positive Folge. Die Anzahl der künftig neu zu errichteten Anlagen wird sinken. Bliebe die technische Entwicklung bei vier Megawatt Leistung stehen und würden alle Anlagen in Baden-Württemberg 2040 den Durchschnittswert der neuen Anlagen im Jahr 2022 aufweisen, bräuchte der Südwesten bis dahin insgesamt rund 3.350 Windenergieanlagen. Geht die technische Entwicklung wie prognostiziert weiter, sind im Jahr 2040, dem ersten Jahr der Klimaneutralität, nur insgesamt rund 2.230 Anlagen erforderlich. Sie würden dann 28 Prozent der Stromnachfrage decken.

Um den möglichen Erfolg sicherzustellen, sind zahlreiche Nachbesserungen des regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmens notwendig. Unverzichtbar für den Ausbau der erneuerbaren Energien im Stromsektor sind angepasste Rahmenbedingungen. Die Plattform EE BW schlägt daher eine praxisgerechte Ausgestaltung von Ausschreibungen und des Genehmigungs- und Planungsrechtes vor. So müssten feste Fristen definiert und eingehalten, Vorgänge digitalisiert und Artenschutzvorgaben vereinfacht sowie rechtssicher gestaltet werden. Bei Abwägungen solle zudem dem Klimaschutz mehr Gewicht zukommen.

Quelle: Plattform EE BW / Delia Roscher

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