Mieterstrom bleibt ein komplexes Nischenprodukt

Strom und Wärme fürs Quartier im Aufwind

Strom vom Dach bleibt für Mieter die Ausnahme. © Gagfah

Trend Research hat in einer Studie mögliche Geschäftsmodelle für Quartierskonzepte und Mieterstrom untersucht. Mieterstrom werde ein Nischenprodukt bleiben, sagen die Experten.

Im Fokus der Studie steht die Analyse der Marktentwicklungen von Quartierskonzepten und Mieterstromprojekten bis 2025 - differenziert in drei Szenarien mit unterschiedlichen Annahmen. Es ist damit zu rechnen, dass die Anzahl und Bedeutung von Quartierskonzepten deutlich steigt, während es im Mieterstrommarkt zwar zu einer wachsenden Anzahl von Projekten kommt, dieses Marktmodell aber weiterhin ein Nischenprodukt bleibt.

Aufgrund der sehr weiten Definition und der vielen unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten gibt es eine sehr hohe Anzahl von Komponenten und Dienstleistungen, die Teil eines Quartierskonzeptes sein können. Grundsätzlich lassen sich die Teile eines Quartierskonzeptes in drei Teilbereiche unterteilen: Energieversorgung (Strom und Wärme), weitere Infrastruktur  und sonstige Dienstleistungen für die Bewohner.

Die Energieversorgung steht dabei bei den meisten Projekten im Mittelpunkt. Deshalb sind Energieversorger häufig die Akteursgruppe, die die entscheidende Rolle bei der Umsetzung eines Quartierskonzeptes spielt.

Im Mittelpunkt der Geschäftsmodelle von Quartierskonzepten steht häufig die energetische Sanierung von bestehenden Quartieren. Diese Geschäftsmodelle werden dann teilweise um neue ergänzende Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung oder andere Anlagen zur Stromerzeugung ergänzt.

Bei der Umsetzung von Mieterstrommodellen werden in der Regel Photovoltaikanlagen oder Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zur Stromerzeugung eingesetzt, die den Strom lokal erzeugen und über eine Durchleitung durch öffentliche Netze den Mietern zur Verfügung stellen. Bei den Geschäftsmodellen können die beteiligten Akteure (Wohnungsgesellschaft, Mieter, Energieversorger, Energiedienstleister, Netzbetreiber) unterschiedliche Rollen einnehmen. Insbesondere für die Wohnungsunternehmen bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten der Beteiligung an den Projekten wie der Betrieb der Erzeugungsanlage über eine Tochtergesellschaft, die dann auch Energieversorger ist.

Bei diesem Modell hat das Wohnungsunternehmen weiterhin einen großen Einfluss auf das Projekt und eine hohe Transparenz. Der bürokratische Aufwand wird aufgeteilt, es entsteht jedoch eine neue Schnittstelle zwischen Wohnungsunternehmen und Netzbetreibern, die einen Mehraufwand bedeutet. Für Energieversorger bieten sich insbesondere Potenziale bei der Integration von dezentralen Speichern und von E-Mobilitätskonzepten.

Insgesamt bieten die Märkte für Quartierskonzepte und Mieterstrom in den kommenden Jahren interessante Wachstumsperspektiven für Energieversorger und Energiedienstleister. Die Potenziale für die Umsetzung von Projekten sind sehr hoch, da einerseits ein großer Sanierungsbedarf bei den Gebäuden besteht und andererseits die Nachfrage nach neuen Gebäuden in den kommenden Jahren hoch sein wird. Das Potenzial kann aber aufgrund unterschiedlicher Hemmnisse nur zu geringen Anteilen in Projekte umgesetzt werden.

Ausgehend von einem Bestand von ca. 1.400 bestehenden Quartierskonzepten in Deutschland wird die Anzahl im Referenzszenario auf ca. 2.800 Quartierskonzepte bis 2025 steigen. Es sind vielfältige Hindernisse zu beachten und die Förderung von Effizienzmaßnahmen ist nur bedingt sinnvoll, so dass von den erforderlichen Sanierungsprojekten nur ein Teil umgesetzt wird. Zudem müssen die Projekte individuell umgesetzt werden, so dass der Aufwand für die Energieversorger hoch ist. Darüber hinaus ist zu beachten, dass auf dem Wärmemarkt unterschiedliche Technologien zur Verfügung stehen, die auch eine effiziente Versorgung von einzelnen Gebäuden ermöglichen und die somit eher in Konkurrenz mit Quartierskonzepten stehen.

Die Entwicklung der Mieterstromprojekte ist noch stärker von den rechtlichen Rahmen- und Förderbedingungen geprägt. Im Referenzszenario, in dem die rechtlichen Rahmenbedingungen im Wesentlichen unverändert bleiben, steigt die Anzahl der Mieterstromprojekte bis 2025 auf knapp 4.000 Projekte. Die Anforderungen, die an die Projekte gestellt werden, schränken die Ausschöpfung des theoretischen Marktvolumens stark ein und führen nur zu einer geringen Realisierungsquote bei den Projekten. Trotzdem werden die Anzahl der Projekte und das Marktvolumen in den kommenden Jahren steigen. Quelle: Trend Research / pgl

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