Dächer können komplett mit Solarmodulen bedeckt sein

Photovoltaik auf Augenhöhe mit dem Ziegel

Von unten kaum zu unterscheiden: Dacheindeckung mit Photovoltaikelementen. © Braas

Auf deutschen Dächern ist noch viel Platz, um mit Solarmodulen Strom zu erzeugen. Dafür gibt es jetzt mehr und mehr dachintegrierte Modelle, die nicht mehr aufgeständert werden. Sogar ganze Dachflächen werden aus PV-Modulen oder Schindeln gestaltet.

Der Hersteller Braas bietet dachintegrierte Photovoltaikmodule in zwei Ausführungen an: Das rechteckige Standardmodul passt auch mit Ziegeln von der Konkurrenz zusammen und wird in einen von Braas gelieferten Rahmen eingefügt. Die hauseigene Lösung besteht aus flachen, langen Modulen, die in Reihen wie Ziegel übereinandergehängt werden.

Wer aufgeständerte Module bevorzugt, bekommt bei Braas aber auch Metallpfannen in mehreren Farben, die mit Haken für die Module ausgerüstet sind. Letzter Baustein im Braas-Sortiment für Photovoltaik sind die Stromspeicher für die PV-Anlage auf dem Dach und die Berechnungen für die richtige Größe des Systems. Dachdecker und Zimmerleute bekommen außerdem einen Vorortberater für die richtige Installation. Wegen der geringeren Stückzahlen sind Indachmodule bisher noch teurer als aufgeständerte. Trotzdem gibt es sie jetzt sogar auch für Schieferdächer, wie der Hersteller Rathscheck kürzlich mitteilte.

Besonders gefragt sind zurzeit anthrazitfarbene Dächer im Ton des edlen Schiefers, berichtet Abraham Balendran, Produktmanager Energietechnik bei Braas. Die schwarzen dachintegrierten Photovoltaikmodule passen im Ton dazu. "Wenn Sie von unten aufs Dach schauen, müssen Sie zweimal hinsehen, um die Module zu unterscheiden", sagt er.

Indirekt habe Tesla mit seinem in Deutschland noch nicht erhältlichen Angebot zum Interesse an dachintegrierter Photovoltaik beigetragen, glaubt Balendran. "Viele Kunden haben Abbildungen gesehen und wissen jetzt, dass es das gibt. Tesla hat gezeigt, was möglich ist und dass es schöne Photovoltaikanlagen gibt."

Solteq ist der deutsche Tesla

Hier meldet sich der Hersteller Solteq mit einem Einspruch und weist darauf hin, dass er schon seit Jahren Solardächer liefere, die ähnlich wie bei der Eindeckung von Tesla die gesamte Fläche bedecken. Die Basismodelle gibt es als Quadrate in blauen und schwarzen Farbtönen. Inzwischen bietet Solteq aber auch Biberschwänze an, die zum Teil mit Solarzellen bedeckt sind. Hier gibt es neben dem klassischen Ziegelrot auch ein poppiges Lila im Angebot. Jede einzelne Schindel ist hinterlüftet, berichtet Solteq.

Das hat mit der geringeren Energieausbeute zu tun, die mit dem Aufheizen der dachintegrierten Module zusammenhängt. "Es wird immer erzählt, dass sie weniger effizient sind", weiß Balendran. Tatsächlich waren früher bei einigen Systemen keine Belüftungsschlitze vorgesehen, sodass sie sich mehr aufheizten als aufgeständerte Anlagen. Dann sinkt die Effizienz. "Unsere Module sind aber mit Lüftungsschlitzen versehen, dann ist die Ausbeute vergleichbar oder manchmal auch besser als die von aufgeständerten Systemen", sagt Balendran.

Mehr Sicherheit bei Regen und Sturm

Der Mittelständler Nelskamp aus Westfalen, im Kerngeschäft ein Ziegelhersteller wie Braas, bietet dachintegrierte Photovoltaikmodule als schmale, zwei Meter lange Elemente in der Höhe eines Dachziegels an. Sie werden dann in Reihen übereinander verlegt. In den Produktbeschreibungen wirbt Nelskamp wie Braas damit, dass sich die Module harmonisch ins Dachbild einfügen. Das bringe außerdem Sicherheit bei Regen und Sturm, weil sie weniger angreifen können als bei aufgeständerten Modulen.

Zur Messe Intersolar im Juni soll auch ein Hybridmodul, das Photovoltaik und Solarthermie kombiniert, in der angesagten glatten Optik herauskommen. Bisher bietet Nelskamp diese sogenannten PVT-Module mit einer gewellten Oberfläche an. Bei den PVT-Modulen sind Photovoltaik- und Solarthermie-Einheit in einen großformatigen Dachziegel eingearbeitet. Zwei gewellte Einheiten umfassen die Solarthermie, in der Mitte liegt ein PV-Modul.

"Das Dach bietet so viel Potenzial, das noch nicht richtig genutzt wird", bedauert Christian Bremer, Leiter der Solarabteilung. Das habe auch mit den politischen Rahmenbedingungen zu tun. Die Anfangsinvestitionen für ein Energiedach seien höher als bei einer Standard-Gas- oder Ölheizung. "Dafür hat dann man dann einen konstanten Energiepreis", sagt er.

Die Module sind das Dach

Radikal wurde dieser Gedanke vom Architekturbüro Klärle aus Bad Mergentheim umgesetzt. Hier sind die Module nicht in das Dach integriert – sie sind das Dach. Bei der Sanierung eines Bauernhofs in Weikersheim-Schäftersheim wurden alle großen Dachflächen von Scheune, Remise und Bauernhaus vollflächig mit 550 Quadratmetern PV-Modulen bedeckt. Dafür bekam das Projekt den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis Gebäudeintegrierte Solartechnik 2017, der vom Solarenergieförderverein Bayern verliehen wird. Auch die Umwelt Arena im schweizerischen Kanton Aargau mit ihrem weit ausgreifenden, kuppelförmigen Dach ist so ein Vorzeigeprojekt. von Susanne Ehlerding

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